RedIT-Chef Andreas Kleeb im Gespräch

29. Oktober 2004, 10:04
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RedIT-Chef Andreas Kleeb stellte sich den kritischen Fragen von inside-channels.ch War das 'Reverse Takeover' von ThinkTools eine Notlösung? Welche Strategie verfolgt Kleeb mit SAP Business One? Wo positioniert sich RedIT gegenüber HP & Co?

Das 'Reverse Takeover' des gescheiterten Herstellers von "Denksoftware" ThinkTools durch RedIT hat viele Fragen im Markt aufgeworfen. Nun hat der Zuger Systemintegrator ThinkTools in Deutschland wieder abgestossen und fast gleichzeitig den Storage-Spezialisten Tristar übernommen. Was ist von der ursprünglich angekündigten Strategie des RedIT-Chefs Andreas Kleeb übrig geblieben. Hat er überhaupt eine Strategie? Andreas Kleeb stellte sich den kritischen Fragen von inside-channels.ch.
RedIT ist in den letzten Jahren geschrumpft. War das Reverse-Takeover von ThinkTools eine Rettungsaktion?
Andreas Kleeb: Nein, eine Rettungsaktion war es sicher nicht. Im Gegenteil. Wir wollen wachsen und im Markt eine grössere Rolle spielen. Für uns stellte sich die Frage, wo die kritische Masse in Zukunft liegt.
Ein Teil des Umsatzrückgangs kam durch Verkäufe zustande. So haben wir e-BankingSolutions verkauft und Domis ausgegliedert. Domis (Heimlösungen) ist heute ein wichtiger Partner von uns. Mit den beiden Verkäufen gingen 20 Mio. Franken Umsatz und etwa 40 Mitarbeitende weg.
Weiter haben wir unsere Struktur vereinfacht, was mit Stellenabbau verbunden war. Wir haben Pebe Datentechnik, RedIT Holding und RedIT SI in eine Firma redIT AG integriert und haben heute zentrale Funktionen nur einmal statt dreimal.
Rückblickend sieht es so aus, als hätten Sie den raschen Verkauf von ThinkTools immer schon geplant. Trotz anderslautenden Beteuerungen vor der Übernahme von ThinkTools.
Andreas Kleeb: Geplant war, wie bereits im Prospekt erwähnt, bis Ende Jahr anzuschauen, ob wir mit unseren Skills und unserer Management-Power das Geschäft mit ThinkTools rentabilisieren können. Nach einer seriösen Analyse sahen wir, dass wir dieses Ziel nicht nachhaltig erreichen können und haben dann zügig eine Lösung gesucht.
Trotz des Verkaufs der ThinkTools-Aktivitäten scheint uns RedIT immer noch recht unfokussiert. Pebe stellt Software für Treuhänder und eine Steuerlösung für Kantone her, RedIT ist ein starker Systemintegrator für High-End-Storage-Lösungen, will aber auch als Komplettanbieter für KMU aufreten. Dazu kommt das Geschäft mit SAP Business One und die ältere ERP-Lösung Logiware.
Kleeb: Wir vermarkten Logiware nicht mehr aktiv, sondern betreuen die noch bestehenden Kunden. Pebe ist im Steuer-Segment sehr erfolgreich, es gibt keinen Grund, uns aus diesem Markt zurückzuziehen. Pebe Finance ist ebenfalls erfolgreich auf eine Marktnische fokussiert. Sicher gibt es nicht überall Synergien zum Infrastruktur-Geschäft und wir können nicht allen Kunden ein Komplett-Angebot machen.
Wir wollen wachsen und brauchen dazu eine breite Palette von Lösungen und die wollen wir in Zukunft auch noch weiter ausbauen.
Die jetzige Struktur von RedIT scheint uns mehr von der Geschichte geprägt, als Ausdruck einer Strategie...
Kleeb: Sicher spielt unsere Geschichte (RedIT entstand aus der Fusion von Wickert, Kleeb + Partner mit Simultan und der späteren Auftrennung der Firma) eine Rolle. Aber wir wollen unser Lösungsgeschäft klar ausbauen. Deshalb sind wir auch die Partnerschaft mit SAP Business One eingegangen. Und wir werden später, wenn Microsofts Business Framework konkreter wird, auch in diesem Bereich die Augen offen halten. Ich bin immer noch überzeugt, dass sich der Software-Markt konsolidieren wird und in Zukunft SAP ,Microsoft sowie weitere globale Player eine ganz starke Rolle spielen werden. Microsoft wird durch die Integration mit anderen wichtigen Produkten, wie etwa Share Point Portal Server auch für uns sehr interessant sein.
SAP Business One war aber bisher kein Geschäft. Halten Sie am Vertrieb von Business One fest?
