Reseller aufgepasst: Ab Samstag MP3-Gebühr einkassieren

30. August 2007, 11:08
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Distributoren beklagen den administrativen Aufwand bei der Weiterverrechnung der sogenannten MP3-Gebühr. Zudem seien sie zu wenig informiert worden. SUISA ist anderer Meinung.

Distributoren beklagen den administrativen Aufwand bei der Weiterverrechnung der sogenannten MP3-Gebühr. Zudem seien sie zu wenig informiert worden. SUISA ist anderer Meinung.
Daran gibt's nichts zu rütteln: Das Bundesgericht hat unlängst entschieden, dass ab kommenden Samstag die Urheberrechtsgebühr auf digitale Speichermedien eingeführt wird. Die sogenannte MP3-Gebühr wird Harddisc-Recorder und MP3-Player zum Teil massiv verteuern. Eins ist klar: Die grossen Schweizer Distributoren wollen die Kosten nicht tragen und werden sie jetzt an die Reseller abschieben. Diese werden es mit den Endkonsumenten nicht anders machen. Derweil beklagen sich einige Distributoren darüber, dass die SUISA (Schweizerische Gesellschaft für die Rechte der Urheber musikalischer Werke), welche ja zusammen mit anderen vier Urheberrechts-Gesellschaften seit Jahren eine solche Gebühr forderte, zu wenig informiert habe.
Keine Empfehlungen
Der Managing Director von Ingram Micro Schweiz, Joe Feierabend, sagt: "Aus unserer Sicht ist das nicht sehr professionell von den Behörden vorbereitet und initialisiert worden." Gemäss Marketing-Direktor Mark Giger hat die SUISA keine Empfehlungen abgegeben, wie mit den Gebühren umgegangen werden soll. Ingram sei derzeit noch daran, eine geeignete Lösung zu entwickeln.
Ähnlich tönt es bei Actebis. Managing Director Hans-Peter Weiss sagt: "Wir haben keine wie auch immer geartete Empfehlungen erhalten." Die Erhebung und Abrechnung der Gebühr stelle einen "nicht unerheblichen Mehraufwand" dar, der von keiner Seite entschädigt werde. Actebis wird ab 1. September in Tech Data integriert - das macht die Sache wohl auch nicht einfacher.
Auch der Chef von Tech Data, Manfred Steinhardt, findet, dass die SUISA zu wenig informiert habe. "Wir haben uns aber selbst die Unterlagen aufgetrieben und wären bereit, am 1. September die Gebühr für selbst importierte Ware einzuführen." Tech Data werde dies aber nur tun, wenn auch die Konkurrenz bereit sei und dies abbilden könne. Zusätzlich gibt es laut Steinhardt noch etwas Verwirrung, da auch Hersteller selbst Gebühren in Rechnung stellen.
SUISA: Genug informiert
Die SUISA wehrt sich gegen den Vorwurf, die Distributoren nicht aktiv informiert zu haben. Roy Oppenheim, Head of Communication bei der SUISA, sagt: "Der Entscheid des Bundesgerichts ist breit über unsere Pressemitteilungen und x-Artikel in den Medien kommuniziert worden." Oppenheim spricht von einer "raschen Reaktion" der Industrie, die gezeigt habe, dass die Information bestens funktioniert habe. Inzwischen habe die SUISA mit der "interessierten Industrie" regen und konstruktiven Gedanken- und Informationsaustausch gepflegt. Oppenheim hält zudem fest, dass der Tarif auch mit dem Branchenverband SWICO schon vor zwei Jahren ausgehandelt worden sei. Er nehme an, dass auch die SWICO ihre Mitglieder informiert habe. Oppenheim weist schliesslich darauf hin, dass der sogenannte Tarif GT4d auch auf der SUISA-Homepage zu finden ist.
Die Industrie ist letztlich selber für die Preisgestaltung verantwortlich. So hört man etwa von Brack Electronics bzw. Alltron sowie vom grössten Schweizer Disti Also, dass man die nötigsten Informationen erhalten habe und sich entsprechend eingerichtet habe. Selbst ist der Disti, möchte man sagen. Doch auch bei Brack und Also gibt es Kritik. Roland Brack beklagt den riesigen administrativen Aufwand: "Jedes Produkt weist je nach Kapazität andere Abgaben auf, die separat abzurechnen sind." Er warnt zudem vor den Gefahren des Grauimports, der für kleine Händler oder private Personen durch die Umgehung der Gebühr besonders attraktiv werde.
Tarif soll sinken
Harald Wojnowski, Head of VAD bei Also, sagt, man habe eine grobe Übersicht erhalten. Zwar sei das nicht "wahnsinnig viel" und der Informationsaustausch habe auch nicht persönlich stattgefunden, doch man habe sich nun einrichten können. Letztlich – glaubt Wojnowski – könne es auch an der Ferienzeit und den entsprechenden Abwesenheiten liegen, dass die Distributoren nicht aktiv informiert worden seien.
Jammern hilft jetzt jedenfalls auch nicht mehr. Ab Samstag kassieren die Urheberrechts-Gesellschaften (noch) mehr Geld von den Konsumenten. Doch es gibt Hoffnung: Die SUISA gab diese Woche in der SF-Sendung 'Kassensturz' zu, dass die Gebühren – weil sie vor mehreren Jahren festgelegt wurden – heute wegen den Geräten mit grösserem Speicherplatz zum Teil hoch sind. Die Eidgenössische Schiedskommission für die Verwertung von Urheber- und Leistungsschutzrechten dürfte wohl nächstes Jahr einer Tarifsenkung zustimmen. (Maurizio Minetti)

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