RZ-Betreiber meist gut auf Sandy vorbereitet

30. Oktober 2012, 11:17
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Probleme bei Gawker, Gizmodo, Huffington Post und BuzzFeed. Insgesamt gab es aber bisher nur wenige Meldungen über grössere Ausfälle.

Probleme bei Gawker, Gizmodo, Huffington Post und BuzzFeed. Insgesamt gab es aber bisher nur wenige Meldungen über grössere Ausfälle.
Der "Monstersturm" Sandy hat an der Ostküste der USA riesige Schäden verursacht und mehrere Todesopfer gefordert. Logischerweise wurden dabei in dieser ebenso Bevölkerungs- wie Rechenzentrumsreichen Region auch IT-Infrastrukturen in Mitleidenschaft gezogen, vor allem durch die weitverbreiteten und lange andauernden Stromausfälle. Die Schäden in dieser Beziehung scheinen sich aber zumindest bisher in Grenzen zu halten.
Gute Vorbereitungen
Viele RZ-Betreiber haben sich offensichtlich gut vorbereitet. Notgeneratoren wurden schon in den letzten Tagen getestet und probeweise in Betrieb genommen. Zudem wurden entweder zusätzliche Dieselreserven gebunkert oder mit Dielsellieferanten Schnelllieferungen für den Notfall in die Wege geleitet.
Viele RZs wurden auch durch Notmassnahmen speziell gegen Wassereinbrüche geschützt. Andere wurden zumindest teilweise vorsorglich stillgelegt und die dort laufenden Arbeitslasten, wo möglich, in andere RZs verlegt. Der Online-Backup-Anbieter Nirvanix bot beispielsweise seinen Kunden an, ihre Daten kostenlos aus seinem Rechenzentrum in New Jersey in andere Rechenzentren zu migrieren.
Auch die Belegschaft in den RZs wurde vielerorts aufgestockt, um auf Probleme schnell reagieren zu können. Damit die Leute im Bedarfsfall auch vor Ort übernachten konnten, wurden zusätzliche Essens- und Wasservorräte angelegt.
Evakuiertes Personal
Einige Betreiber wie der Hoster 1&1 mussten ihre Services laut 'The Register' allerdings auch zurückfahren, da ihre Rechenzentren in Evakuationszonen liegen, und die Belegschaft nach Hause geschickt werden musste.
Generatoren sicher, aber nicht die Pumpen
Konkrete Probleme aufgrund von Sandy meldeten unter anderem Gawker, Gizmodo, Huffington Post und BuzzFeed, deren Websites teilweise nicht mehr erreichbar waren. Alle vier Sites werden vom New Yorker RZ-Betreiber DataGram gehostet. Laut einem Post auf BuzzFeed legte ein Wassereinbruch im Keller von DataGram die Pumpen lahm, die Treibstoff zu den Notgeneratoren pumpen sollten. Die Website von DataGram selbst war auch heute gegen zwölf Uhr noch nicht wieder erreichbar.
Ziemlich das Gleiche geschah laut 'The Register' auch beim RZ-Betreiber Internap, der in New York ein Colocation-Rechenzentrum unterhält. Auch hier wurde der Keller überflutet und Treibstoffpumpen zerstört. Der Treibstoffvorrat der im Hochparterre aufgestellten Generatoren reichte laut einem Mail des Betreibers für fünf bis sieben Stunden, dürfte aber inzwischen zu Ende gegangen sein.
Geografisch doch nicht so getrennt
Das ungewöhnliche am Hurrican Sandy sind weniger seine Windgeschwindigkeiten, die ungefähr den früheren Hurricans Katrina oder Irene enstprachen, sondern seine extreme Grösse, wie gestern diverse Klimatologen im US-Fernsehen betonten. Katrina hatte einen eng begrenzten Küstenstrich rund um New Orleans betroffen. Bei Sandy reichen die Überflutungen und Stromausfälle über mehrere Hundert Kilometer von Washington D.C bis nach Neu England. Dies relativiert auch den Begriff "geografisch getrennt" für Backup-Rechenzentren. Vor allem einige kleinere RZ-Betreiber hatten laut Berichten das Pech, dass die Stromzufuhr gleichzeitig in Haupt- und in Backup-Rechenzentren ausfiel. (Hans Jörg Maron)
(Foto: Nasa. Der Hurrican Sandy in einem Satellitenbild von gestern, einige Stunden bevor sein Zentrum die US-Ostküste erreichte.)

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