Retten die Banken die Software-Branche über die Krise?

7. Januar 2009 um 13:36
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Paradox: Finanzkrise und Spardruck stösst Bedarf an neuen Software-Lösungen an.

Paradox: Finanzkrise und Spardruck stösst Bedarf an neuen Software-Lösungen an.
Am montäglichen Medienanlass von ICTSwitzerland gab es nicht nur interessante Aussagen zu IT-Nachwuchsförderung und -Verbandslandschaft sondern auch eine Einschätzung zur Konjunktur der Schweizer Software-Industrie aus berufenem Munde. Denn Stefan Arn ist nicht nur Päsident von ICTSwitzerland sondern auch als Managing Director der Abteilung "Stream Delivery Unit Clients & Products" bei der Grossbank UBS der Chef einer der grössten (teilweise) Schweizer Software-"Firmen" überhaupt.
Die Software-Branche wird sich ein "Glaubwürdigkeitsproblem" einhandeln, falls es nun, kaum ist das 'Jahr der Informatik' vorbei, zu breitem Stellenabbau käme, so Arn gewohnt offenherzig. Allerdings sorgt gerade die Finanzkrise auch wieder für Nachfrage nach neuen Lösungen. So wird sich der Finanzplatz Schweiz mit neuen Regulationen konfrontiert sehen, an die die Systeme angepasst werden müssen. Ein weiteres Beispiel sind Veränderungen der Steuerveranlagung in Deutschland, die bei allen Banken und Versicherungen, die Kunden aus Deutschland haben, einen Bedarf nach Anpassungen der Software-Systeme anstossen. Und selbst die neuen Regeln für die Kompensation der Manager (die berühmten "Boni") lösen gemäss Arn Software-Projekte mit einem Volumen von mehreren Millionen Franken aus.
Auch ausserhalb der Finanzindustrie wird die Wirtschaftskrise einen gewissen Bedarf an Software auslösen. Dann nämlich, wenn Grossfirmen ihre globalisierten operativen Strukturen massiv straffen und konsolidieren wollen. Arn schätzt den Software-Bedarf, der direkt durch die Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst wird, als höher ein als derjenige, der durch E-Health-Projekte angestossen wird. Allerdings ist nach unserer Einschätzung der Preisdruck im Gesundheitswesen heute (leider) immer noch sehr gering.
Insgesamt schätzt Arn die Auswirkung einer möglichen Ablehnung der Ausdehnung der Personenfreizügkeit für die Software-Industrie als schlimmer ein, als die der krisenbedingten Nachfrageflaute.
IT-Branche ist zyklisch
Arns Bemerkungen machen durchaus Sinn, dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sehr viele Software-Hersteller und -Anbieter vor harten Zeiten stehen. Denn die IT-Branche verhält sich wesentlich zyklischer als die Gesamtwirtschaft, wie das Bundesamt für Statistik unlängst bestätigte. Besonders hart treffen dürfte es Spezialisten für die Einführung von ERP-Systemen, denn sehr viele Firmen werden nicht lebensnotwendige Projekte nun auf die lange Bank schieben. (Christoph Hugenschmidt)

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