SBB: Informatik-Vorzeigeprojekt gescheitert

2. Dezember 2009, 14:46
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Zu teuer und zu komplex: Grenzüberschreitendes Buchungssystem "Railteam-Broker" wird nicht realisiert. Die Software hätte unter der Projektleitung der SBB-Informatik entwickelt werden sollen.

Zu teuer und zu komplex: Grenzüberschreitendes Buchungssystem "Railteam-Broker" wird nicht realisiert. Die Software hätte unter der Projektleitung der SBB-Informatik entwickelt werden sollen.
Ende vergangener Woche hat die europäische Bahn-Allianz Railteam an einer Pressekonferenz in Brüssel bekannt gegeben, dass auf die Entwicklung eines gemeinsamen Buchungs- und Reservierungssystems ("Railteam-Broker") verzichtet werde. Anlässlich der Gründungs-veranstaltung von Railteam im Juli 2007 wurde diese Plattform noch als zentrales Element der Kooperation angekündigt. In das Projekt wollten die Bahn-Firmen bis 2009 rund 30 Millionen Euro investieren.
Ein Buchungssystem für alle Bahnen
Neben sechs anderen Unternehmen gehört auch die hiesige SBB zu Railteam. Den Auftrag zur Realisierung der Softwarelösung hatte Ende 2007 die SBB-Informatik erhalten. Der damalige SBB-Informatikchef Andreas Dietrich glaubte an die Realisierung des Systems in nur zwei Jahren.
Railteam träumte von einem integrierten System, das die Anzeige von Sitzplatzverfügbarkeiten, Preisübersichten und den Verkauf von Tickets aller Mitglieder ermöglichen würde. Ein gemeinsames Buchungssystem sollte die verschiedenen nationalen Buchungssysteme im grenzüberschreitenden Verkehr ersetzen. Beispielsweise hätte in Frankreich ein Billett zwischen Bümpliz Süd und einem vergleichbaren Bahnhof in Österreich ausgestellt werden können.
Hat SBB-IT Geld verloren?
Das ehrgeizige Vorhaben wurde nun aber aufgegeben, weil es zu teuer und zu komplex war – es hätte mehr als das Doppelte gekostet. Insbesondere die Deutsche Bahn und die französische SNCF könnten sich ein solches Projekt angesichts des Spardrucks infolge der Wirtschaftskrise wohl nicht leisten.
Die SBB-IT will in den vergangenen zwei Jahren aber kein Geld durch dieses Projekt verloren haben, heisst es auf Anfrage. "Die im Rahmen des Projektes entstandenen Spezifikationen wurden abgeschlossen und können auch in Zukunft genutzt werden", so SBB-Sprecher Reto Kormann zu inside-it.ch. Ziel sei es nun, anhand dieser vorhandenen Basis den internationalen Vertrieb für die SBB weiter zu entwickeln. (Maurizio Minetti)

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