SAP-User sagen: "SaaS ja, ERP in der Cloud nein"

14. Oktober 2014, 08:00
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Nur eine kleine Minderheit der SAP-Anwender kann sich vorstellen, ein komplettes ERP-System in eine Cloud zu verlagern. Kunden an SAP: "Gebt uns Business Cases".

Nur eine kleine Minderheit der SAP-Anwender kann sich vorstellen, ein komplettes ERP-System in eine Cloud zu verlagern. Kunden an SAP: "Gebt uns Business Cases".
SAP-Anwender sind freundliche Leute: So wurde SAP-Topmanager Bernd Leukert heute an der Jahrestagung der DSAG mit freundlichem Applaus begrüsst. Noch mehr Applaus gab es aber für Andreas Oczko, der im Vorstand der deutschsprachigen SAP-Usergruppe für das Thema Lizenzen und Wartung verantwortlich ist. Oczko hat keine Angst, sich direkt zu äussern. Er kritisierte die neueste Version der SAP-Preisliste als "nicht praxistauglich". Immer mehr SAP-Anwender würden zudem den Wert der (teuren - die Red.) Wartungsverträge hinterfragen. Es gebe keinen Grund für SAP, die Preise für Standardwartung zu erhöhen. Oczko: "Wir lehnen Preiserhöhungen für Wartung einfach nur ab." Das Publikum - total nehmen gegen 4000 Menschen am DSAG-Jahreskongress 2014 diese Woche in Leipzig teil - reagierte mit Applaus.
ERP in der Cloud kein Thema
Der Kongress der weltweit wichtigsten SAP-Usergruppe steht dieses Jahr unter dem Motto "Customer first". Es gehe für SAP-Anwender eben nicht um "Cloud First" und "Mobile First" (beides Slogans des Herstellers), sondern um Customer First", so der DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck in seiner Eröffnungsrede. Der Hersteller solle sich wieder vermehrt auf die Bedürfnisse seiner Kunden konzentrieren.
Wie eine aktuelle Umfrage der DSAG zeigt, ist die komplette Verlagerung der ERP-Landschaften in Cloud-Strukturen praktisch kein Thema unter SAP-Anwendern. Nur fünf Prozent der immerhin 524 Teilnehmer halten die Verlagerung des ganzen ERPs in eine Cloud für realistisch. Allerdings erwägen doch 18 Prozent der Befragten, hybride Modelle einzusetzen.
Auch der HANA-Brei wird nicht so heiss gegessen
Auch SAPs (potentiell revolutionäre) In-Memory-Datenbank ist als transaktionale Datenbank für die Kern-ERP-Lösung praktisch kein Thema. Rund fünf Prozent der von DSAG befragten Anwender setzen HANA als Datenbank für die Business Suite ein oder befinden sich in der Migration. Und immerhin elf Prozent planen, HANA da und dort einzusetzen.
Warum wir HANA trotzdem und seit längerem interessant finden, zeigt ein Beispiel, das SAP-Topmanager Bernd Leukert heute in seiner Keynote erwähnte. Weil die In-Memory-Datenbank um viele Faktoren schneller liest und speichert, kann man die Zahl der Indizes und Aggregate in der Datenbank massiv reduziert. So konnte SAP eine Datenbank mit Finanzdaten von 7,1 auf 0,8 TB verkleinern. Eine HANA-Datenbank ist damit nicht nur kleiner, sondern enthält auch weniger Fehlerquellen, weil man die Struktur vereinfachen kann.
"Gebt uns Business Cases"
Für über 80 Prozent der SAP-Anwender ist es aber kein Thema, sich mit einem Datenbankprojekt zu beschäftigten, und beispielsweise zu versuchen, Oracle durch HANA zu ersetzen. Der wichtigste Grund dafür ist, dass die Kunden dafür keinen Business Case sehen. SAP müsse (allenfalls zusammen mit der DSAG) aufzeigen, welche Probleme mit HANA gelöst würden und welche Prozesse man neu entwickeln oder besser abbilden kann. Lenck: "SAP muss mehr dafür tun, um Business Cases zu zeigen."
Lenck betonte heute an einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SAP in Leipzig, die DSAG wolle gemeinsam mit SAP die Nutzungspotentiale von Innovationen des Herstellers aufzeigen. Das macht Sinn, denn in der Usergruppe organisieren sich vor allem IT-Abteilungen und CIOs von SAP-Anwender-Firmen. Sie sind naturgemäss daran interessiert, ihren "Kunden" innerhalb ihrer Firma den Nutzen von Investitionen in Kernsysteme aufzuzeigen. (Christoph Hugenschmidt, Leipzig)

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