SBB-Computercrash geklärt

23. März 2005, 13:54
  • sbb
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Irrtümlich ausgewechselte Konverterbox produzierte Fehlermeldungsflut.

Irrtümlich ausgewechselte Konverterbox produzierte Fehlermeldungsflut.
In einem ausführlichen Communiqué informiert die SBB über den spektakulären Computercrash vom 7. Februar, der zum Ausfall von hunderten von Zügen im Raum Zürich führte. Die Sache ist einigermassen kompliziert und wie meist bei Ausfällen von so grossen Systemen auf die Verkettung von Zufällen und Fehlern zurückzuführen.
Am Anfang standen geplante Umschaltarbeiten im Stromverteiler der Güterverwaltung. Dazu trennten die SBB-Arbeiter das Kabel zwischen dem Stellwerk Zürich HB und dem Vorbahnhof. Die SBB-Techniker hatten es aber unterlassen, die redundante Ersatzverbindung einzuschalten, was zu Störungen bei den Arbeitsplätzen im Vorbahnhof führte. Die Leute im Vorbahnhof wussten nichts von den Arbeiten und holten den Pikettdienst. Dieser wechselte auf der Suche nach der Ursache der Störung eine Konverterbox aus, die allerdings anders konfiguriert war als die ursprüngliche.
Die neue Konverterbox scheint dann eine Flut von Fehlermeldungen ausgelöst zu haben, die wiederum die Server im Netzwerk des HBs abschossen. Das wieder legte nicht nur den HB Zürich sondern auch rund 40 ferngesteuerte Bahnhöfe im Raum Zürich lahm.
Komplexität reduzieren
Die SBB reagiert mit einem Bündel von Massnahmen. Kurzfristig baut man eine "provisorische Rückfallebene" für die ferngesteuerten Bahnhöfe. Mittel- und langfristig will die SBB die Leittechnik schweizweit standardisieren und die Fernsteuerbereiche in kleinere, technisch voneinander unabhängige Sektoren aufteilen.
Zudem verspricht die SBB die Kundeninformation bei Störungsfällen zu verbessern. So testet man den Einsatz von PDAs, auf denen die SBB-Mitarbeitenden aktuelle Zugsinformationen und Störungsmeldungen abrufen können. (Christoph Hugenschmidt)

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