"Schlammschlacht" um Swiss Outsourcing-Deal

7. Februar 2005, 15:08
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Harte Vorwürfe gegen "The Sourcing Group"

Harte Vorwürfe gegen "The Sourcing Group"
Der Outsourcing-Deal der Swiss, die ab März die Betreuung der PCs samt ca. 50 Mitarbeitenden an Swisscom IT Services (SCIS) auslagert, gibt zu reden. Das Geschäft war, wie alle Outsourcing-Deals in der letzten Zeit, hart umstritten. In der 'NZZ am Sonntag' von heute werden nun harte Vorwürfe gegen die Berater von "The Sourcing Group" (TSG) laut. Die TSG, respektive ihre damals personell verflochtene Schwesterfirma "The Sourcing Consulting" (TSC) erhielt gemäss NZZaS im November 2003 von der Swiss ein Beratungsmandat für die Evaluation des Outsourcing-Deals.
Bereits wenige Wochen vorher aber hatte die TSG bei mindestens einem potentiellen Anbieter, nämlich der EDS, vorgefühlt. In einem Schreiben, in das auch wir kurz Einblick hatten, verspricht TSG/TSC dem Anbieter gegen eine Kommission von einem Prozent des Auftragsvolumens den "beschleunigten Abschluss des Outsourcing-Vorhabens". Das Schreiben ist nur wenig verklausuliert und lief für uns auf einen sehr sehr problematischen Vorschlag hinaus: Wenn EDS die Berater von TSG/TSC am Umsatz des Deals beteilige, würde diese im Gegenzug dafür sorgen, dass der Auftrag "beschleunigt" bei der EDS landet.
Swiss wurde in dem Schreiben nicht als Kunde genannt, doch war allen Beteiligten klar, um welchen Outsourcing-Deal es sich handelt.
"Schlammschlacht"?
Gegenüber der NZZ am Sonntag verteidigt TSG-Chef Hellmuth Zimmermann sein Vorgehen und spricht von einer "Schlammschlacht von EDS, die den auf sicher geglaubten Vertrag mit der Swiss nicht erhielt." Demgegenüber steht allerdings eine Tatsache, die im NZZaS-Artikel nicht erwähnt wird: TSG, respektive TSC haben ein ähnliches Angebot gegenüber mindestens einem weiteren Anbieter gemacht, wie uns gut informierte Quellen bestätigten.
Problematisch an der ganzen Geschichte ist ein weiterer Umstand, den die NZZaS aufdeckt. Während die Swiss die Zusammenarbeit mit TSC 2004, lange vor Abschluss des Deals beendete, wurden die meisten Mitarbeitenden der Schwesterfirma TSG seit April 2004 von Swisscom IT Services "geleast" (was auch immer das heissen mag).
SCIS bleibt im Gerede
Mit der schier unglaublichen Geschichte um "The Sourcing Group AG", respektive der Schwesterfirma "The Sourcing Consulting AG" gerät aber auch SCIS einmal mehr ins Gerede. Zum von Konkurrenten immer wieder hinter vorgehaltener Hand geäusserten Vorwurf, SCIS "kaufe" sich Outsourcing-Deals über nicht kostendeckende Preise, kommt nun der Fakt, dass SCIS Berater einer Firma beschäftigt, die mindestens zeitweilig auch für die Kundenseite (Swiss) tätig war.
Hochpolitisch wird die Sache, wenn man folgendem Gerücht Glauben schenken will: Swisscom-Chef Jens Alder habe im Zusammenhang mit dem Outsourcing-Deal der Swiss das Gewicht von Swisscom als Grossaktionär der Swiss in die Waagschale geworfen. Dies allerdings ist wirklich nur ein Gerücht… (Christoph Hugenschmidt)

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