Rotronic diversifiziert wie wild

8. November 2012, 12:46
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Im IT-Zubehörgeschäft und anderen traditionellen Bereichen lief es im letzten Geschäftsjahr "ein bisserl lausig". Trotzdem konnte Rotronic seinen Umsatz sogar steigern.

Im IT-Zubehörgeschäft und anderen traditionellen Bereichen lief es im letzten Geschäftsjahr "ein bisserl lausig". Trotzdem konnte Rotronic seinen Umsatz sogar steigern.
Das eh schon auf mehreren Hochzeiten tanzende Bassersdorfer Handels- und Produktionsunternehmen Rotronic baut sein Produktangebot weiter aus. In Zukunft vertreibt Rotronic unter anderem neu auch LED-Lampen, Kühlschränke, Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte von Samsung. Damit setzt Rotronic das Erfolgsrezept des gerade abgelaufenen Geschäftsjahrs fort. Der Ausbau des Angebots sowie neue Geschäftsbereiche waren dafür verantwortlich, dass Rotronic trotz "schwierigen Rahmenbedingungen" seinen Umsatz sowohl im Inland als auch im Auslandsgeschäft steigern konnte. In der Schweiz stieg der Umsatz um 4 Prozent auf 66 Millionen Franken.
"Ein bisserl lausig"
Im Geschäft mit IT-Zubehör und anderen traditionellen Geschäftsbereichen lief es dagegen "ein bisserl lausig", wie Geschäftsführer Michael Taraba gestern an einem Presseevent in gewohnt witziger Weise erklärte. Laut Taraba, mittlerweile schon seit 20 Jahren Geschäftsführer bei Rotronic, erlebte das Unternehmen "mehr Gegenwind als in den letzten 10 bis 15 Jahren".
Im IT-Zubehör-Geschäft ist dafür gemäss Taraba ein allgemeiner Trend verantwortlich: Die Geräte sind immer stärker integriert und brauchen weniger Zubehör. PCs seien heute meist schon von Anfang an mit ausreichend Speicher, einer leistungsfähigen Grafikkarte und einer Vielzahl von Schnittstellen ausgerüstet. Zudem verdrängen mobile Geräte, die ebenfalls weniger klassisches Zubehör benötigen, die Desktops. "Mit WLAN brauchts halt keine Kabel mehr". In diesem Bereich sieht Taraba denn auch wenig Potential für zukünftiges Wachstum, will aber das IT-Zubehörgeschäft natürlich trotzdem "weiter verteidigen".
In den beiden anderen Geschäftsbereichen hatte Rotronic vor allem mit dem hohen Frankenkurs zu kämpfen. Beim Handel mit selbst - in der Schweiz - produzierten Feuchtigkeitssensoren sowie kompletten Messgeräten stiegen die Preise für Kunden im Ausland wechselkursbedingt teilweise um bis zu 30 Prozent. Zumindest wären sie so stark gestiegen, wenn sich Rotronic nicht "teilweise kompromissbereit" gezeigt hätte.
Im Geschäftsbereich "Industrie" vertreibt Rotronic 19-Zoll-Rack- und Schranksysteme für Rechenzentren und andere Einsätze. Hier machten die Wechselkurse den mehrheitlich exportorientierten traditionellen Schweizer Kunden von Rotronic Bauchweh, was die Nachfrage senkte.
Trotzdem "Not too bad"
Trotz allem konnte Rotronic wie erwähnt dank neuen Geschäftsbereichen den Umsatz steigern. "Ganz ordentlich" beziehungsweise "Not too bad", wie Taraba meinte. Zwar funktionierte nicht alles - die Idee, Elektrobikes aus China einzuführen und hierzulande zu vertreiben, war bisher ein ziemlicher Fehlschlag - aber andere Initiaitiven waren erfolgreich. Unter anderem machte Rotronic letztes Jahr im erst vor zwei Jahren lancierten Geschäft mit Unterhaltungselektronik bereits 8 Millionen Franken Umsatz.
Im Bereich Messtechnik setzt Rotronic vermehrt auf integrierte Messgeräte, wie ein Handmessgerät, das CO2, Feuchtigkeit und Temperatur messen kann. Auch "M2M" beziehungsweise "Machine-to-Machine"-Kommunikation ist bei Rotronic ein grosses Thema. Um beim Trend zur zunehmenden Vernetzung von Messgeräten mitzuhalten, hat Rotronic eine eigene Software für seine Produkte entwickelt. Dieser Bereich soll in Zukunft noch weiter ausgebaut werden. Zudem verstärkt Rotronic seine Präsenz in Asien durch die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft in Singapur.
Im Geschäft mit Elektronikschränken konnte Rotronic durch den Gewinn von Grossprojekten, einen Bereich den sich das Unternehmen zuvor noch nicht gewagt hatte, den Umsatzeinbruch bei traditionellen Kunden weitgehend wettmachen. Rotronic konnte bei Stadler Rail und RUAG Aufträge für Grossprojekte gewinnen und auch bereits umsetzen. Gerade haben die Bassersdorfer nun auch einen Auftrag der SBB eingeheimst. Dabei geht es um die Lieferung von neuen Normschränken während der kommenden drei Jahre, insbesondere für den Bau der Durchmesserlinie in Zürich.
Ein wichtiger Aspekt dabei ist es, dass Rotronic bei solchen Grossprojekten durch zusätzliche Dienstleistungen einen grösseren Teil der Wertschöpfung für sich beanspruchen kann, indem dem Kunden Anpassungsarbeiten abgenommen werden. Stadler Rail brauchte beispielsweise Schränke für seine Züge, die besonders hohe Beschleunigungen überstehen und gleichzeitig möglich leicht sein sollten. Für die SBB wurden zuerst sieben verschiedene Normschränke mit jeweils entsprechendem Zubehör festgelegt, und als man feststellte, dass dies noch nicht alle Bedürfnisse abdeckt, baute Rotronic auch noch ein Bestelltool für frei konfigurierbare Schränke. (Hans Jörg Maron)
(Bild: Einige der Rotronic-Hoffnungsträger für das laufende Jahr: Der Media-Player Prime Time, ein DAB-Radio von Scansonic, ein TiRAX-Schrank von Apranet, LED-Leuchten und ein Kühlschrank von Samsung, das CO2, Temperatur- und Feuchtigkeitsmessegrät CarboPalm11, USV-Anlagen von Eaton und ein KVM-Switch von Aten.)

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