Rekordinvestments in ICT-Startups

24. Januar 2017, 12:26
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Schweizer IT-Startups sammelten vergangenes Jahr über 270 Millionen Franken Risikokapital.

Schweizer IT-Startups sammelten vergangenes Jahr über 270 Millionen Franken Risikokapital. Das ist doppelt so viel wie 2015.
Alle Schweizer Startups haben im vergangenen Jahr 909 Millionen Franken eingesammelt. Das sind 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies geht aus dem heute veröffentlichten Swiss Venture Capital Report von 'Startupticker.ch' hervor, der in Zusammenarbeit mit der Investorenvereinigung SECA erarbeitet wurde. Allein in 20 Finanzierungsrunden kamen 706 Millionen Franken zusammen. Im vergangenen Jahr gab es zudem erstmals Finanzierungsrunden mit mehr als 100 Millionen Franken. Rund 70 Prozent des Geldes stammt von ausländischen Investoren.
Wachstum bei ICT- und Fintech-Startups
Prozentual am stärksten wuchsen die Investitionen im ICT-Bereich. Verantwortlich für das Wachstum sind unter anderem die Anbieter von B2B-Software wie Nexthink oder SonarSource. Mit 271 Millionen Franken in 81 Finanzierungsrunden konnten ICT-Starutps mehr als doppelt so viel Geld einsammeln wie 2015. Knapp 50 Millionen Franken davon flossen an Schweizer Fintech-Startups. Weitere 70 Millionen Franken Risikokapital gab es für Unternehmen im Medtech-Bereich und über 100 Millionen Franken für Startups im Segment Healthcare IT.
Das bekannte "Flaschenhals"-Problem, dass es für ICT-Startups schwierig ist, in späteren Stadien Kapital zu erhalten, bessert sich laut 'Startupticker.ch'. Die Verteilung zwischen Seed-, Early-Stage- und Later-Stage-Finanzierung sei besser als in den Jahren zuvor. Dies könnte daran liegen, dass das ICT-Umfeld in der Schweiz reifer geworden ist, erklärt 'Startupticker'-Chefredaktor Stefan Kyora während der Präsentation der Studie. Dadurch wachse das Ökosystem und auch internationale Investoren beginnen sich mehr für die hiesigen ICT-Jungunternehmen zu interessieren.
"Digitalisierung" nennt Kyora als weiteres wichtiges Stichwort im Gespräch mit inside-it.ch. Im ICT-Bereich kristallisieren sich vor allem auch Jungunternehmen heraus, die mit neuen Geschäftsmodellen alte Systeme verändern. Dies gelte in allen Bereichen, von der Versicherungs- über die Finanzbrache hin zur Landwirtschaft.
Sieben ICT-Startups in den Top-20
Von den über 900 Millionen Franken, die die hiesigen Jungunternehmen vergangenes Jahr sammeln konnten, stammen 80 Prozent aus 20 Finanzierungsrunden. Etwa ein Drittel dieser Top-20 sind ICT- oder Fintech-Startups.
Das EPFL-Spinoff Nexthink entwickelt Reporting-Tools, die den IT-Verantwortlichen das Leben erleichtern sollen. Zu den Kunden gehören etwa die Commerzbank und der Flughafen Genf. Der Softwarehersteller wird von 'Startupticker.ch' als IPO-Kandidat gehandelt. 2016 hat sich Nexthink 38 Millionen Franken an Kapital gesichert.
Das Genfer Jungunternehmen SonarSource konnte sich 2016 45,6 Millionen Risikokapital sichern. Das 2008 gegründete Startup beschäftigt rund 50 Mitarbeitende und zählt 700 Unternehmen als bezahlende Kunden. Die Software von SonarSource ermöglicht automatisierte Codetests während des gesamten Entwicklungszyklus bis zum Deployment einer Applikation.
Noch mehr Geld gab es für das Healthcare-IT-Startup Mindmaze. Das Jungunternehmen aus dem Kanton Waadt sicherte sich letztes Jahr 100 Millionen Franken. Dabei handelte es sich um die zweitgrösste Finanzierungsrunde von 2016. Noch mehr Geld gab es nur noch für das Biotech ADC Therapeutics. Mindmaze setzt auf 3D- und Virtual-Reality-Technologien für den Einsatz in der Rehabilitation. Das EPFL-Spinoff, das über 50 Mitarbeitende in Zürich und Lausanne beschäftigt, hat es vergangenes Jahr zudem in den Club der Einhörner geschafft.
In den Top-20 Finanzierungsrunden von 2016 befindet sich auch das Insuretech FinanceFox, das vergangenes Jahr etwas über 27 Millionen Franken Kapital erhielt. Mit dem Geld will der App-Hersteller die Expansion im Ausland vorantreiben und weiter in die Software investieren. Im Herbst 2016 beschäftigte das 2014 gegründete Zürcher Jungunternehmen 80 Mitarbeitende. 21,7 Millionen Franken gab es für das ICT-Startup Staff Finder. Das Unternehmen versteht sich als online Temporärbüro. Nach eigenen Angaben sind 100'000 Arbeitnehmende und 6000 Arbeitgeber auf der Plattform registriert.
Weitere der Top-20 sind die Waadter Startups Lightbend und Kandou. Lightbend erhielt vergangenes Jahr 20 Millionen Franken. Lightbend, ehemals Typesafe, hat Niederlassungen in Lausanne, San Francisco und Uppsala und verdient Geld mit Dienstleistungen, Support und Beratung rund um Scala-Applikationen. Knapp 15 Millionen Franken gab es für Kandou. Die Technologie des rund fünf Jahre alten ICT-Startups verspricht eine bessere Performance und einen geringeren Energieverbrauch bei Datenübertragungen. (Katharina Jochum)

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