SAP-Anwender fordern Pay-per-use-Preismodell

20. September 2016, 13:23
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Business Transformation aus der Steckdose lautet das Motto des Jahreskongresses deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe. Die DSAG fordert neue Preismodelle in Zeiten der Digitalisierung.

Business Transformation aus der Steckdose lautet das Motto des Jahreskongresses deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe. Die DSAG fordert neue Preismodelle in Zeiten der Digitalisierung.
"Unternehmen, die heute erfolgreich agieren, sind nicht automatisch auch in Zukunft dem Wettbewerb voraus", greift der Vorstandsvorsitzende der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) Marco Lenck das Motto des Jahreskongresses auf. "Manager müssen sich künftig mit einer Vielzahl neuer technologischer Möglichkeiten und einer Fülle an Echtzeit-Informationen orientieren. Dabei gilt es, das Unternehmen neu zu positionieren und Produkte und Services für Konsumenten in einer digitalen Umgebung zu entwickeln."
Digitalisierung läuft nicht via Plug and Play
Die Digitalisierung ist laut Lenck inzwischen auf breiter Front in den Unternehmen angekommen und wird unterschiedlich umgesetzt. Damit kommen weit reichende Umwälzungen auf SAP-Anwender zu. "Fakt ist, dass mit der Einführung eines neuen Produktes die digitale Transformation sich nicht einfach realisiert. Vielmehr müssen von der Idee bis zum praktischen Einsatz einer SAP-Lösung diverse Entwicklungsstufen durchlaufen oder auch teilweise ganz neue Wege gegangen werden." Neben sämtlichen Unternehmensbereichen müssten auch externe Partner eingebunden werden. Das funktioniere nicht mittels Plug-and-Play.
"Business Transformation lässt sich nur bewältigen, wenn alle Beteiligten im Unternehmen, aber auch externe Partner und der Softwarelieferant an einem Strang ziehen," erläutert Lenck. Intern müssten Entscheider in den Unternehmen Veränderungen anstossen und dabei die Mitarbeiter mitnehmen. Wichtig seien eine gewisse Risikobereitschaft und die Möglichkeit, Dinge ausprobieren zu können. Manchmal könne auch Trial and Error sinnvoll sein.
IT und Fachabteilungen rücken eng zusammen
"Die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen und den IT-Abteilungen ändert sich gerade spürbar", erklärt Gerhard Göttert, Vorstand für den Bereich Anwendungsportfolio bei der DSAG und zuständig für die Fachbereichsprogramme. "Fachbereiche erhalten mehr Kompetenzen und entscheiden darüber, wie Unternehmensabläufe mithilfe technologischer Systeme abgebildet werden." Durch eine intensivere Zusammenarbeit mit der IT könne sich die Umsetzungsgeschwindigkeit neuer Business-Anforderungen und neuer Geschäftsmodelle erhöhen.
"In den Schweizer Gremien die DSAG wird die digitale Transformation intensiv diskutiert, doch in der Praxis gibt es noch Fragezeichen", erklärt Christian Zumbach, DSAG-Vorstand Schweiz. "Die Schweizer sind immer innovativ gewesen und versuchen, sich vorwärts zu bewegen. Aber die Unternehmen erwarten von SAP konkrete Hilfestellungen". Anders beim östlichen Nachbarn: Für viele österreichische Entscheider sind Internet of Things und Industrie 4.0 bislang hauptsächlich Schlagworte, erläutert Wolfgang Honold, DSAG-Vorstand Österreich: "Die neue Welt lässt sich den Unternehmen am besten mit konkreten Beispielen und Szenarien nahebringen."
DSAG fordert ein Pay-Per-Use-Preismodell
Bei der Vielzahl an Lösungen sei es für Unternehmen oft schwierig einzuschätzen, welche Software für die digitale Transformation relevant ist. "Zahlreiche Unternehmen evaluieren die Bedeutung der Digitalisierung", erläutert Otto Schell, Vorstand Branchen und Geschäftsprozesse bei der DSAG. Bestehende betriebswirtschaftliche Systeme sollen künftig unbedingt weiter einsetzbar sein, fordert die DSAG." In einer DSAG-Umfrage im März dieses Jahres betrachteten über 80 Prozent der Befragten SAP bei der Digitalisierung als einen relevanten Partner. Mehr als 60 Prozent der Befragten zögen allerdings neben SAP auch andere Anbieter in Betracht, beispielsweise von Microsoft und Salesforce.
Um bei der Digitalisierung Erfolg zu haben, benötigten Unternehmen ein Produktportfolio, mit dem sie Prozesse End-to-End abbilden könnten. "SAP-Anwender brauchen bedarfsgerechte Produkte mit detaillierten Roadmaps sowie Bestandslösungen, die um neue Funktionen erweitert werden", erläutert Lenck und schliesst daran eine Forderung nach neuen Bezahlmodellen an: "SAP muss neue Bezahlmodelle entwickeln, um Prozesse zu bepreisen, die einen hohen Durchsatz bei geringer Wertschöpfung haben. Idealerweise erfolgt die Abrechnung nach dem Pay-Per-Use-Prinzip."
S/4HANA punktet mit erhöhter Flexibilität
"Ohne unternehmensweite Standardsoftware ist die digitale Transformation nicht möglich", erklärt Frank Niemann, Vice President Software and SaaS-Markets beim Analystenhaus PAC. Die Unternehmen brauchten stabile Backend-Prozesse. Andererseits müsse die Software flexibel genug sein, um sich neuen Anforderungen anzupassen. S/4HANA sei hierfür besser geeignet als die klassischen Business Suite: "Die Business Suite bietet zwar viele Funktionen, aber sie ist für heutige Bedürfnisse nicht eng genug integriert. Zudem lassen sich neue Themen wie etwa das Internet der Dinge nur schwer hinzufügen."
SAP sucht Metrik für Abrechnung nach Nutzung
Wie SAP ihre Kunden unterstützt, um langjährige gewachsene Systemlandschaften mit individuellen Innovationen zu vereinbaren, erläutert Bernd Leukert, SAP-Vorstand für Produkte und Innovation: "SAP S/4HANA ist die nächste Generation der Business Suite, die es ermöglicht, dass Unternehmen mit der Losgrösse eins produzieren. Diese Lösung bildet den digitalen Kern ab." Hinzu komme die HANA Enterprise Cloud als eine Ebene, wo sich Prozesse schnell anpassen lassen. Das sei ideales Experimentierfeld für individuelle Ausprägungen. Mit der Akzeptanz von S/4HANA zeigt sich Leukert zufrieden angesichts von 3700 Kunden, die Projekte haben oder die Lösung bereits live betreiben. Die DSAG-Forderung nach einer klareren Roadmap will SAP erfüllen und bei S/4HANA künftig detaillierte Informationen über die kommenden vier Updates liefern. Auch ein Pay-Per-Use-Pricing kann sich Leukert vorstellen, allerdings mit einer Einschränkung: "Wir werden ein solches Abrechnungsmodell erst anbieten, wenn wir die Nutzung eines Dienstes zuverlässig messen können." (Jürgen Frisch, Nürnberg)

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