SAP geht (kleinen) Schritt auf Kunden zu

29. April 2009, 15:41
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Wartungsgebühren werden schrittweise bis 2015 – statt bis 2012 – erhöht. Doch der Standard-Support kommt in der Schweiz definitiv nicht zurück. Die Schweizer Interessengemeinschaft hält an ihren Forderungen fest.

Wartungsgebühren werden schrittweise bis 2015 – statt bis 2012 – erhöht. Doch der Standard-Support kommt in der Schweiz definitiv nicht zurück. Die Schweizer Interessen-gemeinschaft hält an ihren Forderungen fest.
SAP hat heute den erwarteten.
Support-Preise steigen weniger schnell
SAP hat sich nun mit dem "SAP User Group Executive Network" (SUGEN) darauf geeinigt, die bisher geplante schrittweise Anhebung der Wartungspreise um drei weitere Jahre zu verlängern. SUGEN ist ein Zusammenschluss von zwölf SAP-Anwendervereinigungen (darunter befindet sich auch die DSAG für die deutschsprachigen Länder). In den Verhandlungen mit SAP hat SUGEN nun erreicht, dass die Obergrenze von 22 Prozent Wartungskosten erst 2015 und nicht schon 2012 erreicht wird. Für bestehende SAP-Kunden gelten also folgende Preise für den Support:
2009: 18,19% (der Lizenzkosten)
2010: 18,93%
2011: 19,52%
2012: 20,12%
2013: 20,74%
2014: 21,39%
2015: 22%
Wichtig dabei: Die vertraglichen Vereinbarungen mit den einzelnen Kunden gelten zuerst. Grosskunden haben in der Regel tiefere Supportpreise mit SAP vereinbart. Die obigen Prozentzahlen sind also Maximalwerte. Neukunden bezahlen von Anfang an 22 Prozent. Für bestehende Kunden galten bisher folgende Enterprise-Support-Prozentzahlen:
2009: 18,3%
2010: 19,58%
2011: 20,95%
2012: 22%
Dabei ist anzumerken, dass die Wartungsgebühren für Schweizer Kunden immer ein bisschen tiefer waren (dieses Jahr beispielsweise maximal 18,19%). Die meisten Mitglieder der "IG SAP Wartung CH" bezahlen zudem aus Protest seit Anfang Jahr nur 17 Prozent, wird es in der Schweiz nicht mehr geben. Dies macht der Chef von SAP Schweiz, Hakan Yüksel (Foto), gegenüber inside-it.ch klar. In Deutschland und Österreich scheint die Wiedereinführung des Standard-Supports ohnehin nicht viel gebracht zu haben, denn spätestens nächstes Jahr lohnt es sich für deutsche und österreichische Kunden nicht mehr, Standard-Support zu beziehen.
Yüksel zeigt Verständnis für die Anliegen der Schweizer IG, mit der man im Übrigen "eine sehr faire und professionelle Beziehung" pflege. Als Hersteller von Standard-Software müsse SAP aber auch bei der Wartung gewisse Standards einhalten. Deshalb könne man nicht für einzelne Länder spezielle Wartungsmodelle erarbeiten. Er weist zudem darauf hin, dass die Support-Gebühren von SAP in den letzten Jahren konstant bei 17 Prozent geblieben seien, während die Leistung stetig erweitert worden sei.
Key Performance Index bewertet Support-Leistung
Die tatsächliche Leistung des SAP-Supports soll nun künftig regelmässig unter die Lupe genommen werden. Ein zentraler Punkt der Einigung zwischen SUGEN und SAP ist nämlich der zu erstellende "SUGEN Value Key Performance Index" (KPI Index). Eine Gruppe von rund 100 SAP-Kunden weltweit wird im Rahmen eines Benchmarking-Programms prüfen, ob sich ein Mehrwert durch Enterprise-Support einstellt und ob dieser über die Zeit konsistent bleibt. Eine dritte unabhängige Organisation (die noch nicht bestimmt ist) soll Qualitätskontrollen durchführen und die Ergebnisse auswerten. Im Klartext: SAP wird die geplanten Preisanhebungen von konkreten Verbesserungen abhängig machen, die im SUGEN KPI Index abgebildet werden.
Die Kennzahlen des Indexes gliedern sich in vier Oberkategorien: Kontinuität im Geschäftsalltag (Business Continuity), verbesserte Geschäftsprozesse (Business Process Improvement), Investitionsschutz (Protection of Investment) sowie Gesamtkosten der betrieblichen Abläufe (Total Cost of Operations). Yüksel konnte nicht sagen, ab wann die ersten Ergebnisse vorliegen werden. Er geht davon aus, dass diese zukünftig quartalsweise veröffentlicht werden.
Weitere Gespräche
Die DSAG (Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe) kommentiert die Einigung zwischen SUGEN und SAP in einer separaten Mitteilung ziemlich kritisch. Es wird weiterhin ein optionales Support-Modell für Schweizer Kunden verlangt. Immerhin anerkennt man, dass die tieferen Maximal-Gebühren eine "leichte Verbesserung im Vergleich zur ursprünglichen Situation" bedeuten. Bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage bedeute das "zumindest eine marginale finanzielle Entlastung für Unternehmen in der Schweiz und im Rest der Welt." Die DSAG werde sich innerhalb von SUGEN weiterhin "speziell für die Belange ihrer Schweizer Mitglieder" einsetzen, heisst es in der Mitteilung. Man unterstütze weiterhin die Forderungen der Schweizer Kunden.
Die "IG SAP Wartung CH" wird sich in den nächsten Tagen wieder mit Vertretern von SAP treffen. Dabei werde man die ganze Situation noch einmal genau anschauen, sagt Yüksel. Hartmann von der IG betont, dass man die Einzelheiten genau studieren werde, bevor man detailliert Stellung dazu nehmen könne. (Maurizio Minetti)

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