Samsung sitzt LCD-Überkapazitäten nicht länger aus

2. Dezember 2010, 09:15
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Während alle anderen Panel-Hersteller ihre Produktionskapazitäten wegen der vergleichsweise enttäuschenden Nachfrage und dem anhaltenden Preisverfall schon heruntergefahren haben, hat Samsung rein auf die eigene Grösse vertraut und das Thema lange ausgesessen.

Während alle anderen Panel-Hersteller ihre Produktionskapazitäten wegen der vergleichsweise enttäuschenden Nachfrage und dem anhaltenden Preisverfall schon heruntergefahren haben, hat Samsung rein auf die eigene Grösse vertraut und das Thema lange ausgesessen. Wohl auch in der Absicht, den Wettbewerb zu verdrängen, lautet immer wieder der Vorwurf gegen den koreanischen Riesen, und das nicht nur auf LCDs bezogen, sondern auch bei Speicherprodukten.
Jetzt berichtet 'The Korea Times', dass Samsung die Produktion grosser LCD-Panels (ab 9.1 Zoll) um sieben Prozent gedrosselt hat. Das wäre das erste Mal in den letzten zwei Jahren, dass der Marktführer sich den Mitbewerbern anschliesst. Im Oktober 2008 hatte der damalige LCD-Chef Lee Sang-wan als Reaktion auf die einsetzende Weltwirtschaftskrise entschieden, den Ausstoss um fünf Prozent abzusenken. Mindestens bis Jahresende soll Fabrikauslastung dann auf 92 bis 93 Prozent gefahren werden.
Laut dem Industriebeobachter DisplaySearch hat Samsung den monatlichen LCD-TV-Ausstoss im Oktober von 4,5 auf 4,3 Millionen Stück reduziert. Die LCD-Industrie ist besonders stark dem Schweinezyklus unterworfen, wonach auf Engpässe immer wieder Überkapazitäten folgen, was bei Fabrikpreisen in Milliardenhöhe fatal sein kann. Hinzu kommt, dass die LCD-Industrie sehr volatile auf makroökonomische Bewegungen reagiert. Das langsame Aufatmen aus der Finanzkrise hat bewirkt, dass die CE-Märkte wieder ansprangen, weshalb die Panel-Hersteller erst gar nicht mehr mit der Produktion hinterherkamen, sich dann aber immer mehr Lagerbestände angehäuft haben, weil die erhofften US-Verkäufe ausblieben und auch das Zugpferd China nicht mehr so zieht wie in jüngster Vergangenheit. Hinzu kommt, dass allein schon die Ankündigung neuer Modelle die Preise für TV-Geräte weiter unter Druck setzt. In der Regel sollen die um 30 Prozent in diesem Jahr fallen.
Enttäuschende Verkaufszahlen bei den Black Friday Sales nach Thanksgiving in den USA haben noch Salz in die Wunden gestreut und nun wohl auch für Samsung das Fass zum Überlaufen gebracht. Mit "Black Friday" verbinden die meisten Europäer wohl die Börsen- und Weltwirtschaftskrise von 1929, aber auch schon im England des 18. Jahrhundert gab es den ersten Schwarzen Freitag. Im Zusammenhang mit Sales ist das Wörtchen Black positiv zu sehen – als raus aus den roten Zahlen, in Philadelphia 1966 erstmals zu beobachten, als nach Thanksgiving alle die Geschäfte stürmten.
Wie dem auch sei, während die grossen Markenunternehmen wie Samsung, Sony, LG und Toshiba sich einen Monat vor Thanksgiving schon Preisschlachten in Nordamerika geliefert haben, sagen andere, die Preise, besonders die für LED-TVs, seien noch nicht stark genug gefallen, um die Black Friday Sales zu beleben.
Dem US-Retail-Marktforschungsinstitut 'Shopper Track' zufolge haben die Konsumenten dieses Jahr zwar mehr ausgegeben als im Vorjahr, aber mit einem dünnen Plus von 0,3 Prozent deutlich hinter den Erwartungen der National Retail Federation von 2,2 Prozent zurückgeblieben.
Wie 'The Korea Times' einen nicht namentlich genannten Topmanager zitiert, könnte Samsung es schwer haben, mehr Panel-Orders für Weihnachten und Neujahr an Land zu ziehen, bedenkt man die sich noch mehr anhäufenden Lagerbestände nach dem jetzt wahrlich schwarzen Freitag.
Unlängst hat Samsungs derzeitiger LCD-Chef Chang Won-kie noch gesagt, dass er für seine Sparte im vierten Quartal keinen operative Verlust erwarte, aber davon auszugehen sei, dass der Preisabtrieb bis in die zweite Jahreshälfte 2011 anhält, wenn keine "signifikante Belebung" des Konsums eintrete. In den USA haben die Verbraucher den Schock der Finanzkrise immer noch nicht verdaut oder er ist ihnen angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen erst wieder neu bewusst geworden, somit hat die Konsumkrise dort auch viel mit Sinneskrise zu tun. Ähnliches ist mitunter natürlich auch in Europa zu beobachten. Kein Wunder bei der Schuldenkrise in der EU.
Samsung rechnet daher mit einem weiteren Gewinnrückgang. Im dritten Quartal ist der Profit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 57 Prozent auf 520 Milliarden Won (447 Millionen CHF) eingebrochen.
Samsungs grösster Rivale, LG Display, halt die Panel-Produktion seit geraumer Zeit schon auf einem Level von 90 Prozent. LG-Managern zufolge werde man die Situation in Nordamerika sehr genau beobachten, bevor man entscheide, wieder zur vollen Produktionskapazität zurückzukehren. In Industrie- und Börsenkreisen wird indes nicht ausgeschlossen, dass der zweitgrösste Panel-Hersteller im vierten Quartal rote Zahlen schreibt. (Klaus Hauptfleisch )

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