SAP: Empfindliche Niederlage im Kampf gegen Oracle

20. November 2007, 10:28
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Bei der SAP-Tochter TomorrowNow hat ein grosser Teil der Manager das Handtuch geworfen. SAP überlegt sich Verkauf.

Bei der SAP-Tochter TomorrowNow hat ein grosser Teil der Manager das Handtuch geworfen. SAP überlegt sich Verkauf.
SAP scheint den Plan, Anwendern von J.D. Edwards, Siebel und PeopleSoft über die Tochterfirma TomorrowNow eigenen Support anzubieten, aufgeben zu müssen. SAP wollte die Kunden dieser von Oracle übernommenen Softwarehersteller so sanft vom Oracle-Support abnabeln und sie so für einen möglichen späteren Wechsel auf eine SAP-Lösung vorbereiten.
Wie SAP heute mitteilte, werden nun nicht nur der bisherige CEO Andrew Nelson sondern mit ihm zusammen auch gleich mehrere Mitglieder seines Führungsstabes das Unternehmen verlassen. Eine Zukunft von TomorrowNow als SAP-Tochter scheint zumindest stark in Frage gestellt: Man überlege sich "verschiedene Zukunftsszenarien für das TomorrowNow-Geschäft", so SAP, darunter auch den Verkauf.
Vor allem das Prestige von SAP in den USA dürfte durch diesen Flop einige Kratzer erhalten.
SAP hatte TomorroNow Anfang 2005 übernommen, um von einer möglichen Verunsicherung von PeopleSoft und J.D.Edwards-Kunden zu profitieren. TomorrowNow bietet Anwendern dieser ERP-Lösungen günstigeren Support an, als Oracle selbst. Oracle hatte aber im März dieses Jahres in einer Klage gegen SAP schweres Geschütz aufgefahren. TomorrowNow habe, so Oracle, Login-Daten von bisherigen Oracle-Kunden benutzt, um massenhaft Support-Dokumente und -Files aus dem Oracle-eigenen Servicebereich im Internet herunterzuladen, und damit "Diebstahl im grossen Masstab" begangen.
SAP und TomorrowNow reagierten zuerst kämpferisch, dass bei TomorrowNow Fehler geschehen seien, und setzte der TomorrowNow-Führung den eigenen COO Marc White als "Executive Chairman"" vor die Nase.
Bei TomorroNow ist nun Krisenbetrieb angesagt und Marc White muss ein rückzugsgefecht führen. Nicht nur die bisherige Führungsspitze, sondern auch ein Teil der Belegschaft scheint Abwanderungsgelüste zu hegen. Zumindest lässt sich dies aus Marc Whites Ankündigung von Massnahmen schliessen, die "sowohl den kontinuierlichen Support als auch den Verbleib wichtiger Führungskräfte und Support-Mitarbeiter im Unternehmen sicherstellen werden." Den Kunden verspricht er, dass SAP in dieser "Umstellungsphase" dafür sorgen werde, dass "die Verpflichtungen von TomorrowNow gegenüber bestehenden Kunden eingehalten werden." Diese sollen in einigen Tagen darüber informiert werden, "wie wir sie in Zukunft unterstützen werden”, so White. (Hans Jörg Maron)

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