Rechenzentren platzen weltweit aus den Nähten

2. Mai 2007, 09:52
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Trotz "Bauboom" bleibt der Platz ewig knapp. Bestehende Zentren werden immer stromhungriger und Blade Server bringen neue Komplexitätsprobleme.

Trotz "Bauboom" bleibt der Platz ewig knapp. Bestehende Zentren werden immer stromhungriger und Blade Server bringen neue Komplexitätsprobleme.
Normale Anwender kennen das Problem von ihren Festplatten her: Man hat eine grosse neue Platte, denkt, sie werde nun ewig Platz bieten und ein paar Monate später ist sie schon wieder fast voll. Ähnliches erleben viele IT-Abteilungen anscheinend mit ihren Rechenzentren, wie eine internationale Studie zeigt: Man erweitert Flächen, richtet regelmässig neue RZs ein, und trotzdem bleibt der Platz irgendwie immer knapp.
Gemäss der von Aperture Research durchgeführten Befragung von rund 100 Verantwortlichen von mittleren und grossen Unternehmen aus der ganzen Welt haben fast zwei Drittel von ihnen innerhalb der letzten vier Jahre ein neues Datenzentrum eröffnet, fast die Hälfte sogar innerhalb der letzten zwei Jahre. Trotzdem plant oder baut mehr als ein Drittel bereits das nächste RZ und will es spätestens in drei Jahren in Betrieb nehmen. Erfahrungsgemäss werden bis dahin auch noch einige "Schnellschüsse" hinzukommen, so dass es noch deutlich mehr Neueröffnungen geben wird.
Die befragten CIOs beaufsichtigen gegenwärtig im Schnitt je sechs Rechenzentren. Bei rund 90 Prozent von ihnen ist weniger als ein Viertel des Raumes noch nicht besetzt, und bei 43 Prozent ist weniger als 10 Prozent noch frei. Um die Kapazität auch ohne die Eröffnung von neuen Zentren zu steigern, muss die Dichte der Belegung dauernd erhöht werden, sprich, mehr Rechen- und mehr Speicherkapazität müssen in den gleichen Raum gestopft werden. Ein Mass dafür ist der Stromverbrauch pro Kubikmeter oder pro Rack. Bei 38 Prozent der Befragten liegt der Stromverbrauch pro Rack im Schnitt heute bei über 7 Kilowatt. Sechs Prozent erreichen Spitzenwerte von über 30 Kilowatt. Bedenklich auch: Rund ein Fünftel kann nicht sagen, wie viel Leistung ihre Racks im Schnitt verbrauchen, da ihnen die entsprechenden Mess- und Management-Tools fehlen.
Der wachsende Stromverbrauch – den parallel wachsenden Energiebedarf für die Kühlung muss man ebenfalls noch einrechnen – bringt höhere Kosten mit sich und ist ein Problem für die Umwelt. Die wachsende Dichte der Datenzentren birgt aber auch betriebliche Probleme, wie Aperture anmerkt. Zum Beispiel erhöhe sich das Risiko von Ausfällen durch menschliche Fehler. 57 Prozent der Befragten erklärten, dass menschliche Fehler eine Hauptursache für Ausfälle seien. (Fast ein Viertel musste ausserdem auch schon Geräteausfälle wegen Überhitzung beklagen.) Zudem erhöht sich generell die Komplexität und die Belastung der vorhandenen Management-Ressourcen. Ein unbedachter Ausbau der Kapazitäten könnte, befürchtet Aperture, manches Datenzentrum in eine Krise schlittern lassen.
Blades: Lieber keine oder viele als wenige
Unter anderem sind Blade-Server eines der Mittel, mit denen mehr Kapazität auf geringerem Raum untergebracht werden kann. Die Hersteller versprechen ausserdem klare Einsparungen beim Management – da müssten sich viele RZ-Verantwortliche geradezu auf Blades stürzen, könnte man meinen. Bereits 87 Prozent der Befragten setzen denn auch einige Blade-Server ein und gemäss Aperture gibt es auch Anzeichen, dass ein Teil der Verantwortlichen in Zukunft mehr Blade-Server kaufen will.
Insgesamt ergibt sich aber ein erstaunlich gespaltenes Bild bei den Blade-Investitionplänen. Rund zehn Prozent der Befragten wollen auch in Zukunft keinerlei Blades anschaffen. Bei einer starken Minderheit von 35 Prozent werden nur ein bis fünf Prozent der neu angeschafften Server Blades sein. Bei 27 Prozent sollen es zwischen fünf und zwanzig Prozent sein, und bei ebenfalls rund 27 Prozent wird es sogar mehr als ein Fünftel sein.
Blade-Server sind aber immer noch eine relativ neue Technologie und bringen eigene Probleme mit sich, so Aperture: Die Interoperabilität zwischen den Geräten verschiedener Hersteller sei noch nicht gegeben und auch zwischen traditionellen Servern und Blades gebe es Kompatibilitätsprobleme.
Der von den meisten Rechenzentren heute gewählte Weg, nur punktuell einige wenige Blade-Server einzusetzen, glaubt Aperture, sei daher nicht der "goldene Mittelweg" sondern möglicherweise der Holzweg. Gerade der punktuelle Einsatz – bei dem man ja dann auch nicht unbedingt viel in den Aufbau von Know-how und speziellen Management-Tools investieren will - erhöhe die Komplexität unnötigerweise, ohne viel zu bringen. Besser wäre es daher, die Finger ganz weg zu lassen oder sich dem Motto "nicht Klecksern sondern Klotzen" anzuschliessen. (Hans Jörg Maron)

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