Schlangennest

29. August 2008, 16:24
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  • technologien
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.
Nein. Mit unserem Titel beziehen wir uns nicht auf den grossen Schurni- und PR-Botellòn, der gestern in Züri 4 zum Anlass der Gründung einer Schreibwerkstatt über die Bühne ging. Es waren sowieso - dies zumindest die Einschätzung der SonntagsZeitung - nur zwei Journalisten da, so dass sich die VertreterInnen der grossen Zunft der 'Spin Doctors' halt gegenseitig vom heilsbringenden und menschenbeglückenden Tun der von ihnen vertretenen Firmen überzeugen mussten. Der Rest ist geheim.
Für einmal wollen wir also nicht die VertreterInnen der meinungsbildenden Zunft verbellen. Nein: Das Internet ist das Schlangennest. Selbst der kleinste digitale Schritt vom sicher umzäunten PC ins Internet birgt etwa soviel Gefahren wie der Tritt in eine dicht von Giftschlangen bevölkerte Grube. Gefahren, die man weder erkennen noch abwehren kann. Oder was wollen Sie tun, wenn die Werbebilder, die auf den Webseiten von renommierten Verlagshäusern eingeblendet werden, manipuliert sind und ihren PC überfallen, knebeln und fesseln können. Immerhin ist das blick.ch passiert und könnte im schlimmsten Fall auch uns passieren. Denn wir haben keine Kontrolle über bestimmte Werbeflächen. Brrr - bereits der blosse Gedanke daran jagt einem kalte Schauer über den Rücken.
Man muss sich definitiv daran gewöhnen, dass man eigentlich nie weiss, wo man ist, wenn man "im Internet" ist. Wohin soll das führen, wenn selbst eine Unterseite des Internetauftritts der grössten Schweizer IT-Messe, der Orbit-iEX mittels "SQL-Injection" gehackt wurde und möglicherweise zur Virenschleuder umfunktioniert wurde? Verstehen Sie mich nicht falsch: Internet-Applikationen gegen fiese Methoden wie eben die Injizierung von Code zu schützen, ist keine einfache Sache und wir verspüren als Betreiber einer Internet-Plattform eher leise Furcht denn Schadenfreude.
50 Euro oder...
Sehr gestaunt haben wir diese Woche beim Studium der Webseite Backscatterer.org. Dort wird eine so genannte 'Blacklist' betrieben, mit deren Hilfe Mailserver-Administratoren die elektronische Post von bestimmten, unerwünschten Absendern automatisch blockieren können. Für uns als Versender eines E-Mail-Newsletters sind solche 'Blacklists' wichtig. Landen wir versehentlich darauf, so erhalten bestimmte Leser unter Umständen den Newsletter nicht. Kein Newsletter, weniger Leser, weniger Leser, weniger Werbeverkäufe - so einfach ist das.
Backscatterer listet nun E-Mail-Server, die bestimmte, unerwünschte Einstellungen haben, die sich unter Umständen aber nicht verhindern lassen, wie uns ein Experte versicherte. Warum ein Mailserver nun genau auf der Liste landet, wird zwar nicht erklärt, aber es ist klar, dass man schnellsten wieder aus der Liste verschwinden möchte.
Das geht: gelistete E-Mail-Versender werden automatisch nach vier Wochen aus der Liste entfernt. Wer schneller aus der bösen Liste möchte, der muss bezahlen. 50 Euro verlangt Backscatterer. Die Bezahlung geht ganz einfach mit Kreditkarte oder PayPal. Sagten wirs doch: Das Internet ist ein Schlangennest. (Christoph Hugenschmidt)

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