SAP und Migros lancieren RFID-Diskussion in der Schweiz

25. Mai 2005, 10:25
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SAP-Marketeer Kuster verlangt "gesellschaftspolitische Diskussion auf vernünftiger Ebene"

SAP-Marketeer Kuster verlangt "gesellschaftspolitische Diskussion auf vernünftiger Ebene"
SAP ist ein Coup gelungen. Zusammen mit Migros zeigt der deutsche ERP-Riese auf der IT-Messe Orbit-iEX diese Woche den Einkaufsladen der Zukunft (Foto) und schaffte es damit am Montag gar in die Nachrichtensendung "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens.
Die Waren in diesem so genannten "Smartstore" sind mit Funketiketten (RFID - Radio Frequency IDentity Tags) ausgerüstet. Informationen über diese Waren (Preise, Verfalldaten etc.) können von automatischen Kassen und auch vom "intelligenten Einkaufswägeli" ausgelesen werden - Kassiererinnen entfallen.
Mit dem "Smartstore" an der Orbit-iEX lancieren Migros und SAP die RFID-Debatte auch in der Schweiz. Der Einsatz der Funketiketten, der auch in Deutschland und den USA breitflächig getestet wird, ist nämlich umstritten. Denn in der Kombination mit bargeldlosen Zahlungsmitteln wie Kunden- und Kreditkarten entstehen theoretisch beim Retailer lückenlose Kundenprofile.
Am Vor-Orbit-Presseanlass forderte denn auch SAP-Mann Hansruedi Kuster die Medienleute auf, eine gesellschaftspolitische Diskussion "auf vernünftiger Ebene" zu lancieren. SAP ist dies bereits gelungen: Sowohl der 'Blick' ("15'000 Kassierinnen bald überflüssig!") wie auch der 'Tages-Anzeiger' greifen heute das Thema RFID auf. Und in der Nachrichtensendung "10 vor 10" postulierte beispielsweise SAP- und Retail-Spezialist Hubert Oesterle von der St. Galler HSG, dass der Dateninhalt von RFID-Etiketten auf den Produkten am Ladenausgang automatisch gelöscht werden sollte.
Der Vorschlag Oesterles macht Sinn, doch dürfte das berechtigte Misstrauen von KonsumentInnen und Datenschützern damit noch lange nicht beseitigt sein. Denn die Tatsache, dass die Migros beim Einsatz von RFID-Technologie "wissen" wird, wer wann was eingekauft hat, wird bleiben.
"Flächendeckender Einsatz in 10 Jahren"
Migros CIO Rudolf Schwarz glaubt, dass der grösste Schweizer Einzelhändler RFID-Funketiketten erst "in 10 oder mehr Jahren" flächendeckend einsetzen werde. Doch, so sagte er gegenüber dem Schweizer Fernsehen, könnte man RFID bei teureren Waren (Kleider, Unterhaltungselektronik) schon in drei Jahren einsetzen.
SAP ist übrigens nicht der einzige Software-Hersteller, der an der Orbit den Einsatz von RFID-Etiketten in der Praxis zeigt. Am Stand des Schweizer Software-Herstellers Polynorm gibt es eine Live-Demonstration des Einsatzes von RFID in der Logistik. Man kann einen Modell-Lastwagen mit Trisa-Zahnbürsten beladen und diesen an RFID-Lesegeräten vorbei fahren lassen. Das System von Polynorm verbucht dann automatisch die Veränderungen des Warenbestands. (Christoph Hugenschmidt)

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