Roaming-Entscheid der EU bringt Bewegung in Schweizer Telekom-Markt

11. September 2013, 10:44
  • telco
  • schweiz
  • eu
image

Druck auf Schweizer Mobilfunk-Anbieter steigt.

Druck auf Schweizer Mobilfunk-Anbieter steigt.
Während sich Handy-Nutzer in der EU über sukzessiv sinkende Roaming-Gebühre freuen können, müssen Schweizer Handy-Kunden im Ausland immer noch tief in die Taschen greifen. Die Stiftung für Konsumentenschutz hofft nun, dass mit dem neuen Telekom-Paket der EU der Druck auf die Schweizer Mobilfunk-Anbieter steigen wird.
"Wir denken, dass der Druck auf die Schweiz durch den EU-Entscheid steigen wird", sagt André Bähler von der Stiftung für Konsumentenschutz der Nachrichtenagentur 'sda'. "Denn wenn die EU einen Entscheid fällt, dann schaut die Schweiz hin", begründet er seine Haltung und verweist auf die bisher stattgefundenen Diskussionen im Bundesparlament. Immerhin habe es das Thema Roaming auf die Traktandenliste des Parlaments geschafft, fügt Bähler an.
Doch erst kürzlich wurde die Debatte im Parlament über Roaming-Gebühren auf Eis gelegt, um einem Bericht des Bundesrates zur Entwicklung der Gebühren abzuwarten. Dieser soll Ende 2014 vorliegen. Bähler verhehlt nicht, dass er den Bericht für "unnötig" hält.
Bis anhin sind die Schweizer Telcos den stetigen Senkungen der Roaming-Gebühren in der EU nur zögerlich gefolgt. Laut Bähler habe zwar insbesondere Swisscom beim Datenroaming substanzielle Preisnachlässe gewährt, dennoch würden Schweizer Handy-Kunden im europäischen Ausland insgesamt wesentlich höhere Roaming-Gebühren bezahlen als EU-Bürger.
Orange evaluiert Möglichkeiten
Eine Abschaffung der Roaming-Preise sei derzeit kein Thema, "da wir den ausländischen Anbietern etwas für die Netznutzung bezahlen müssen", schreibt Swisscom in einer Stellungnahme.
Hingegen überlegt sich der Telekommunikationskonzern, ob er seinen Kunden ab 2014 ermöglichen soll, dass sie im EU-Ausland einen lokalen Handy-Vertrag für das Herunterladen von Daten abschliessen können. Ohne Wechsel von SIM-Karte und Telefonnummer könnte dann im Ausland zu einem lokalen Anbieter gewechselt werden.
Konkurrent Orange möchte solche oder ähnliche Lösungen, wie in der EU vorgesehen sind, ihren Kunden in der Schweiz ebenfalls anbieten. "Wir evaluieren zurzeit solche Möglichkeiten", sagt Orange-Sprecherin Therese Wenger auf Anfrage.
Bei Sunrise ist man zurzeit etwas zurückhaltender: "Die Frage, ob Sunrise Kunden in Zukunft im EU-Raum Daten direkt über lokale Anbieter versenden können, ist aktuell Gegenstand interner Abklärungen", schreibt das Telekommunikationsunternehmen. Grund dafür sei, dass "in diesem Zusammenhang noch relativ viele offene Fragen technischer Art" bestünden. (sda/mim)

Loading

Mehr zum Thema

image

Überwachung: Bundesrat lehnt Motion gegen Chat­kontrolle ab

Eine Motion verlangt, Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz vor Massenüberwachung zu schützen. Die Sorge findet beim Bundesrat aber wenig Gehör.

publiziert am 24.11.2022 1
image

Cyberkriminelle attackieren EU-Parlament

Die Website des EU-Parlaments wurde Ziel eines DDoS-Angriffes. Dahinter steckte angeblich eine kremlnahe Cyberbande.

publiziert am 24.11.2022
image

Schweiz-Chef Badoux: "Servicenow ist hierzulande eine Erfolgsgeschichte"

Am "World Forum 2022" zog Alain Badoux Bilanz zum 10. Geburtstag von Servicenow Switzerland. Kunden-, Partner- und Mitarbeiterzahl konnten stetig ausgebaut werden.

publiziert am 23.11.2022
image

BIT vergibt Testing-Aufträge für über 90 Millionen Franken

In zwei Losen wurde je 5 Unternehmen ein Auftrag zugesprochen. Einmal für Testautomatisierung und Spezialtests, einmal für manuelles Testing und Testmanagement.

publiziert am 23.11.2022