Samsung bricht mit Dicom: 33 Stellen weg

1. März 2006, 10:54
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Samsung Electronics regelt per 1. Juni 2006 den Vertrieb in der Schweiz neu. Die Samsung-Sparte von Dicom in Rotkreuz wird aufgelöst.

Samsung Electronics regelt per 1. Juni 2006 den Vertrieb in der Schweiz neu. Die Samsung-Sparte von Dicom in Rotkreuz wird aufgelöst.
Dicom ist ab 1. Juni 2006 nicht mehr Generalimporteur von IT- und CE-Produkten des südkoreanischen Herstellers Samsung Electronics. Samsung und der Rotkreuzer Importeur haben gemeinsam beschlossen, die 13 Jahre alte Zusammenarbeit zu beenden. In den letzten sechs Monaten hätten sich die ungünstigen Marktverhältnisse weiter verschlechtert. Ein profitables Geschäft zu betreiben, sei immer schwieriger geworden. Obwohl "verschiedene strategische Alternativen" evaluiert wurden, konnte eine einvernehmliche Lösung nicht gefunden werden.
Die Dicom Group beabsichtige, die "Samsung General Agency" (SGA), die nur in der Schweiz aktiv ist, aufzulösen. In der Schweiz war der Samsung-Generalimport bisher über die Tochtergesellschaften Sedico-IT (Displays, Printer, Notebooks) und Dicom Sedico (TVs) geregelt. Die gesamte Dicom Group beschäftigt in der Schweiz 80 Mitarbeitende. Nun werden 33 Stellen in der Schweiz gestrichen. 70 Prozent davon bei Sedico-IT, der Rest vor allem bei Dicom Sedico.
Lösungen für Mitarbeitende
Für einen Teil der Mitarbeitenden bestünden "gute Möglichkeiten", innerhalb der Gruppe oder bei Samsung selbst eine neue Stelle zu bekommen. Es ist deshalb stark anzunehmen, dass Samsung eher selber in der Schweiz aktiv wird, als dass neue Distributorenverträge abgeschlossen werden. Martin Schmid, Managing Director von Sedico-IT, sagt gegenüber inside-channels.ch: "Vielleicht gibt es 'mal Samsung Schweiz, vielleicht auch nicht."
Offensichtlich werden auch Gespräche mit (nun bald ehemaligen) Konkurrenten geführt, um den Dicom-Mitarbeitenden eine gerechte Lösungen zu bieten. Für Lehrlinge sei eine interne Lösung gefunden worden. Das heisst, sie wechseln in den Bereich "Information Capture and Communications". Dicom verspricht, dass die ordentlichen Kündigungsfristen eingehalten werden. Die grösstenteils jungen und fachlich durchwegs gut qualifizierten Mitarbeitenden sollen "schon in naher Zukunft" wieder neue Arbeitsstellen finden, gibt sich Dicom zuversichtlich.
Durch den Stellenabbau und wegen den ausstehenden Vertragsverpflichtungen und Sonderabschreibungen entstehe ein ausserordentlicher Aufwand von bis zu einer Million Pfund, welcher der Erfolgsrechung des dritten Quartals des laufenden Geschäftsjahres belastet wird. Samsung muss die neue Vertriebsorganisation erst noch neu regeln. Bis es soweit ist, werden Sedico-IT und Dicom Sedico die Dienstleistungen wie bisher weiterführen. Danach will sich die Dicom Group in der Schweiz auf das Kerngebiet "Information Capture and Communications" konzentrieren. "Hierfür werden in Zukunft sicher neue Stellen geschaffen", sagt Schmid. Im Moment arbeiten etwa 30 Leute in diesem Bereich, der das Hauptgeschäft der Dicom Group ist.
Schwierige Marktsituation
Der Hauptgrund für die Auflösung des Samsung-Generalvertriebs in der Schweiz ist bestimmt auf die anhaltenden Preiskämpfe zurückzuführen. Die Bruttomargen sinken seit Jahren. Auf Abnehmerseite habe eine Konsolidierung stattgefunden, schreibt Dicom. Grosse Retailkunden wie beispielsweise Fachmärkte hätten durch ihr Volumengeschäft eine immer grössere Verhandlungsmacht über Preise, Werbung und Garantieleistungen. Die Samsung-Sparte SGA agiere in einem schwierigen Marktumfeld, schreibt Dicom. Der "Verdrängungskampf" in der Schweiz wurde durch neue asiatische Hersteller und vermehrt auch durch internationale Anbieter intensiviert. Damit spricht Dicom auch das Problem von Grauimporten an, womit seit längerer Zeit viele Generalimporteure zu kämpfen haben. Laut Schmid sei das aber nicht das Hauptproblem gewesen. Es ist so, dass verschiedene Hersteller vermehrt auch direkt in den Schweizer Markt drängen. Bezeichnenderweise hatte erst im Juni 2005 der japanische Display-Hersteller EIZO den Monitor-Vertrieb von Excom übernommen. (Maurizio Minetti)
Brutaler Absturz der Marktanteile im Printergeschäft
Mit dem Begriff "Schwierige Marktsituation" haben die Leute von Sedico zumindest was das Printergeschäft betrifft, massiv untertrieben. Denn offensichtlich hat sich der Printer-Riese Hewlett-Packard den steilen Aufstieg der Samsung Printer im Retail-Geschäft nicht gefallen lassen.
Wie ein Blick auf die IDC-Marktanteilszahlen vom letzten Jahr zeigt, stürzte der Marktanteil von Samsung bei den Farblaserdrucken im zweiten Quartal 05 auf Null (!) ab, erholte sich im dritten Quartal leicht (auf etwa 13 %) und sanken im wichtigen vierten Quartal wieder auf magere fünf Prozent. Noch krasser das Bild bei den Schwarzweiss-Lasern. Nach einem beharrlichen Aufstieg auf etwa 16 Prozent Marktanteil bis im dritten Quartal 2005 stürzte Samsung in der Schweiz im vierten Quartal völlig ab. (Christoph Hugenschmidt, Ergänzung ca. 19 Uhr)

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