SAP goes mobile – die On-Demand-Zukunft für Business-Software

8. September 2010, 10:11
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Zwei Tage lang hat SAP die Pforten geöffnet, um die Business- und Technik-Spezialisten ihrer Kunden die Zukunft von Geschäfts-Software zu erklären.

Zwei Tage lang hat SAP die Pforten geöffnet, um den Business- und Technik-Spezialisten seiner Kunden die Zukunft von Geschäfts-Software zu erklären.
In einer zweitägigen Infoveranstaltung von SAP, dem gestrigen "Business Suite Info Day" und dem heutigen "Technology InfoDay", standen am Regensdorfer Sitz von SAP Schweiz Erklärungen zur strategischen Ausrichtung und kommenden Novitäten auf dem Programm. Insgesamt rund 300 Business-Spezialisten und noch einmal gut 300 Techniker sind der Einladung gefolgt.
Im Geschäftsumfeld werde die Produktstrategie von SAP künftig drei Bereiche unterscheiden, "on premise", "on demand" und "on device", erklärte an der Veranstaltung Hanspeter Groth, Director Business Development bei SAP Schweiz, gegenüber inside-it.ch. Auf dieser Basis werde SAP die Innovationszyklen insbesondere bei den Endgeräten wie auch bei den Applikationen deutlich beschleunigen können.
Langfristige Ablösungs- oder Upgrade-Projekte, etwa im ERP-Bereich, sollen der Vergangenheit angehören, ohne die jüngsten technischen Entwicklungen vernachlässigen zu müssen. Und speziell im Banking, so Christian Knechtle, bei SAP verantwortlich für die Sparte Financial Services, gegenüber inside-it.ch, werde man künftig stärker als bisher das noch weitgehend unbeackerte Feld der Sales-Prozesse adressieren und mit neuen Lösungen im BI-Umfeld (Business Intelligence) die vorausschauende Analyse ermöglichen. Doch der Reihe nach.
Abschied vom aufwendigen Release-Wechsel
Es wird auch in Zukunft eine ganze Reihe von Systemen und Prozessen geben, die jahrelang Bestand haben und lange unangetastet im Betrieb sein werden, sagt Groth. Sie werden im ersten, "on premise" genannten Bereich adressiert und sind in erster Linie bei grösseren Unternehmen zu finden. Zwar heisse das nicht, dass diese oft sechs und mehr Jahre bestehenden Anwendungen mit ihren langen Innovationszyklen auf Anpassungen verzichten könnten. Doch würden sie künftig nicht mehr von aufwendigen und teuren Projekten für den Release-Wechsel unterbrochen.
Konkret bedeute das zum Beispiel, dass nach SAP ERP-6.0 (beziehungsweise "Business Suite 7.0") kein weiteres klassisches, "grosses" Update mehr zur Verfügung gestellt wird. Vielmehr erfolgen Upgrades über Erweiterungspakete in der Art eines Baukastensystems. Mit dieser Novitäten, SAP spricht von "Enhancement Package" (EhP), werden die jeweiligen Systeme nur noch "per Switch", wie Groth formuliert, auf den neusten Stand gebracht.
Das Stichwort, mit dem Groth hier argumentiert, heisst: Effizienz. Mit den EhPs sollen Unternehmen auf diesem Layer auf der Kostenseite entlastet werden, ohne dass sie die kommenden technischen Entwicklungen verpassen. Das erste EhP für für Business Suite 7.0 wird im Dezember dieses Jahres zur Verfügung stehen. Es verspricht diverse Neuerungen unter anderem in den Bereichen Sales, Produktionsplanung, Shared Services, Enterprise Asset Management und Qualitätsmanagement. Derzeit sind, so Groth, rund 130 Enterprise-Service-Bundles mit über 2800 Services verfügbar. Die sollen ab Ende Jahr mit acht neuen und 28 verbesserten Paketen um mehr als 500 Services erweitert werden.
SaaS-Angebote für die Kleinen
Im zweiten Bereich "on demand" werden Innovationszyklen adressiert, die unter einem Jahr liegen. Gedacht ist laut Groth an Unternehmen, die jetzt mit SAP-Lösungen standortgebunden und zusätzlich künftig auch via Internet ohne eigene Software-Installation und IT-Administration arbeiten können sollen. Konkret wedre es hier für Firmen ausgebaute SaaS-Angebote geben, die voll in die bestehende IT-Landschaft integrierbar sind. Laut Groth geht es darum, neue Lösungen einfach aufzugleisen, neue Applikation schnell für neue User zu erschliessen und trotzdem weiterhin alle Prozesse im Griff zu haben. Ausserdem bietet SAP mit SAP Business ByDesign eine SaaS-Lösung für KMU an. Eine neue Version von "Business ByDesign" werde im ersten Quartal 2011 lanciert und wachsenden Ansprüche der Unternehmen im SaaS-Umfeld bedienen. (Business ByDesign ist allerdings in der Schweiz bisher noch nicht erhältlich. Laut den aktuellen SAP-Plänen soll es ab Januar 2011 so weit sein.)
