Rise of the Robots: Studie warnt vor "dra­matischer Ungleich­heit"

28. Juni 2019, 09:27
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Betroffen von der Auto­matisierung von Jobs seien vor allem arme Regionen und schlecht ausgebildete Menschen, sagt Marktforscher Oxford Economics.

Betroffen von der Automatisierung von Jobs seien vor allem ärmere Regionen und schlechter ausgebildete Menschen, sagt Marktforscher Oxford Economics.
"Roboter sind auf dem Vormarsch wie nie zuvor", ist in einer neuen Studie zu lesen. Bis 2030 sollen rund 20 Millionen Arbeitsplätze in der herstellenden Industrie von Robotern übernommen worden sein.
Betroffen seien vor allem Regionen, in denen Menschen mit niedriger Ausbildung und tiefem Einkommen leben. Und die Analysten des Prognose- und Beratungshauses Oxford Economics haben eine weitere schlechte Nachricht: Vergleichbare berufliche Rollen im Dienstleistungssektor seien ebenfalls unter Druck geraten.
Die britischen Analysten warnen darum vor einem dramatischen Anstieg der Ungleichheit – und vor politischer Polarisierung. "Die Auswirkungen sind enorm, und die sich abzeichnenden Herausforderungen für Regierungen und politische Entscheidungsträger sind beängstigend", mahnt Adrian Cooper, CEO und Chefökonom von Oxford Economics.
Die ökonometrische Berechnung: 1,6 Jobs in der Fertigung soll jeder neue Industrie-Roboter künftig auf dem Gewissen haben. Doch während in ärmeren Gebieten bis zu 2,2 Arbeitsplätze pro Roboter verschwänden, seien in reicheren Regionen nur 1,3 Jobs betroffen.
Seit 2000 seien bereits rund 1,7 Millionen Jobs in der Fertigung automatisiert worden: Davon 400'000 in Europa, 260'000 in den USA und 550'000 in China. Besonders betroffen sein dürfte künftig das Reich der Mitte, wie in der Studie festgehalten wird. 14 Millionen Stellen, also fast drei Viertel der bedrohten Jobs, sollen in China wegfallen, wo bereits zwischen 2011 und 2016 ein Anstieg der Industrie-Roboter um den Faktor 2,3 zu verzeichnen war.
Auch im Dienstleistungs-Sektor, ein bunter Strauss an Tätigkeiten, seien Stellen von der Automatisierung bedroht. Es sind vor allem wenig qualifizierte Jobs, die primär betroffen sind. Generell gilt die Richtlinie: Je repetitiver eine Tätigkeit und je höher strukturiert und vorhersehbar die Umgebung, in der sie ausgeführt wird, desto eher kann sie von Robotern übernommen werden. Jobs, in denen Mitgefühl, Kreativität oder soziale Intelligenz benötigt würden, würden hingegen noch für Jahrzehnte von Menschen ausgeübt, so die Prognose aus Oxford.
Der Bericht richtet sich an Regierungen, Tech-Firmen, Gesetzgeber und Ausbilder: Sie sollen die Innovation der Roboter fördern, um von den Segnungen zu profitieren. Aber zugleich sollen sie sicherstellen, dass keine neuen Gräben in der Gesellschaft entstehen. Die "Robotik-Dividende" gleichmässig verteilen, heisst das in den Worten der Analysten aus Oxford. Denn das Beratungshaus prognostiziert niedrigere Preise für Industrieprodukte, höhere Reallöhne und stärkere Steuereinnahmen.
Unter dem Strich würden in der globalen Betrachtung ebenso viele Jobs geschaffen werden. Denn mit der Automatisierung sei auch ein Mehr an Beschäftigung und Wirtschaftswachstum zu erwarten, so die Forscher. Cooper spricht mit Bezug auf den Österreicher Ökonomen Joseph Schumpeter von einem Prozess der "schöpferischen Zerstörung". In diesem würden neue, anspruchsvolle Arbeitsplätze entstehen. Die Prognose basiert auf der Annahme einer starken Steigerung der Arbeitsproduktivität, die im optimistischsten Szenario das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Welt um 4,9 Billionen Dollar steigern soll.
Oxford Economics ist ein kommerzielles Prognose- und Beratungsunternehmen, das 1981 an der Oxford University gegründet wurde. (ts)

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