SAP will wie Apple werden

15. Mai 2012 um 13:59
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Der deutsche Software-Riese lanciert eine Reihe isolierter, nur "lose gekoppelter" Applikationen. SuccessFactors-Gründer Lars Dalgaard: "Apple can't have all the fun."

Der deutsche Software-Riese lanciert eine Reihe isolierter, nur "lose gekoppelter" Applikationen. SuccessFactors-Gründer Lars Dalgaard: "Apple can't have all the fun."
Mangel an Selbstbewusstsein kann man Lars Dalgaard (Foto), Gründer von SuccessFactors und bei SAP nun für das ganze Geschäft mit Cloud-Computing verantwortlich, nicht vorwerfen. "Wir bauen eine komplett neue SAP", so Dalgaard heute Mittag in einer Videokonferenz zwischen Orlando und Walldorf.
Tatsächlich kündigte Dalgaard so etwas wie einen Paradigmenwechsel an. Statt wie bisher immer grössere, umfassendere Software-Pakete zu schnüren, wird SAP eine ganze Reihe von nur "lose gekoppelten" Cloud-Applikationen bringen. Die ersten vier kündet Dalgaard heute an der Kundenmesse Sapphire in Orlando an. Und zwar lanciert SAP eine Cloud-CRM-Applikation ("Sales on demand 360"), die von SuccessFactors bekannte HR-Plattform "Employee Central", eine Cloud-Buchhaltungslösung ("MyFinance") sowie eine Cloud-Beschaffungslösung ("MySupplies"). "MyFinance" wird zuerst für US-amerikanische und deutsche Verhältnisse lokalisiert sein.
Dalgaard sagte, die SaaS- oder Cloud-Lösungen seien untereinander, zu klassischen SAP-Systemen und zu Drittsystemen nur "locker gekoppelt". Die Apps sollen zwar "hervorragend integriert" sein, gleichzeitig aber auch Standalone funktionieren, sagte der Däne. Trotz Nachfragen seitens der Medien blieb die genaue Bedeutung von "locker gekoppelt" unklar.
Klar ist hingegen, dass die neuen Cloud-Lösungen nicht nur in SAP-Umgebungen benützt werden sollen. So arbeitet man an "pre-wired connections" zu Lösungen von IBM und anderen Firmen und an der Integration mit Microsoft SharePoint.
SAP-Software soll "schön" und "social" sein
Wann immer Dalgaard über Software sprach, sprach er davon, dass sie "schön" sein solle. Auf die etwas ungläubige Frage eines Kollegen, ob SAP-Software nun tatsächlich "schön" werde, erklärte er, was er unter "schöner" Software versteht. Die Interfaces sollen gut aussehen, intuitiv zu verstehen sein und ihre Bedienung soll Spass machen. Kunden, die SAP-Cloud-Apps sehen, sollen diese sofort wollen - also etwa die gleiche Wirkung erzielen wie Geräte von Apple. Dalgaard unbescheiden: "Apple can't have alle the fun."
Und Business ByDesign?
SAP werde nun in rascher Folge weitere Cloud-Applikationen bringen - respektive die Funktionalität von SAP-Komponenten in autonome Cloud-Einheiten überführen. Er habe SAPs Software durchgeschaut und dabei viele Diamanten ("einige davon waren etwas haarig", so Dalgaard blumig) gefunden.
Diese Bemerkungen führten natürlich zur Frage, ob Business ByDesign eingestellt würde. Dalgaard verneinte: SAP werde weiterhin sehr viel in die Online-ERP-Suite investieren. Er betonte aber auch, dass Business ByDesign umfangreich sei und deshalb nicht einfach einzuführen ist. In der Tat eignet sich das Cloud-Software-Paket nur in bestimmten Szenarien.
Dalgaard ist seit dem Verkauf seiner Firma SuccessFactors an SAP ein sehr reicher Mann und sicher nicht auf den Job angewiesen. Entsprechend selbstsicher und in seiner Botschaft ungewohnt tritt der Däne auf: "This is a Anti-Suite-Story", so Dalgaard. Wir erinnern uns: SAPs Kernprodukt heisst "SAP Business Suite." (Christoph Hugenschmidt)

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