Kleeb: Wir glauben immer noch an Business One, auch wenn wir noch sehr früh im Vermarktungszyklus sind. Ich bin überzeugt, dass sich ein interessanter Markt auftut und dass SAP noch viel auslösen wird. Das Problem für mich ist, dass SAP die Integration von Business One und R/3 noch viel zu wenig in den Vordergrund stellt. Aber ich muss auch zugeben, dass sich unsere Investitionen in Business One noch nicht ausbezahlt haben. Wir haben eine gute Projekt-Pipeline, aber keine Abschlüsse. Die Frage ist nun: Ist Business One daran schuld oder die Konjunktur? Es wäre falsch, übereilig wieder aus dem Geschäft mit SAP auszusteigen. Es geht heute einfach nicht mehr, laufend irgendwelche Testballone steigen zu lassen.
Schauen Sie sich doch die Konjunkturstatistiken an. Die Zulassung von Neuwagen, der Absatz von Textilien stagniert. Das Geld ist vorhanden aber die Firmen haben Angst vor Investitionen. Der Markt hilft heute keinem!
Ihr erklärtes Ziel ist es, die laufende Konsolidierung im Schweizer VAR-Business auszunützen und zu wachsen. Gelungen ist dies bis heute aber erst Bechtle.
Kleeb: Der Markt so wie er ist, bringt auch Chancen. Ich denke es gibt heute zwei Player, die die Situation der Konsoldierung für sich ausnützen können. Bechtle und RedIT.
Mit der Übernahme von Tristar ist uns ein erster Schritt gelungen. Tristar bedient heute zwar vor allem grössere Firmen, doch Storage ist auch im Mittelstand ein zentrales Thema.
Ein erster Schritt. Also ist die Expansion von RedIT erst am Anfang?
Kleeb: Wir haben unsere Strategie und wollen unsere technologischen Kompetenzen weiter ausbauen. Und wir wollen im KMU-Geschäft auch geografisch wachsen und näher zu den Kunden rücken. Bei den Applikationen fokussieren wir uns auf bestimmte Branchen, werden dieses Angebot aber noch sicher ausbauen.
Wir müssen noch mehr Skills im Netzwerk- und Security-Bereich aufbauen und diese über unsere Niederlassungen ausbreiten. Wir spielen noch eine zu kleine Rolle im Cisco-Umfeld. Weiter wollen wir im Microsoft-Umfeld noch stärker werden. RedIT vereinigt heute schon sehr viele Kompetenzen aber es braucht noch weitere Schritte zur Umsetzung der Strategie.
In welchen Regionen wollen Sie wachsen? Welche VARs sollen Sie anrufen, wenn sie verkaufen wollen?
Kleeb: Wir sind heute in Lausanne, Burgdorf/Bern, Basel, Spreitenbach/Zürich, Zug, Frauenfeld und St. Gallen. Die Niederlassung in Basel ist erst sehr klein. Diese wollen wir klar ausbauen, konkrete Massnahmen sind für 2005 geplant. Wenn Sie eine Karte der Schweiz anschauen, wird klar, in welchen Regionen wir expandieren wollen. Im Mittelland zwischen Jurabogen und Thun und in der Nordwestscheiz.
RedIT hatte früher ja auch gute Kunden im Corporate-Bereich. Ich denke da an Roche oder die Mobiliar-Versicherung. Heute fokussieren Sie auf KMU. Flüchten Sie vor der Konkurrenz durch die Hersteller, vor allem HP?
Kleeb: Der Wettbewerb bei internationalen Kunden und in den Behörden ist enorm. Da tummeln sich IBM, T-Systems, EDS, HP etc. Unsere Rolle kann in diesen Kunden nur sein, dass wir spezialisierte Services an ausgewählten Abteilungen liefern. Im Mittelstand wollen wir eine umfassende Rolle spielen. Wir flüchten nicht, sondern wir passen uns dem Markt an.
Mit Business One werden wir uns auf bestimmte Branchen in Industrie und Handel konzentrieren. Mit RedNet machen wir den KMUs ein Outsourcing-Offering.
Und mit den eigenen Applikationen konzentrieren wir uns auf ausgewählte Branchen, wie etwa Kantone für die Steuerlösungen und Treuhänder.
Wenn Sie mit Bechtle konkurrenzieren wollen, dann muss RedIT aber noch stark wachsen. Können Sie die angestrebte 'kritische Masse' quantifizieren?
Kleeb: Wir wollen nicht Bechtle kopieren sondern wir wollen redIT auf die Schweiz fokussiert wachsen lassen. Wir haben heute etwa 230 Mitarbeitende und machen ca. 100 Millionen Franken Umsatz. 2007 wollen wir 350 Leute sein und 2009 etwa 500. (Interview: Christoph Hugenschmidt)

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