Schlacht der Bagger um Zürich

22. Oktober 2008, 15:55
  • telco
  • swisscom
  • ewz
  • glasfaser
  • zürich
image

Swisscom und EWZ werden sich nicht grün.

Swisscom und EWZ werden sich nicht grün.
Wie die Nachrichtenagentur SDA gestern Abend berichtete, sind die Gespräche zwischen Swisscom und dem Stadtzürcher Elektrizitätswerk (EWZ) über den gemeinsamen Bau von Glasfaseranschlüssen (FTTH - Fibre-to-the-Home) offenbar ergebnislos geblieben. Dies sagte der EWZ-Telekomverantwortliche Peter Messmann der SDA am Rande der 7. Bieler Kommunikationstage. EWZ-Sprecher Harry Graf bestätigte, dass beide Parteien bei den Gesprächen "auf höchster Ebene" zwischen Swisscom und EWZ bei ihren Positionen geblieben seien.
Anders als Swisscom wollen die verschiedenen EWs, die in ihren Regionen Glasfasern bis in die Haushalte legen wollen, keine eigenen Dienste (Telefonie, Video-on-Demand, ...) anbieten, sondern als "neutrale" Carrier auftreten. So sagte Messmann, bisher böten Orange, GGA Maur, Init Seven, Translumina und Green Telekommunikation auf dem EWZ-Netz an. Ausserdem erhielt das Zürcher Elektrizitätswerk bei der Volksabstimmung im März 2007 den klaren Auftrag für den Bau eines Glasfasernetzes.
Swisscom seinerseits hat im August angekündigt, noch dieses Jahr mit der Verlegung von Glasfaserkabeln bis in die Haushalte in Basel, Genf und eben auch Zürich zu beginnen. Das EWZ wird bis Ende Jahr "mehr als 5000" Haushalte und Büros mit Glasfasern erreichen. Bis Ende 2009 sollen es dann über 15'000 sein.
Kampf um die Hausbesitzer
Der entscheidende Faktor im Kampf darum, wer die Kommunikationsnetze der Zukunft in den Städten beherrscht - Swisscom oder die lokalen EWs - sind die Hausbesitzer. Sie entscheiden nämlich, ob und welche Glasfaser-Anschlüsse in ihre Gebäude gelegt werden.
Weder Graf noch Swisscom-Sprecher Sepp Huber schliessen übrigens künftige, weitere Gespräche aus.
Wettlauf der Bagger
Da die Diskussionen zwischen Swisscom und dem finanziell gut gepolsterten EWZ ergebnislos blieben, sind beide Parteien offenbar entschlossen, den Kampf "mit dem Bagger" auszufechten. Da die Hausbesitzer kaum bereit sein werden, Glasfasern unterschiedlicher Anbieter in die Wohnungen zu legen, kommt es zu einem Wettlauf. Der erste Anbieter, dem es gelingt, möglichst schnell, möglichst viele Häuser zu "besetzen", wird gewinnen. Es sei denn, die Politik macht beiden einen Strich durch die Rechnung und verordnet die Aufteilung von Swisscom in eine neutrale "Netzgesellschaft" und einen Service-Anbieter. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Meinung: Big-Tech-Beteiligung an Netzausbaukosten ist absurd

Das wäre, wie wenn sich Mercedes und VW sich am Strassenausbau oder Samsung und Miele am Stromnetzunterhalt beteiligen würden, kommentiert Chefredaktor Reto Vogt.

publiziert am 27.9.2022 3
image

Swisscom und EU-Telcos fordern Big-Tech-Beteiligung an Netzkosten

16 CEOs von europäischen Telekomunternehmen wollen, dass sich Google, Meta, Netflix & Co. am Netzausbau beteiligen. Die Forderung ist nicht neu, doch der Ton gewinnt an Schärfe.

publiziert am 26.9.2022
image

268 Millionen IPv4-Adressen sind verschwunden

Ein Forscher bezichtigt Adobe, Amazon und Verizon der unrechtmässigen Verwendung von reservierten IPv4-Adressen. Dadurch werden diese praktisch unbrauchbar.

publiziert am 20.9.2022
image

Huawei Schweiz ehrt seine "Partner des Jahres 2022"

Der chinesische Technologiekonzern betont bei der Award-Vergabe 2022 "bedeutende Projekte" der öffentlichen Hand.

publiziert am 20.9.2022