Rechenzentren: Muss denn alles eckig sein?

10. März 2015, 15:10
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Startup propagiert eine Art "Servertanks" statt Kalt- und Warmgänge.

Startup propagiert eine Art "Servertanks" statt Kalt- und Warmgänge.
Für das Internet der Dinge, so glaubt das Startup Vapor IO, wird es nicht nur Riesenrechenzentren wie die von Google oder Facebook brauchen, sondern auch viele kleine "Rand"- Beziehungsweise "Edge"-Rechenzentren, die zwischen Datenerzeugern und zentralen RZs stehen. Edge-RZs werden oft dort sein müssen, wo Platz eng und teuer ist: In Städten.
Vapor IO hat sich heute erstmals zu Wort gemeldet. Das Startup glaubt, dass man für die Bau der Edge-Rechenzentren ganz neue Ansätze überprüfen sollte und propagiert auch gleich eine solche Idee: Das "Vapor Chamber". Das Konzept könnte nicht nur für die "Internet-of-Things"-Cloud sondern auch generell für Betreiber von kleineren Rechenzentren interessant sein.
Vapor Chambers sind runde Tanks, die die traditonelle RZ-Architektur mit Servergängen oder - in neueren RZs - Kalt- und Warmgangeinhausungen ablösen sollen. Die Tanks beinhalten sechs Racks, die eine zentrale Säule umringen. Der zentrale Bereich entspricht als "Heissluftsäule" sozusagen einem Heissgang. Ein grosser Ventilator in der Decke des Tanks saugt heisse Luft ab und zieht Kühlluft von aussen durch die Serverracks hinein. Das Design soll für eine hohe Energieeffizienz bei vergleichbar geringen Kosten sorgen.
Mit den Tanks, die einen Durchmesser von rund drei Metern haben, lassen sich zudem laut Vapor IO etwas dichtere Rechenzentren bauen, als mit einem Design mit eingehausten Gängen. Entscheidender ist aber der zweite Teil des Konzepts: Die Vapor Chambers sollen standardmässig auch mit Geräten wie Gleichrichtern, Stromverteilern, Backup-Batterien und Feueralarm- und -Löschanlagen ausgerüstet sein. Diese Geräte sind normalerweise nicht in den Rackreihen sondern im RZ-Raum oder in Nebenräumen untergebracht und verteuern den Bau. Die Vapor Chambers erfüllen demgegenüber schon einige der Sicherheitsansprüche, die ein RZ erfüllen muss, und könnten deshalb in relativ "billigen" Umgebungen untergebracht werden.
Dies wiederum entspricht auch dem Konzept der in Containern untergebrachten RZ-Module inspiriert, und Teile davon sollen auch wieder dorthin zurückfliessen.
Die Namen "Vapor IO" oder "Vapor Chamber" scheinen uns nicht sehr geschickt gewählt. Uns erinnern sie stark an den Ausdruck "Vaporware". Dieser steht für visionäre IT-Produkte, die gross angekündigt, und heiss diskutiert aber nie verwirklicht werden. Hinter Vapor IO scheinen aber Leute zu stehen, deren Ideen bereits die heutige reale Cloud-Architektur beeinflusst haben, unter anderem CEO Cole Crawford. Er war bei der Entwicklung von "Nova" beteiligt. Diese für die NASA gebaute Cloud-Lösung wurde später zusammen mit Facebook zu OpenStack weiterentwickelt. Der erste Pionierkunde, der Vapor Chambers einsetzen will, ist laut Vapor IO das Rechenzentrum Union State Technology Center in South Bend, Indiana. (hjm)

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