Sage, der Channel und der "Midmarket"

22. Januar 2010, 16:07
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"Wir haben Pro-Concept in drei Jahren nicht integriert."

"Wir haben Pro-Concept in drei Jahren nicht integriert."
Inside-channels.ch nutzte die Präsentation der neuen "Midmarket"-Lösung 'X3' des Sage Konzerns in Paris zu einem Gespräch mit Sage-Schweiz-Chef Jean-Jacques Suter (Foto). Suter, der erst seit vergangenen Juni an der Spitze von Sage Schweiz steht, hat den Vorteil, dass er für vergangene Sünden nicht verantwortlich gemacht werden kann und er deshalb relativ (allerdings sehr relativ) offen reden kann.
Wieviel Geld Sage Schweiz mit dem Kauf des jurassischen Software-Herstellers Pro-Concept, der erst diesen Herbst wieder abgestossen wurde, verloren hat, wollte Suter nicht beziffern. "Wir haben Pro-Concept in einer besseren Konjunkturlage gekauft als verkauft," so Suters leicht zu interpretierende Bemerkung. Sage bezahlte im April 2007 immerhin 18,5 Millionen Franken.
Was führte zu dem für den Sage-Konzern einmaligen Vorgang, dass eine übernommene Firma wieder dem Management zurückverkauft wurde? "Pro-Concept wurde in den drei Jahren seit der Übernahme nie in Sage integriert. Hätte ich die Integration durchgepeitscht, so hätte dies zwangsläufig zu einigem Stellenabbau bei Pro-Concept geführt," so Suter. Auch habe man das Ziel, die Marktstellung im Mid-Market "weiter auszubauen", nicht so schnell erreicht wie geplant.
Pro-Concept war für Sage aber auch nur äusserst schwierig integrierbar, denn die Jurassier hatten (und haben) ein anderes Geschäftsmodell als Sage Schweiz. Die Lösung ist sehr beratungsintensiv und kann nicht einfach so, "out of the box" installiert werden und Pro-Concept, heute SolvAxis, verkauft direkt, respektive hat ein eigenes Consulting-Geschäft. Damit lachte sich Sage mit der Übernahme automatisch einen Channel-Konflikt an. Suter wollte die Frage, ob der Kauf von Pro-Concept ein Fehler gewesen sei, nicht direkt beantworten: " "Rückblickend kann man die Übernahme als Fehler beurteilen. Die Praxis hat gezeigt, das Pro-Concept und Sage unter einem Partnerdach weit besser zusammenpassen, als durch die Integration dieser hochspezialisierten ERP-Branchenlösung in unser Portfolio."
Vertrauen des Channels in Sage 50 / Sesam zurückgewinnen
Mit der Abschaffung der in der Schweiz sehr gut verankerten Marken "Sesam" und "Simultan" dürfte sich Sage nur wenig Freunde im Schweizer Channel gemacht haben. Nun wird der Schritt wenigstens teilweise zurückgenommen. Gemäss Suter werden die beiden wichtigsten Produkte nun als "Sage 50 (Sesam)" und "Sage 200 (Simultan)" bezeichnet.
In einem anderen wichtigen Punkt, der Qualität der Releases von Sage 50 (Sesam), hat Suter nach eigenen Angaben durchgegriffen. Suter: "Ich akzeptiere die Kritik. Wir hatten den Fokus auf die Kunden bei Sage 50 verloren. Die Probleme wurden lokalisiert und behoben und die Händler und Kunden sind heute wieder zufriedener," so Suter. Bei den Programmierern in Root lag der Fehler gemäss Suter nicht: "Wir haben Spitzenprogrammierer."
Sage Schweiz: Von 380 auf 200 Mitarbeitende
Heute hat Sage Schweiz gemäss Suter noch 200 Mitarbeitende. Im August 2007, also vor zweieinhalb Jahren waren es noch 380. 110 bis 120 Mitarbeitende gingen beim Management-Buy-Out von Pro-Concept mit, also wurden offenbar in den vergangenen zweieinhalb Jahren 80 Stellen bei Sage Schweiz abgebaut. Wurde Suter als der "Mann mit dem eisernen Besen" geholt? Er verneint. Seit seinem Antritt vergangenen Juni seien zwar einige Stellen abgebaut worden, es seien aber weniger als drei Prozent der Stellen gewesen. (Christoph Hugenschmidt)

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