SAP muss 1,3 Milliarden Dollar Strafe zahlen

24. November 2010 um 10:47
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Die Höhe der gestern verhängten Busse hat die Walldorfer überrascht. Nun werde man Rechtsmittel prüfen.

Die Höhe der gestern verhängten Busse hat die Walldorfer überrascht. Nun werde man Rechtsmittel prüfen.
Die gestern in den USA verhängte Strafzahlung in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar ist bei SAP mit grosser Enttäuschung zur Kenntnis genommen worden. Zwar wolle man sich jetzt endlich wieder auf das operative Geschäft konzentrieren, werde jedoch prüfen, welche Rechtsmittel gegen das Urteil möglich sind, hiess es gestern Nacht bei SAP. Das könne durchaus noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber man sei daran interessiert, die Angelegenheit rasch – also ohne erneute langwierige Prozesse – abzuschliessen.
Europas grösster Softwarekonzern stand wegen Industriespionage beim Erzrivalen Oracle vor Gericht in Oakland. Die Sache selbst war von SAP eingestanden worden. Mitarbeiter der einstigen SAP-Tochter TomorrowNow haben mehrfach unrechtmässig Daten von der Website des Rivalen heruntergeladen, um Oracle-Software im Auftrag von Firmenkunden zu warten. Auf diese Weise versuchte SAP mit Preisdumping beim Support Oracle-Kunden für die eigene Software zu gewinnen. SAP hatte das US-Unternehmen TomorrowNow, das sich auf Software-Wartung für Oracle-Produkte spezialisiert hatte, Anfang 2005 für 10 Millionen Dollar gekauft. Erklärtes Ziel war es, dem Rivalen Oracle PeopleSoft-Kunden abzujagen. Die Sache ging daneben und TomorrowNow wurde drei Jahre später im Zuge des Rechtsstreits mit Oracle liquidiert. Das Gericht hatte in dem nun beendeten Prozess den entstandenen Schaden zu beziffern.
Nachdem die aussergerichtliche Einigung gescheitert war, hatte Oracle den Schaden auf zuletzt 1,7 Milliarden Dollar geschätzt. SAP wollte lediglich ungefähr 40 Millionen Dollar bezahlen, hatte aber Rückstellungen in Höhe von 160 Millionen Dollar vorgenommen. Laut der Agentur 'Bloomberg' ist die jetzt verhängte Strafe von 1,3 Milliarden Dollar die höchste, die je für eine Urheberrechtsverletzung ausgesprochen wurde. Die Strafzahlung ist etwa doppelt so hoch wie der SAP-Gewinn im letzten Quartal. (vri)

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