Ricoh Schweiz setzt zum Abheben an

10. Juni 2020, 12:25
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Weil alles gut läuft, will Ricoh das Momentum nutzen und erhöht das Tempo. Und der Chef von Lake bereut die Übernahme keine Sekunde.

Ricoh Schweiz hat weitere Schritte zum "One-Stop-Shop" vom Druckerhersteller zum IT-Dienstleister gemacht. Man könne dank Firmenübernahmen und Eigenentwicklungen End-to-End-Services und Produkte anbieten. Das Portfolio reiche bei Ricoh nun vom "Input" (digitaler Mailroom, Smart Scanning) über den "Throughput" (Managed Cloud-Services vom Workplace, digitale Kollaboration, Rechenzentum) bis hin zum "Output" (Printing, Archivierung, Smart Lockers).
Dies war die Hauptbotschaft an der Jahresmedienkonferenz, welche Schweiz-Chef Daniel Tschudi und seine Top-Leute vermitteln wollten.
Das zugehörige ECM samt Prozessautomatisierung habe man dank der Übernahme von Docuware ebenso im Angebot. Die deutsche Firma, die man 2019 übernahm, sei im Bereich Workflow praktisch der Industrie-Standard bei KMU, aber auch Grossfirmen-fähig.
Der Generalunternehmer-Ansatz und die mögliche Verzahnung unterschiedlicher Produkte und Services ermögliche es Ricoh, national wie international sowohl KMU wie Grossfirmen standardisiert auszurüsten.

"Initiativen bereits im kommenden Jahr umsetzen"

Dass Ricoh damit sich auf allen Ebenen neue Konkurrenz einhandelt, schreckt die Firma nicht, sie muss auf das weltweit abnehmende Druckvolumen (mindestens 3 bis 4% minus jährlich) reagieren. Man trete beispielsweise im Managed-Workplace-Bereich nicht direkt gegen die ganz Grossen wie Atos oder Fujitsu an, sondern habe eine eigene Nische erobert und dies als einzige Firma der Branche, erklärte Schweiz-Chef Tschudi uns am Rande des Events.
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Lake, von Ricoh übernommen, bleibt als Name und Firma präsent.
Ist damit der Wandel von Ricoh abgeschlossen und das Portfolio vollständig? Tschudi erklärte, dass man auch in der Schweiz die geplante Transformation des Unternehmens rascher umsetzen werde. "Corona hat einen Einfluss auf die Strategie, die Welt ist nun eine andere", erläuterte der Schweiz-Chef. So hat der Konzern seine neue Mittelfristplanung "Ricoh Lift Off" übertitelt und Tschudi sagte, dies bedeute, "wir werden die für die nächsten drei Jahre geplanten Initiativen bereits im kommenden Jahr umsetzen."
Das End-to-End-Angebot muss sich auch weiterentwickeln. Der neue, selbst erklärte "Digital-Services-Konzern" investiert weiterhin mehr als 5% des Jahresumsatzes (FY 2019 18,2 Milliarden Franken, plus 2,5%) in Forschung und Entwicklung. Und Ricoh wird nach den Übernahmen von Docuware und den Schweizer Lake Solutions weitere Zukäufe tätigen, so Aussagen des Ricoh-Kaders am Rande der PK. Sieht man sich das aktuelle Portfolio und die Partnerlandschaft an, so dürfte ein Fokus im Security-Bereich liegen.

Wie Lake von Ricoh profitiert (und umgekehrt)

Eine sehr erfolgreiche Schweizer Übernahme ist diejenige von Lake Solutions, wie Walter Borgia, früher Mitinhaber, betont. Ein leichtes Wachstum von 70 auf 76 Mitarbeitende ist zu verzeichnen, aber vor allem ein Umsatzwachstum auf 60 Millionen Franken (plus 30%).
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Walter Borgia, CEO von Lake.
Der Name Ricoh öffne neue Türen und die Konzerngrösse helfe in Pitches, erklärte uns Borgia im Gespräch sichtlich begeistert. Lake – deren Namen prominent an der Hausfassade des Ricoh-Hauptsitzes prangt – komme so an neue Kunden und grössere Aufträge heran, gerade im Cloud-Business und in der Finanzbranche.  Zudem profitiere man vom regelmässigen Austausch mit ähnlichen IT-Firmen in Europa, die Ricoh in den letzten Jahren übernommen hatte.
Borgia strich speziell heraus, dass man für Ricoh als Schweizer Trusted-Cloud-Provider agieren könne, sei es mit Office 365, Backup, Consulting, Hosting, Outsourcing und anderes mehr. Und natürlich stammen Schweizer Ricoh-Printservices aus der Lake-Cloud.
Datenhaltung in der Schweiz für nationale und internationale Kunden ist offenbar auch hier ein Verkaufsargument, und mit einem Service-Center in Polen als zentrale Anlaufstelle kann Lake – vor kurzem auch im Mutterhaus eingezogen – Ricoh-Kunden zwischen Bümpliz, Barcelona und Berlin bedienen. Vier Basisdienste, Infrastructure-as-a-Service, Backup-as-a-Service, Disaster Recovery-as-a-Service und File Sync & Share Service, sind seit Kurzem verfügbar.
Ricoh Schweiz – welche 2019 übrigens profitabel gearbeitet hat, umsatzmässig Nummer 5 in Europa war und ein EBIT von 5,6% verzeichnete – hat Grund zum Optimismus. Die Wachstumszahlen beim "New Business" sollen dies bestätigen: plus 389% bei Communication Services sowie plus 113% bei IT-Services (ohne das Wachstum von Lake gerechnet) deuten darauf hin. Und 54% des Umsatzanteils erzielt die für ihre Drucker bekannte Firma in der Schweiz nun mit Dienstleistungen (plus 4,6%).

Digital Channels Forum

Das "Digital Channels Forum" von inside-channels.ch widmet sich während vier Wochen und bis zum 3.7. in Artikeln und Podcasts den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Schweizer ICT-Branche. Wer zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern gehört, lesen Sie hier.

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