SAP lanciert lang erwartetes "Hybrid"-CRM

3. Februar 2006, 10:44
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"Best of both Worlds" oder zwischen Stuhl und Bank?

"Best of both Worlds" oder zwischen Stuhl und Bank?
Gestern Nacht hat SAP den Startschuss für seine neue "CRM On-Demand"-Lösung gegeben. Zielkundschaft sind grosse und mittelgrosse Unternehmen. Der Einstiegspreis beträgt 75 Dollar pro User und Monat. Betrieben wird die Lösung von IBM. Wie SAP-CEO Henning Kagermann in einem Interview mit der 'Financial Times Deutschland' erklärte, könnten später auch weitere Partner hinzukommen.
SAP scheint sich ziemlich beeilt zu haben, sein gehostetes CRM endlich auf den Markt zu bringen. Das Produkt beschränkt sich momentan noch auf die grundlegendsten Features und wird erst im Laufe der nächsten Monate wachsen. Ab sofort erhältlich ist ein Sales-Modul in Englisch oder Deutsch. Weitere Module sollen in einem Dreimonatsrhythmus lanciert werden. Als nächstes folgen ein Marketing-Modul und danach ein Service-Modul. Weitere Sprachversionen wie Französisch, Japanisch, Portugiesisch, Spanisch und Chinesisch sollen ab dem zweiten Quartal erhältlich werden.
Das Hybrid-Konzept
SAP betont als Argumente für sein CRM On-Demand vor allem zwei Dinge: Die Nähe zum traditionellen "mySAP CRM" und das sogenannte "Isolated Tenancy"-Konzept. Die Nähe zu mySAP CRM dürfte vor allem ein wichtiger Punkt sein, um bestehende Kunden zu halten – auch SAP hat einige Kunden an Online-CRM-Konkurrenten wie Salesforce.com verloren. SAPs CRM On-Demand und mySAP CRM basieren auf einer gemeinsamen Architektur, dem gleichen Datenmodell und bieten eine einheitliche Benutzeroberfläche. Damit soll die Migration zwischen mySAP CRM und CRM On-Demand problemlos in beide Richtungen ermöglicht werden.
Einsame Mieter
Das "Isolated Tenancy"-Konzept wiederum soll die wichtigsten Vorteile von dedizierten gehosteten Lösungen – wo die Software jedes Kunden auf eigener Hardware läuft – mit denen einer einer Mehrmandantenarchitektur – wo im Prinzip alle Kunden die gleiche Soft- und Hardware benutzen – verbinden. Vorteile von dediziertem Hosting sind zum Beispiel die theoretisch höhere Verfügbarkeit und Sicherheit sowie das geringere Risiko, dass die Daten in falsche Hände gelangen könnten. Eine Mehrmandantenlösung wie Salesforce.com bietet dafür schnelle Inbetriebnahme, automatische Software-Updates und Fehlerbehebung sowie zentrales Management. Da der Anbieter ausserdem seine eigenen Ressourcen besser ausnützen kann, sind solche Lösungen typischerweise auch billiger.
SAPs "Isolated Tenancy" ist ein Zwischending. die Software jedes Kunden läuft als eigene Instanz. Insbesondere wird dabei die Datenbank von nicht geteilt, jeder Kunde hat seine Daten in einer eigenen Kopie der Datenbank, die wiederum auch auf eigener Storage-Hardware läuft. Damit sollte sich, neben der erhöhten Sicherheit, die gegenseitige Beeinflussung der User bei gleichzeitigen Datenbankzugriffen, einem wichtigen Performance-Faktor, stark reduzieren. Ellen Minter, eine Senior Vice Präsidentin für Lösungen bei SAP ging im gespräch mit 'CRM Buyer' sogar noch weiter: "Bei 'Isolated Tenancy' gibt es keine Chance, dass das, was ein Kunde tut, einen anderen Kunden beeinflussen könnte."
Konkurrenz zeigt sich gelassen
Der Tenor der Kommentare der Konkurrenten allerdings ist, dass SAPs CRM On-Demand weder Fisch noch Vogel sei. Einige meinten zum Beispiel, das "Isolated Tenancy"-Modell sei weit weniger effizient in der Ressourcenausnützung, als eine Multimandantenlösung. So lange SAP und seine Partner diesen Nachteil nicht an die Kunden weitergeben und beim Preis konkurrenzfähig bleiben, dürfte dies den Kunden allerdings ziemlich egal sein.
Ein Problem wäre wohl eher die von Konkurrenten behauptete für ein On demand-CRM ungeeignete Komplexität der Software – die wir nicht beurteilen können – und der noch mangelnde Funktionsumfang. Wie es in einigen Monaten, wenn die Zusatzmodule erschienen sind, aussehen wird, kann man jetzt noch nicht abschätzen. Momentan aber, so meinten auch neutrale Experten, sei der Funktionsumfang vor allem für grössere Unternehmen noch schlicht und einfach zu gering. (Hans Jörg Maron)

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