Report: Sourcing-Modelle in der Telefonie

9. November 2007, 12:50
  • telco
  • beschaffung
image

Vor und Nachteile von verschiedenen Beschaffungsmodellen für die Sprachkommunikation.

Vor und Nachteile von verschiedenen Beschaffungsmodellen für die Sprachkommunikation.
Die deutsche Beratungsfirma Berlecon hat zusammen mit dem Fraunhofer Institut ESK in einem Report die Vor- und Nachteile von verschiedenen Beschaffungsmodellen für die Telekommunikations-Infrastruktur untersucht.
Für geografisch verteilte Unternehmen ist es in der IT schon seit langem Gang und Gäbe, ihre verschiedenen Standorte mit einer zentralisierten Infrastruktur zu versorgen. Die Telekommunikationsinfrastruktur dagegen ist in vielen Unternehmen noch dezentral organisiert. Das gilt insbesondere für traditionelle analoge oder ISDN-basierte TK-Systeme, aber auch für solche, die bereits auf VoIP basieren.
"Viele grosse Unternehmen, deren Struktur sich aus mehreren Einzelunternehmen zusammensetzt, verfügen oft noch über eine heterogene TK-Infrastruktur. Aus historischen Gründen sieht die Situation bei der Fraunhofer-Gesellschaft ähnlich aus. Auf
mittel- und langfristige Sicht sind vor allem neue, innovative Konzepte wie Unified Communications nur umsetzbar, wenn auch im TK-Bereich eine homogene Infrastruktur vorhanden ist", berichtet Alexander Kraas, technischer Analyst bei Fraunhofer ESK.
Die Vorteile von IP-basierten Telefoniesystem gegenüber klassischen Anlagen sind bekannt. Man kann die Kommunikationsinfrastruktur leichter zentralisieren, kostenlos zwischen Niederlassungen kommunizieren, und zentrale Verzeichnisse nutzen. Der wichtigste Vorteil liegt aber darin, dass mit IP-basierter Technologie eine zentrale Voraussetzung für die Einbindung in IT-Anwendungen und die Integration visueller Kommunikation, z.B. Videokonferenzen, geschaffen wird.
Die Herausforderungen:
Eine Zentralisierung der TK-Systeme auf der Basis von VoIP ist für Unternehmen allerdings auch mit erheblichen Herausforderungen verbunden. So muss etwa das WAN den hohen Anforderungen des Sprachverkehrs bezüglich Datensicherheit, Übertragungsqualität und Verfügbarkeit gerecht werden. Viele der Herausforderungen und Risiken können durch die Unterstützung offener Standards und Schnittstellen reduziert werden. Philipp Bohn, Analyst bei Berlecon Research: "Durch technologische Offenheit wird die Investitionssicherheit der angeschafften TK-Systeme und -Komponenten erhöht. Auch ist damit eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Integration im Rahmen von Unified Communications geschaffen. Durch Funktionen wie vor allem der Präsenzanzeige wird die Effizienz der standortübergreifenden Zusammenarbeit weiter gesteigert."
Wie beschaffen?
Für die Umsetzung und den Betrieb zentraler VoIP-Systeme kommen für Unternehmen verschiedene Beschaffungs- und Betreibermodelle in Frage. Die wichtigsten Entscheidungskriterien sind standortbezogen die technische Anbindung und die Mitarbeiterzahl sowie das Kommunikationsverhalten. Weiter muss beachtet werden, ob VoIP-Komponenten zentral betrieben und von mehreren Unternehmenskunden gemeinsam genutzt werden können. Berlecon untersucht neben dem Eigenbetrieb die Varianten Managed Solution, Hosted VoIP sowie Voice as a Service (VaaS) unterschieden.
Alle Varianten haben grundlegende Vor- und Nachteile bezüglich ihrer wirtschaftlichen, technologischen und organisatorischen Flexibilität sowie in Bezug auf die Gewährleistung eines sicheren Betriebs. So werden bei Managed Services zentrale VoIP-Komponenten wie etwa Call Server von einem externen Dienstleister betrieben und teilweise dort untergebracht. Aus der Auslagerung ergeben sich für Unternehmen Einsparungen beim Betrieb, denn es werden weniger eigene Ressourcen und Kompetenzen benötigt. Darüber hinaus steigern beispielsweise On-Demand-Modelle die Flexibilität bei Wachstum oder Einbindung neuer Standorte, weil nur für die zusätzlich angebundenen Nutzer bezahlt werden muss. Die Sicherheit kann durch ein kontinuierliches Monitoring der VoIP-Infrastruktur und die Systempflege durch spezialisierte Fachkräfte des Dienstleisters erhöht werden.
"Grundsätzlich gilt: Je höher die Anforderungen und umfangreicher die personellen und finanziellen Mittel des Unternehmens sind, umso eher sollte eine dedizierte Anlage im eigenen Unternehmen implementiert werden. Diese kann sowohl von der internen ITK-Abteilung als auch von einem externen Dienstleister betreut werden. Für Unternehmen, die eher standardisierte VoIP-Funktionitäten benötigen und über begrenzte eigene Ressourcen zum Betrieb der Infrastruktur verfügen, kommt Hosting oder Voice as a Service in Betracht", erläutert Philipp Bohn. (hc / Berlecon)
Der Berlecon-Report "Standortübergreifende VoIP-Systeme: Anforderungskatalog, Entscheidungskriterien, Managed-Services-Modelle" kostet 950 Euro als Unternehmenslizenz (580 Euro Einzelnutzerlizenz) und kann online bezogen werden.
Grafik: (c) by Berlecon

Loading

Mehr zum Thema

image

Der Wandel im Beschaffungsrecht

Am 02. Februar 2023 ist das erste Event seiner Art – "E-Government im Fokus" – von inside-it.ch über die Bühne gegangen. Wir haben mit 4 Speakern diskutiert, die das Beschaffungswesen in- und auswendig kennen.

publiziert am 3.2.2023
image

Next Episode: Das neue Simap verzögert sich nochmals

Die Entwickler haben die "Komplexität analysiert" und sind zu einer neuen Schätzung gelangt. Dieses Jahr wird’s nichts mehr mit KISSimap.

publiziert am 3.2.2023
image

Swisscom verdient 2022 weniger

Aber das dürften wir eigentlich noch gar nicht wissen. Die Publikation der Geschäftszahlen war ein Versehen.

publiziert am 3.2.2023
image

St. Gallen will Steuersoftware für 44 Millionen Franken konsolidieren

Der Kanton will seine zersplitterte Steuerlandschaft vereinheitlichen, um jährlich rund 3 Millionen zu sparen. Nun wurden Projektleistungen ausgeschrieben.

publiziert am 31.1.2023