Betroffen sind also nicht nur die Kernprozesse. Vielmehr sollen On-Demand-Angebote insbesondere auch Sourcing-Lösungen, CRM, Datenanalyse oder Social-Media reibungslos integriert werden können. Mit Business Objects on Demand und dem Zukauf von Carbon Impact stünden hier bereits Management- und Auswertungs-Tools übers Internet zur Verfügung, aber auch SaaS fürs Contract-Lifecycle-Management, Supplier-Management und beispielsweise auch Sales sind schon verfügbar.
SAP goes mobile
Den dritten Bereich "on device" erklärt Groth als den Ort, über den SAP künftig alle Arten von Endgeräten oder Devices adressieren werde. Es gehe hier also um sehr kurze Innovationszyklen von wenigen Wochen und Monaten, auf die sehr schnell zu reagieren sei, wie Groth ausführt. Dazu habe man mit Sybase ein Unternehmen zugekauft, das die mit der Nutzung der mobilen Geräte einhergehende Komplexität managen könne. In Zukunft soll es auch für SAP-User einerlei sein, von welchem Client aus sie welche Daten beziehen.
Die Basis liefert die Sybase Unwired Platform Architecture (SUP), womit nun die nahtlose und unkomplizierte mobile Nutzung aller möglichen Daten aus Datenbanken, Unternehmensprozessen, Webservices und Applikationen möglich werden soll. Die zwei ersten Angebote dafür liegen im Bereich Sales (CRM) und für den Workflow (unter anderem ERP) vor. Weitere Anwendungsbereiche wolle man nun erschliessen, sagte Groth und schob auch gleich diverse Ideen dazu nach (Reiseprozesse, Zeitrückmeldung, Reports, Alerts). Doch konkrete Termine zur Verfügbarkeit wollte er sich nicht entlocken lassen.
In der Finanzindustrie rollt im Sales eine Welle der Erneuerung an
Für Christian Knechtle ist vollkommen klar, dass die Banken nach der Erneuerung der Kernprozesse nun den Bereich Sales adressieren werden: "Hier liegt das grösste Differenzierungspotential der Banken". SAP ist zwar mit seiner Swiss Banking Plattform gescheitert, gehört allerdings nach wie vor zu den grossen Playern im Schweizer Markt. SAP-Software steht beispielsweise bei der UBS, der ZKB und als Gesamtlösung bei der Zuger Kantonalbank im Einsatz.
Nachdem die meisten Schweizer Banken inzwischen ihre Kernprozesse - Knechtle spricht lieber vom Bereich "Produktion" - meist mit Avaloq und Finnova auf den neusten Stand gebracht hätten, rolle nun erst eine regelrechte "Welle der Erneuerung" bei den Sales-Prozessen an, sagt er. Hier seien die Marktverhältnisse noch sehr offen. Angesichts der standardisierten Produktion fokussierten die Banken nun aber stark auf Transparenz im Verkauf, als die wesentliche Möglichkeit sich von anderen Banken zu differenzieren. SAP hat dazu bereits im Juni ein "Swiss Banker’s Advisory and Reporting" genanntes Bundle vorgelegt, das Software-Tools, Business Content, Beratung und Schulung genau in diesem Bereich kombiniert. Eine Retailbank und zwei Vermögensverwalter seien schon "sehr konkret" an dem Angebot interessiert, sagte der SAP-Mann, ohne allerdings Namen zu nennen.
Zudem sei SAP auch deshalb beim Banking in der Schweiz gut aufgestellt, weil man inzwischen 16 Tools für Business Intelligence (BI) zur Verfügung stellen könne, die alle Banksparten vom Verkauf am Schalter über die Produktion bis hin zum Business Prozess Management (BPO) abdecken. Insbesondere bei der Konvergenz von BPO und BI sei man der Konkurrenz weit voraus. Gefragt seien die Analyse-Werkzeuge, weil die Banken bisher kaum in der Lage waren, ihre Datenbestände zur vorausschauenden Planung zu nutzen. Hier habe sich die Situation inzwischen komplett geändert und die Ansprüche seien hoch. Und dahinter stehe, laut Knechtle, mehr als ein blosser Trend. (Volker Richert)

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