Richter will YouTube vorübergehend abschalten lassen

4. Januar 2007, 16:37
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Von der Kraft der Bilder, der Macht der Strasse, der Ohnmacht eines Providers und dem Übermut der Justiz.

Von der Kraft der Bilder, der Macht der Strasse, der Ohnmacht eines Providers und dem Übermut der Justiz.
Es gibt Dinge, die will der oder die Betroffene nicht im Internet wieder finden. Dazu gehört eindeutig ein mehr als erotisches Video von Starfussballer Ronaldos Ex-Freundin Daniela Cicarelli mit ihrem neuen Freund. Die Strandaktivitäten fanden via YouTube breiteste Popularität bei den brasilianischen Usern der Plattform, was schon im vergangenen Jahr zu einem Urteil führte, dass YouTube zur Zahlung von 116'000 US-Dollar pro Tag verurteilte, an dem das Video herunter geladen werden könnte.
Das Recht am eigenen Bild …
Während das Unternehmen also den Auflagen des Gerichts nachzukommen versuchte, entwickelte sich ein Rennen, ähnlich dem zwischen Hase und Igel, zwischen den Admins und den Usern. Kaum war es an einer Stelle verschwunden, tauchte es an anderer Stelle wieder auf. Die Hauptakteure, inzwischen ziemlich genervt von ihrer Popularität, klagten erneut, was, wie 'Ultimosegundo' aus Brasilien berichtet, in dem aktuellen Urteil endete, dass YouTube solange offline gehen solle, bis alle Kopien entfernt seien. Nun sind die USA recht weit weg von Brasilien und noch hat der neue YouTube-Besitzer Google sich nicht dazu geäussert, aber es steht zu befürchten, dass diese Aktion weniger den gewünschten Erfolg als einen ungeahnten Schwung neuer Bewunderer nach sich ziehen wird. Gleichzeitig wirft dieser Fall aber auch einmal mehr etwas Licht in die rechtlichen Grauzonen solcher Angebote.
... via dem Voyeurismus
Auch die Bilder von Saddam Husseins Hinrichtungen fanden via YouTube den Weg in die Öffentlichkeit. Dazu die frei erfundenen Geschichten angeblich echter User, von Agenturen generierte Werbebeiträge für Produkte und schlichte Fälschungen - all dies raubt dem Medium mehr und mehr "Unschuld". Während man früher Verleger, Autor und Fotograf kannte und zur Not haftbar machen konnte, verbreiten sich heute Beiträge ohne Rücksicht auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte, inklusive des Rechts am eigenen Bild, unkontrolliert sobald einmal veröffentlicht. Insoweit ähneln YouToube und Kollegen doch sehr Pandoras Kiste. Inzwischen fangen auch konservative Medien an, ihre Leser als Quelle von Bildmaterial zu nutzen. Das Fotohandy macht’s möglich und einfach. Der Schritt zum Leser-Video ist da nur konsequent. Bislang scheint es, als habe das Primat von Geld und Neugierde Vorrang vor dem Schutz der Persönlichkeit. Spätestens wenn es einmal einen US-Prominenten erwischt, der weniger exhibitionistisch veranlagt ist als Paris Hilton, dürfte das Urteil eines US-Courts für mehr Klarheit darüber sorgen, wo die Grenze des Erlaubten verläuft. (Thomas Mironiuk)

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