RTC: Das Commitment der Banken

21. Dezember 2007, 15:36
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Die Berner Kantonalbank und der RBA-Verbund schwören RTC und IBIS die Treue. Basellandschaftliche und Aargauische Kantonalbanken und ihre Tochtergesellschaften wollen sich nicht festlegen.

Die Berner Kantonalbank und der RBA-Verbund schwören RTC und IBIS die Treue. Basellandschaftliche und Aargauische Kantonalbanken und ihre Tochtergesellschaften wollen sich nicht festlegen.
Der Berner IT-Dienstleister und Softwarehersteller RTC (Real-Time Center) kommt nicht zur Ruhe. Nachdem im August auf der Kippe zu stehen. Weil alle RTC-Kunden auch an RTC beteiligt sind und somit die Kosten von "IBISmove" tragen, könnten die finanziellen Mittel knapp werden, wenn noch mehr Banken aussteigen.
Zumindest bis 2009 dürfte sich allerdings nicht viel ändern. Die Migros Bank wird voraussichtlich im dritten Quartal 2009 auf Finnova migrieren. Die drei Ostschweizer RBA-Banken Alpha Rheintal Bank, Bank CA St. Gallen und swissregiobank werden wohl aus dem RBA-Verbund austreten und Anfang 2009 ebenfalls Finnova einführen. Die Basler Kantonalbank wird Ende 2009 auf Avaloq laufen und deren Tochter Bank Coop (die eine Eigenentwicklung im Einsatz hat) erst 2010.
Die "treuen Seelen": RBA und BEKB
Doch obwohl RTC heute theoretisch noch keine Kunden verloren hat, ist es eine Tatsache, dass bald weniger Banken die hohen Weiterentwicklungskosten tragen werden. Die Migros Bank bezahlte mindestens 25 Prozent, die BKB 10 Prozent. Die verbliebenen Banken werden also bald höhere Kosten tragen müssen. Momentan ist es so, dass RTC auf die beiden "treuen Seelen" BEKB (Berner Kantonalbank) und RBA zählen kann. Wie RTC-Sprecher Herbert Stadler gegenüber inside-it.ch sagt, hat man vom RBA-Verbund ein klares Commitment erhalten. Die Regionalbanken haben sich bekanntlich Anfang Dezember für eine einheitliche Informatik entschieden. Zwar war ein Drittel der 51 RBA-Banken gegen den Zwang, IBIS einsetzen zu müssen, doch die Mehrheit entschied letztlich, dass man bei IBIS von RTC bleiben wolle. Gemäss Stadler ist das Ja zur einheitlichen Informatik auch ein Ja zu IBIS. Der RBA-Verbund ist mit 5 Prozent an RTC beteiligt. Ein Sprecher wollte auf Anfrage nicht sagen, wie hoch der Kostenbeteiligungsanteil des RBA-Verbunds an "IBISmove" ist.
Das Commitment der BEKB ist eindeutig: Sprecher Erwin Inniger sagt, die Situation sei unverändert. "Wir stehen voll zu RTC und IBIS", so Inniger gegenüber inside-it.ch. Die BEKB besitzt mit 47 Prozent den grössten Anteil an RTC und dürfte nun auch die meisten Kosten tragen. Inniger sagt, dass man die nötigen Rückstellungen getätigt habe und deshalb über genügend Mittel verfüge, damit das Erneuerungsprojekt "durchgezogen werden kann". Wie RTC-Sprecher Stadler sagt, avancierte die BEKB nach dem Abschied der Migros Bank zur alleinigen Modellbank. Bis August war es so, dass auch die Migros Bank für gewisse Teile als Modellbank galt.
Die Wankelmütigen: BLKB und AKB
Gemäss RTC ist die Finanzierung von "IBISmove" gesichert. Dies scheint aber die restlichen Banken nicht zu beruhigen. Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) schaut sich die Situation sehr genau an. Mediensprecher Christoph Loeb sagt gegenüber inside-it.ch: "Wir haben die Situation bereits im August sorgfältig analysiert und die notwendigen Schritte eingeleitet." Der Bankrat (im Prinzip der Verwaltungsrat) der BLKB habe verschiedene mögliche Szenarien ausführlich diskutiert und daraufhin "Prioritäten festgelegt und Aufträge an die Geschäftsleitung erteilt." Im Klartext: Die BLKB, deren Tochter AAM Privatbank ebenfalls IBIS verwendet, ist auf unterschiedliche Entwicklungen vorbereitet. Die Bank hält knapp 12 Prozent der RTC-Anteile und möchte keine Auskunft über den Kostenschlüssel geben.
In einer ähnlichen Situation ist die Aargauische Kantonalbank (AKB), die ebenfalls einen Anteil von 12 bis 13 Prozent an RTC hält und wie ihre Tochter AKB Privatbank Zürich IBIS einsetzt. Rudolf Hochreutener, stellvertretender Direktionspräsident der AKB, sagt gegenüber inside-it.ch: "Wir sind momentan Partner von RTC. Ob das in Zukunft auch so sein wird, kann ich jetzt nicht sagen." Der Absprung der BKB, der übrigens nicht überraschend gewesen sei, bringe sicher eine Veränderung. Auch Hochreutener möchte keine Angaben zum Kostenschlüssel machen.
Die Kleinen
Bleiben noch die Banque Cantonale du Jura (BCJU) und die Sparkasse Bundespersonal (Bank für die Bundesangestellten). Beide bekräftigen auf Anfrage ihr Commitment zu RTC und IBIS. Die BCJU besitzt laut Sprecher Serge Voisard nur einen "sehr, sehr kleinen" Anteil an RTC und die kleine Sparkasse Bundespersonal ist bloss Kunde und finanziell nicht beteiligt.
So lange die BEKB und der RBA-Verbund an RTC und IBIS festhalten, dürften die Kosten für die Weiterentwicklung gedeckt sein. Wie RTC-Sprecher Herbert Stadler sagt, verläuft die Weiterentwicklung gut. Fünf Banken sind aber anderer Meinung. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob RTC – wenn "IBISmove" einmal abgeschlossen sein wird – neue Kunden finden wird, die IBIS einsetzen möchten. (Maurizio Minetti)

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