Salesforce: Einstein, KI und Mönche in Frisco

6. Oktober 2016, 09:56
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Hierzulande soll ein lokaler Partner Compliance-Sorgen lindern.

170'000 Besucher interessierten sich für die Pläne und Produkte von Salesforce. In der Schweiz soll ein lokaler Partner Compliance-Sorgen besänftigen.
Gutes Marketing ist, wenn ein Unternehmen seine Produkte und Dienstleistungen exakt so darzustellen vermag, dass Käufer dieses Angebot als absolut wünschenswert wahrnehmen und geradezu danach gieren. Beinahe eine Kunstform hat der Cloud-Konzern Salesforce daraus gemacht: mehr als 170'000 – so die offizielle Angabe des Software-Anbieters – Kunden, Partner und Interesssenten registrierten sich für die diesjährige Hausmesse "Dreamforce" in San Francisco. Ein unschlagbarer Branchenrekord, bringen es doch selbst andere Schwergewichte wie Microsoft oder IBM gerade mal auf fünfstellige Besucherzahlen bei ihren Veranstaltungen.
Das liegt aber nicht nur daran, dass der kalifornische CRM-Spezialist morgendliche Meditationsrundgänge mit buddhistischen Mönchen anbietet, ein hawaiianisches Musiker-Paar vor der CEO-Keynote gefühlvolle Balladen vorträgt und Salesforce auch ansonsten wirklich alles vermeidet, was an den eher technisch-spröden Charakter der Wettbewerber und ihrer Events erinnert. Sondern die extrem kundenfokussierte Sicht des gesamten Salesforce-Ökosystems ist offensichtlich genau das, was dessen Anwendern momentan unter den Nägeln brennt: Deutlich enger an seine Kunden rücken, diese besser zu verstehen und auf Grundlage dieser Erkenntnisse neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – das Einmaleins der Digitalisierung sozusagen.
Da erscheint es logisch, wenn das neuste Produkt des Hauses, die Datenanalyse-Plattform mit künstlicher Intelligenz "Einstein", von Salesforce-Boss Marc Benioff in dessen Keynote in den Mittelpunkt gerückt wurde. Man habe, so Benioff, dafür die "weltweit besten Experten für künstliche Intelligenz" (Artificial Intelligence, AI) zu Salesforce geholt, Benioff, der das AI-Investment seines Unternehmens auf mehr als eine Milliarde Dollar bezifferte, zum Ziel von Einstein: "Wir wollen damit jeden Mitarbeiter zum Data Scientist machen", so der Salesforce-CEO. Aus technologischer Sicht integrierte das Unternehmen darin zahlreiche Komponenten, die aus dem Tool sozusagen eine unternehmensweite Geheimwaffe machen sollen: Mittels Big Data Predictive-Analytics über Computerlinguistik (Natural Language Processing) bis hin zu Machine Learning sollen auch nicht tech-affine Anwender die Vorteile des Tools nutzen können. Sei es, um besonders aussichtsreiche Verkaufschancen unter den Kunden identifizieren zu können, sei es, um den Kundendienst zu verbessern.
Einstein für Vor-Ort-Service
Auf der Dreamforce zeigte das Unternehmen darüber hinaus einen ersten praktischen Anwendungsfall: "Field Service for Einstein", das "Uber des Kundendienstes", so Benioff. Durch die Vernetzung mit dem Tool weiss ein Unternehmen jederzeit, wo seine Servicekräfte gerade im Einsatz sind und kann sie dementsprechend besser steuern und effizienter einsetzen. Das auch deshalb, da Einstein selbstlernende Algorithmen integriert hat und auf Basis von Big Data-Analyse Vorschläge machen soll, wo welcher Techniker am besten als Nächstes hinzuschicken ist.
Auch den europäischen Markt möchte Salesforce mit seinem neuen Produkt beglücken und somit dazu beitragen, "das grösste Softwarehaus in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu werden, was weiterhin unser langfristiges Ziel ist", so Joachim Schreiner, der für diesen Raum zuständige Salesforce-Manager. Kein bescheidenes Ziel, denn dafür müsste Salesforce niemand geringeren als SAP in die Schranken weisen.
Schweiz: Partner für mehr Compliance
Schreiner berichtete über gute Fortschritte bei der Schweizer Kundenbasis. Demnach sei sein Unternehmen hierzulande gut vertreten: "Pharma ist weiterhin unsere erfolgreichste Branche. Aber wir freuen uns, nun auch bei Schweizer Privatbanken vertreten zu sein", so der Salesforce-Senior Vice President. Zudem kündigte er auch für die Schweiz eine Partnerschaft an, wie man sie in Deutschland bereits mit T-Systems ausübe. Hier bietet die Telekom-Tochter die Salesforce-Produkte aus seinen hochsicheren Rechenzentren an. Allerdings werde man sich dabei nicht am Datentreuhänder-Modell orientieren, das T-Systems bereits mit Microsoft praktiziere, "aber werden wir eine Lösung anbieten, die mindestens genauso compliant ist", so Joachim Schreiner. (Sven Hansel)

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