Reseller in der "Software Defined World"

2. Oktober 2013, 14:48
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Channel-Guru Steve Brazier erklärt, warum aus jedem VAR eine Software-Firma werden muss.

Unsere Lieblingsfolie der heutigen Präsentation von Steve Brazier: Schlagzeile in 'the daily panic': "Amazon Web Services verbreitet Angst und Schrecken unter Tech-Titanen."
Steve Brazier (Foto Startseite), Gründer und CEO des britischen Beratungshauses Canalys, sorgt für volle Säle. Kein Wunder - der Mann spricht nicht nur witzig und furchtlos, sondern gilt auch als einer der besten Kenner des IT-Business. Also war der Saal heute Morgen im chicen Arts in Barcelona voll, als Brazier das nunmehr sechste Canalys Channels Forum eröffnete. Und spätestens nach dem ersten Satz Braziers stellten die vielleicht 1000 Zuhörer aus der europäischen Reseller-, Hersteller- und Disti-Szene das mailen ein und blickten vom obligatorischen Tablet auf den Knien auf.
Brazier begann mit den schlechten Nachrichten: Die Wirtschaft in Europa scheint sich zwar wieder etwas zu erholen, doch verlangsamt sich das Wachstum der klassischen "Tech-Titanen" und Channelfreunde wie HP, IBM und Microsoft seit 2011 kontinuierlich. Im zweiten Quartal steigerten die Titanen ihren Absatz nur noch um vier Prozent; so wenig wie seit Jahren nicht mehr. Ganz anders die IT-Riesen aus dem Consumerbusiness. Amazon, Google, Apple und Facebook. Ihr Umsatz stieg in den letzten drei Jahren um 320 Prozent und hat sich damit vervielfacht. Das Schlimme daran: "Sie sind nicht channelfreundlich" (Brazier).
Gleichzeitig nähert sich nun auch der Smartphone- und Tablet-Boom seinem Ende. Die Folge davon: "Es werden nicht alle der Top-Anbieter im Client-Geschäft überleben".
Android wird auch im B2B-Umfeld stark
Das war nicht die einzige schlechte Nachricht von Brazier. Apple stehe heute in der gleichen Situation wie vor 20 Jahren. Damals grub Windows Apple das Wasser ab und stürzte den Hersteller in eine tiefe Krise, heute droht die Gefahr von Android. Bereits 57 Prozent aller neu verkauften "Smart Devices" weltweit funktionieren mit Googles Android, nur noch 17 Prozent mit Apples iOS und 23 Prozent mit Windows. Android werde auch im Business-Bereich zum dominanten Bertriebssystem, sagte Brazier.
Die guten Nachrichten für den Channel
Und während die Tech-Titanen VMware, Oracle, Microsoft, Cisco, EMC und HP mit wechselnden Allianzen einen neuen Platz im weltweiten IT-Markt suchen, lehrt Amazon sie das Fürchten. AWS (Amazon Webservices) ist nicht nur der weitaus grösste Cloud-Anbieter, sondern wächst auch viel schneller als die Konkurrenz.
Doch aufgepasst: Nicht nur Amazon, sondern alle IaaS-Anbieter (Infrastructure as a Service) verlieren Geld, sagte Brazier. Bereits seien ein Anbieter in Grossbritannien und einer in den USA pleite gegangen. "Nobody is making money".
Und das wiederum sei eine gute Nachricht für den Channel. Denn Anbieter im Cloud-Umfeld wie Rackspace oder Equinix mussten lernen, dass sie nicht direkt verkaufen können und werden sich auf den Channel stützen müssen.
Abhörskandale als Chance
Auch eine gute Nachricht für den Channel ist gemäss Brazier ist die Tatsache, dass Soft- und Hardware-Hersteller wie auch Carrier offenbar mit dem US-Geheimdienst NSA und anderen zusammenarbeiten. Clouds seien damit unsicher geworden - egal ob nur in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit oder wirklich. Damit eröffneten sich glänzende neue Chancen. Reseller können Verschlüsselungs-Technogien und nicht verfolgbare Suchmaschinen anbieten und Open-Source-Software werde noch populärer. Nicht nur das Business mit IaaS werde wieder lokal, sondern sogar das Hardware-Business, so der Channel-Spezialist.
"Software Defined World"
Software bestimmt über den Erfolg und den Misserfolg jeder Firma, sagte Brazier plakativ, und deshalb müsse auch jede Firma eine Software-Firma werden. So entscheide unter anderem die Qualität der App für Konferenz-Teilnehmer hier in Barcelona über den Erfolg von Canalys. Und während der kalifornische Autohersteller Tesla mit dem "Software Defined Car" grosse Erfolge feiere, könnten riesige Autohersteller wie VW oder Toyota das Schicksal von Nokia erleben. Schlussfolgerung: "Jede Firma muss heute eine Software-Firma sein."
Damit gemeint ist nicht, dass jede Firma und jeder Reseller selbst Software herstellen muss, doch er muss sein Business an der Software-Welt ausrichten.
Brazier nannte ein beliebtes Beispiel: Analytics. Es gebe einen chronischen Mangel an Spezialisten für Datenanalyse und den Umgang mit den gigantischen Datenmengen, die all die Apps und Smart-Devices der Zukunft, etwa "wearable Computers", produzieren werden. Brazier: "Firmen starten Big-Data-Projekte ohne zu wissen, was sie tun."
"Hardware is not dead"
Vor einem Jahr hat Brazier den Bau von drahtlosen Netzwerken noch als Hardware-Geschäft mit Zukunft gelobt. Davon war dieses Jahr nicht mehr die Rede. Das neue "wonderfull business" werde das Geschäft mit 3D-Printern. "Die führende 3D-Druck-Firma eines Landes wird sehr gute Geschäfte machen," orakelte der einflussreiche Berater und tröstete die versammelten europäischen Top-Reseller, die sich nun auf den Weg in die neue "Software Defined World" zu machen haben: "Hardware is not dead". (Christoph Hugenschmidt, Barcelona)

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