SAP: "Avaloq oder Temenos sind nicht unsere Konkurrenten"

19. Mai 2010, 12:02
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SAP zielt im Bankenmarkt auf die 400 bis 500 weltweit grössten Retail-Banken.

SAP zielt im Bankenmarkt auf die 400 bis 500 weltweit grössten Banken.
Unsere Frage an Wolfgang Gaertner, CIO der Deutschen Bank, ob das Projekt der Migration einiger Kernbankensysteme (Kontenführung, Sparkonten, Zahlungsverkehr) der Grossbank auf eine SAP-Standard-Lösung eher auf 10 oder 20 Jahre angelegt sei, erntete Gelächter im Saal. Doch Gaernter nannte anlässlich eines Roundtable-Gesprächs von Grosskunden mit SAP-Co-CEO Jim Hagemann Snabe während der Kundenkonferenz Sapphire in Frankfurt erstaunlich kurze Fristen. Die Deutsche Bank geht die Migration gewisser Kernsysteme auf SAP schrittweise an, die ersten Systeme sollen bereits nach zwei Jahren, also 2012 auf der SAP-Plattform laufen, danach will Gaertner, der in Deutschland auch schon mal zum CIO des Jahres gekürt worden ist, alle 6 Monate weitere Systemteile migrieren können.
Die Ziele sind ambitiös. Gaertner will mit der teilweisen Ersetzung der alten Systeme durch eine Standardlösung eine Milliarde Euro pro Jahr einsparen und gleichzeitig die Flexibilität der Informatik massiv erhöhen. Wichtige, kundennahe Systeme mit denen sich die Bank im Markt differenzieren will, werden übrigens weiterhin selbst entwickelt, betonte Gaertner.
Der Deal mit der Deutschen Bank wurde in unserem Sprachraum als Durchbruch für SAP wahrgenommen. Er war aber "nur eine logische Konsequenz", wie Martin Schroter, beim deutschen Software-Konzern weltweit für das Geschäft mit der Finanzindustrie verantwortlich, gegenüber inside-it.ch betonte. Denn SAP habe bereits einige grosse Banken als Kunden für Kernbankensysteme gewonnen, dies sei aber im deutschen Sprachraum nicht so recht wahrgenommen worden. So entschloss sich die Commonwalth Bank of Australia, eine der vier grössten Banken des fünften Kontinents, bereits 2008 auf SAP zu setzen. Andere SAP-Banking-Kunden sind etwa die südafrikanische Standard Bank und die chinesische China Minsheng Banking Corporation.
"Unser Zielmarkt sind die weltweit 400 bis 500 grössten Retailbanken. Aber wir bauen kein 'Avaloq' für Grossbanken, sondern es geht darum, Fabriken für die Kontenführung zu bauen." Andere Funktionen wie etwa die Wertschriftenverwaltung, die in den Kernbankensystemen typischerweise abgedeckt sind, deckt das SAP-ERP hingegen nicht ab. "Avaloq oder Temenos sind nicht unsere Konkurrenten," betont Schroter.
"Industrialisierung der Transformation"
Obwohl der Deal mit der Deutschen Bank also nicht als der grosse Durchbruch angesehen wird, könnte er trotzdem Signalwirkung im deutschen Sprachraum haben, sagt Schroter. "Andere Banken müssen sich nun fragen, wo sie in fünf Jahren mit ihren Prozesskosten stehen und wie flexibel sie dann im Vergleich zur Konkurrenz sind. Der Wille zur Transformation in der Finanzindustrie hat eine neue Reife," will Schroter erkannt haben.
Er lanciert ein interessantes Schlagwort: "Industrialisierung der Transformation". Gemeint ist, dass SAP Methoden-Pakete mit vorkonfigurierten Dienstleistungen entwickeln will, die den Kunden helfen, von den vielen grossen, selbst entwickelten Systemen auf wenige, (von SAP) gekaufte Lösungen zu migrieren. (Christoph Hugenschmidt)

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