"Rohrkrepierer" oder nur "Kinderkrankheiten": Zoff um neue Wiener Polizei-Applikation

5. März 2007, 10:44
  • technologien
image

Rosa Brillen vs. widerborstige User

Rosa Brillen vs. widerborstige User
Einführungen von neuen Applikationen sind oft eine heikle Sache, sei es in Unternehmen oder in Behörden, und User schnell frustriert, wenn nicht alles so läuft wie gewünscht. Dass die Meinungen zwischen ihnen und den IT-Verantwortlichen so weit auseinander gehen, wie im Falle einer neuen Fachanwendung für die Polizei der Stadt Wien, dürfte aber selten sein. Dort wurde im Dezember eine neue Applikation für die Polizei namens PAD ("Protokollieren, Anzeigen, Daten") eingeführt. Das PAD soll den Polizisten und Polizistinnen den Zugriff auf verschiedene Anwendungen und Datenbanken über eine einheitliche Eingabemaske ermöglichen.
Offensichtlich läuft es aber gar nicht zur Zufriedenheit der Anwender, oder zumindest ihrer Vertreter in der Polizeigewerkschaft. Diese spricht von einem "Rohrkrepierer" und fordert einen "sofortigen Stopp" des neuen Systems. Ktitisiert wird neben Performance-Problemen auch ein angeblich übermässig kompliziertes und zeitraubendes Eingabesystem. Früher habe man zum Aufnehmen einer Anzeige rund zehn Minuten gebraucht – nun dauere es im Schnitt mehr als eine Stunde, klagte Harald Segall, der Vorsitzende des Fachausschusses der Personalvertretung der Wien Polizei.
Völlig anderer Meinung ist man beim für die Sache zuständigen Innenministerium. Ministeriumssprecher Rudolf Gollia erklärte gegenüber 'ORF.at' dass ein Stopp keinesfalls nötig sei und das System an sich "tadellos laufe" (Dabei bezog er sich allerdings anscheinend auf Erfahrungen mit dem gleichen System in anderen Bundesländern.) Beim Wiener System räumte er lediglich gewisse "Anfangsschwierigkeiten" ein. So habe man beispielsweise Software-Updates während der Hauptarbeitszeit durchgeführt, was zu Abstürzen geführt habe. (Solches werde man in Zukunft unterlassen.) Ausserdem sei die Schulungsphase noch im Gang.
Das ist gemäss Segall aber überhaupt nicht so: "Die Probleme beim neuen EDV-System sind nicht nur auf technische Kinderkrankheiten oder auf zu schwache Datenleitungen zurückzuführen. Mit kosmetischen Änderungen lässt sich da nichts mehr richten." Ganz dem Wesen eines Polizisten entsprechend fordert er nun eine "Aufklärung" der Affäre: "Ich will wissen wie der Auftrag lautete, wer dafür verantwortlich ist und wie hoch die Kosten sind."
Zumindest mit der Bezifferung der Entwicklungskosten scheint man sich dagegen beim Innenministerium schwer zu tun. Diese seien "schwer zu quantifizieren", meinte Gollia, da es von einer Projektgruppe im Innenministerium entwickelt worden sei: "Das müssten wir erst auf Mannstunden herunterrechnen." (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Der CTO von Microsoft Azure will künftig auf Rust setzen

Weil die Programmiersprache sicherer und zuverlässiger als C und C++ ist, soll sie in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen. Der C++-Erfinder hingegen sieht die Ablösung als "gewaltige Aufgabe".

publiziert am 28.9.2022
image

Test: iPhone 14 Pro

Statt das Produktionstempo zu erhöhen, schraubt Apple seine Verkaufsziele herunter. Dass die Nachfrage geringer ausfällt als erhofft, erstaunt nicht, wie der Test des neuen iPhone 14 Pro zeigt.

publiziert am 28.9.2022
image

Twint partnert mit Cembra-Tochtergesellschaft Swissbilling

Die Schweizer Bezahl-App Twint will künftig mit Swissbilling zusammenarbeiten. Details der Partnerschaft waren indes nicht zu erfahren.

publiziert am 23.9.2022
image

RZ-Ausfälle kosten schnell mal mehr als 1 Million Dollar

Eine internationale Studie zeigt, dass die Betreiber auch im nachhaltigen Umgang mit Strom und Wasser noch Verbesserungs­potenzial aufweisen.

publiziert am 22.9.2022