SAP "Business ByDesign"-Hosting altertümlich?: Jeder Kunde auf eigenem Server

26. November 2007, 12:19
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"Sie können es halt nicht besser" oder Pragmatismus?

"Sie können es halt nicht besser" oder Pragmatismus?
SAP hostet seine neue Online-ERP-Lösung "Business byDesign" selbst und hat dafür ein für eine "Software-als-Service"-Lösung doch eher ungewöhnliches Hosting-Konzept gewählt: Die Applikation wird für jeden einzelnen Kunden auf einem eigenen, für diesen Kunden reservierten (Blade-)Server neu aufgesetzt und gesondert betrieben.
Während dieses Konzept für klassische gehostete Lösungen der Normalfall ist, wird es von Konkurrenten im modernen "SaaS"-Geschäft, wie dem Vorreiter Salesforce.com, eher als etwas altertümlich belächelt. Diese schwören, aus Gründen der Skalierbarkeit und einfacheren Versionsverwaltung, auf die "Multitenancy"-Architektur, bei der Kunden nicht nur die Hardware sondern auch die gleiche Software-Applikation gemeinsam nutzen. (Ein Zwischending wäre ein Konzept, bei der über Servervirtualisierung zumindest die Servehardware geteilt wird.)
Aber vielleicht ist das Hosting-Konzept von SAP ja auch ein pragmatischer Ansatz, um einige Probleme zu umgehen und Sicherheits- und Performancebedenken von Kunden zu zerstreuen? Andreas Zilch, Lead Advisor des Marktforschungs- und Beratungsinstituts Experton Group hat dazu eine Kurzanalyse verfasst, die wir Ihnen hier präsentieren wollen:
~~SAP Business ByDesign Hosting
Das neue Mittelstandsprodukt SAP "Business ByDesign" wird aktuell exklusiv von SAP gehosted. Dies betrifft die schon bestehenden (Pilot-)Kunden, sowie insbesondere die so genannten "Trials". Hierbei können Interessenten die volle Funktionalität von SAP Business ByDesign, angepasst für das eigene Unternehmen, „live“ testen. Diese Möglichkeit wird von der Experton Group als eines der herausragenden Merkmale eingeschätzt.
SAP hat für Business ByDesign ein dediziertes neues Rechenzentrum in St. Leon-Rot gebaut und mit Server, Storage und Netzwerk Komponenten ausgestattet. Hierbei waren insbesondere automatisierte Abläufe ein primäres Design-Anliegen.
Die Server sind dedizierte Blades in Racks der Anbieter HP, IBM und FSC. Auf diesen Blades sind Linux und SAP MaxDB installiert. Grundsätzlich sind auch andere Betriebssystem/Datenbank-Kombinationen möglich, SAP hat für den Start aber den nahe liegendsten Weg gewählt.
Für jeden Kunden wird also ein Blade (mit einer oder mehreren CPUs), Hauptspeicher, das Linux Betriebssystem, sowie der MaxDB exklusiv zur Verfügung gestellt. Storage Ressourcen dahinter sind geshared. Damit haben die Anwender quasi "ihren eigenen Server", was den eventuellen Bedenken bezüglich Sicherheit der Daten und Skalierbarkeit entgegentritt. SAP hat sich zu diesem Vorgehen entschieden, da SAP Business ByDesign Kunden so genannte "mission critical" Prozesse betreiben und ein erhöhtes Mass an Ausfallsicherheit benötigen.
Die gleiche Architektur wird auch für Trials angewandt, auch hier hat also auch jeder Testkunde seine abgeschlossene Umgebung. Falls dieser sich für den Kauf von Business By Design entscheidet, wird die Umgebung in den Live-Betrieb überführt, falls nicht, wird der Server automatisch neu aufgesetzt und alle bestehenden Daten gelöscht.
Fazit: Die von SAP gewählte Hosting-Architektur ist eher ungewöhnlich, für bestehende Kunden aber durchaus ein positives Merkmal in Richtung Sicherheit, Hochverfügbarkeit und Performance, was insbesondere in der Zielgruppe Mittelstand ein Entscheidungskriterium sein kann. Das diese Architektur aber auch bei den Trials verwendet wird, schränkt die Anzahl der möglichen Trials und damit auch die mögliche Geschäftsentwicklung deutlich ein. Hier glauben wir von Seiten der Experton Group, dass SAP die Möglichkeiten einer Virtualisierung noch einmal prüfen sollte.~~ (Autor: Andreas Zilch, Lead Advisor der Experton Group)

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