Satelliten-Internet-Firma OneWeb ist insolvent

30. März 2020, 14:34
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Corona kann auch Satelliten lahmlegen: OneWeb sucht nun einen Käufer mit einem sehr tiefen Portemonnaie, der sein Satelliten-Netzwerk fertigstellen könnte.

Die Satelliten-Internet-Firma OneWeb, die für weltumspannende Internet-Versorgung aus dem All sorgen wollte, sucht in einem US-Insolvenzverfahren Schutz vor ihren Gläubigern gemäss den Bestimmungen von Chapter 11. Angestrebt werde ein Verkauf des Unternehmens, wie OneWeb am Samstag, 28. März 2020 mitteilte.
Im vergangenen Jahr konnte das 2012 gegründete britische Unternehmen 1,1 Milliarden Euro Risikokapital ergattern. Kein anderes europäisches Startup erhielt 2019 mehr Geld.  Aber dieses Geld wurde offensichtlich bereits wieder aufgebraucht. 
Unter den Gläubigern ist auch der europäische Trägerraketen-Anbieter Arianespace, dem OneWeb laut Insolvenzantrag gut 238 Millionen Dollar schuldet.
OneWeb brachte bisher 74 Satelliten ins All und stellte die Hälfte der benötigten 44 Bodenstationen für sein Netzwerk fertig. Für einen weltweiten Dienst müssten aber noch mehrere hundert Satelliten in die Umlaufbahn geschossen werden. Ein allfälliger Käufer müsste also dazu bereit sein, sehr viel weiteres Geld zu investieren. Ansonsten sind die bereits gestarteten Satelliten wohl nur noch Weltraumschrott.
OneWeb erklärte, man sei kurz davor gewesen, neue Finanzmittel zu bekommen, das Verfahren sei aber von der Coronavirus-Krise torpediert worden. Zentraler Anteilseigner von OneWeb ist der japanische Technologiekonzern Softbank, der aktuell selbst mit sinkenden Aktienkursen und Druck von Investoren zu kämpfen hat. Softbank hat erst vor wenigen Tagen angekündigt, Beteiligungen im Wert von 41 Milliarden Dollar abstossen zu wollen. Ein weiterer Investor war Airbus.
OneWeb tritt gegen viel Konkurrenz an. Auch der Tesla-Chef Elon Musk mit seiner Raumfahrtfirma SpaceX und der Amazon-Gründer Jeff Bezos wollen Satelliten-Netze zur globalen Internet-Versorgung aufbauen.

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