Ruag steigt aus dem Cybersecurity-Business aus

28. März 2019, 13:46
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Letzte Woche wurde konkretisiert, wie die für die Schweizer Armee tätigen Geschäftseinheiten von Ruag --https://www.

Letzte Woche wurde konkretisiert, wie die für die Schweizer Armee tätigen Geschäftseinheiten von Ruag von den internationalen Bereichen getrennt werden sollen. Zur juristischen Aufsplittung gehört auch die Auftrennung von IT-Systemen.
Man ging davon aus, dass der Cybersecurity-Geschäftsbereich, im privatisierten, internationalen Luft- und Raumfahrt-Technologieunternehmen von Ruag zumindest vorderhand weiterbestehen werde. Insbesondere weil Ruag die britische Cybersecurity-Firma Clearswift erst Ende 2016 übernommen und schon seit 2011 in den Security-Bereich investiert hatte.
Jetzt will Ruag Cybersecurity im Allgemeinen und Clearswift im Besonderen raschmöglichst loswerden: Der 'NZZ' sagte Ruag- Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf: "Bei der Clearswift könnte ein Verkauf bereits dieses Jahr über die Bühne gehen". Laut Ruag macht der Unternehmensbereich bei der neuen Ruag keinen Sinn mehr, aber laut 'Tages Anzeiger' ist es ein 100-Millionen-Abschreiber.
Nun muss man im boomenden Security-Markt schon vieles falsch machen, um 100 Millionen erfolglos zu investieren. Ruag habe dies sowohl mit eigenen Produkten, als auch Zukäufen getan.
Laut 'Tages Anzeiger' war unter anderem das hauseigene Produkt "Ruag Traffic Analyzer" (RTA) ein Flop. Die laut Ruag-Werbung "hochmoderne Lösung" sollte basierend auf statistischen Daten, bestehenden Protokollen und kundenspezifischen Vorgaben Anomalien im Datenverkehr erkennen können und dies Endpoint-unabhängig. Laut der Zeitung war aber RTA nicht markttauglich, so dass Pilotkunden wie Swisscom sie "ratlos" ablehnten. Zudem setzte Ruag RTA zumindest teilweise in jener Phase ein, als man selbst gehackt wurde.
Laut Ruag hat immerhin die Schweizer Armee RTA beschafft "für geheime Aufträge, welche die Ruag für die Führungsunterstützungsbasis der Armee (FUB) ausführt", so der Konzern.
Ein zweiter Flop sei die "Cyber Training Range" von Ruag, ein Schulungszentrum für die Abwehr von Cyber-Attacken.
Das Business lief auch ohne RTA und Cyber Training Range schlecht. Gerade mal 7,5 Millionen Franken Umsatz hat Ruag (ohne Clearswift) im Security-Bereich laut der Zeitung 2017 gemacht.
Die britische Clearswift hatte Ruag laut der Zeitung für 62 Millionen Franken – also etwa drei damaligen Jahresumsätzen – übernommen, auch wenn die Firma laut 'NZZ' beim Kauf überschuldet war, Heute sagt der Ruag-Chef der 'NZZ', es sei ein "stark wachsendes und überdurchschnittlich profitables Geschäft".
Mit Verweis auf Ruag-Dokumente sowie Interviews mit Ex-Angestellten vermeldet der 'Tages Anzeiger' zudem "eine chaotische Organisation der Cyberabteilung sowie unrealistische Zielvorgaben". 100 Millionen Franken Umsatz bis 2020 habe die Ruag-Spitze um CEO Urs Breitmeier versprochen.
Und nicht zuletzt hat nicht geholfen, dass es sich wohl als schlechte Idee erwies, mit Clearswift britischen IT-Security-Einfluss einzukaufen, während man geheime Aufträge für die Schweizer Armee ausführt. Zudem dürfte der Reputationsschaden durch den Hack eine Rolle gespielt haben, welcher die Bundesanwaltschaft von 2016 bis 2018 beschäftigte.
Ruag machte auch im Marketing wohl so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Fragte man beispielsweise an der Cebit 2017 einen Verantwortlichen am grossen Ruag-Stand nach dem Hack, so erhielt man als schlagendes Marketing-Argument: "Wer weiss besser über Cybersecurity Bescheid als ein Opfer wie wir?"
Laut 'Tages-Anzeiger' werden von einst 230 Security-Angestellten noch 18 übrigbleiben. Viele weitere kommen wohl auf den Arbeitsmarkt. (mag)

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