Schlechtes Breitband: Oberegg stöhnt und ächzt im Homeoffice

12. Februar 2021, 14:24
image

Die Appenzeller Gemeinde klagt über miserables Internet. Auch bei den Regierungsräten der beiden Kantone klappt noch nicht alles mit Homeoffice.

Dass Appenzell Innerrhoden bezüglich Glasfasererschliessung anderen Kantonen hinterherhinke, sei kein Geheimnis mehr, schreibt die 'Appenzeller Zeitung'. Nur 68% der Bevölkerung verfüge über eine Bandbreite von 40 Mbit/s und mehr. Bei über 1600 Nutzungseinheiten sei zudem selbst die gesetzlich garantierte Grundversorgung von 10 Mbit/s noch nicht sichergestellt. "Ein klarer Standortnachteil", so der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements Roland Dähler.
Als Beispiel einer besonders betroffenen Gemeinde hat die 'Appenzeller Zeitung' (Paywall) eine Umfrage in Oberegg durchgeführt. Hier sei das Internet so langsam, dass Homeoffice teilweise unmöglich und eine Qual für die rund 1900 Einwohnerinnen und Einwohner sei. Untragbar sei die Situation, beklagt sich Markus Nef, Geschäftsführer der Nef Landmaschinen AG. "Das E-Banking läuft nicht richtig, das Versenden von Bilddateien dauert ewig, Online-Tagungen sind unmöglich", sagt Nef.
Eine Bäuerin erzählt: "Meine Tochter absolviert gerade eine Schulung im Bereich Treuhand – am Onlineunterricht kann sie jedoch nicht von zu Hause aus teilnehmen, sondern muss dafür zu ihrer Schwester nach Rebstein." Auf ihrem Hof komme unter anderem auch ein Melkroboter zum Einsatz, der Internet benötige, das verknappe die schon geringe Bandbreite zusätzlich.

Aus Sicherheitsgründen keine Videokonferenzen

Oberegg und andere Gemeinden sind mit den Homeoffice-Problemen nicht ganz allein, wie ein weiterer Bericht der Zeitung zeigt. Die Regierungsräte von Appenzell Ausserhoden müssten ihre Sitzungen vornehmlich mit Telefonkonferenzen abhalten, ohne das Gegenüber zu sehen. Zwar sei die IT-Infrastruktur gut, so Regierungsrat Paul Signer. Aber: "Gerne würde der Regierungsrat vermehrt Videokonferenzen durchführen, doch dies ist derzeit aus Sicherheitsgründen noch nicht möglich. Wir tauschen vertrauliche Informationen aus. Bei den Cloud-Services ist nicht gewährleistet, dass niemand Einsicht in die Daten hat."
So treffe sich die Regierung von Ausserrhoden für die wöchentliche Gesamtsitzung nach wie vor persönlich, aber nicht im gewohnten Regierungszimmer, sondern im Kantonsratssaal mit genügend Abstand. In Innerrhoden sind zwar Videokonferenzen möglich. Doch, "die zunehmende Zahl der Videokonferenzen ist mühsam", sagt Landammann Roland Inauen. Für manche Teilnehmer sei es schwierig, überhaupt zu Wort zu kommen.
Video: The Guardian/Youtube
Dass die Sitzungen in Appenzell aber derart ausarten oder verunmöglicht würden, wie in der englischen Kleinstadt Handforth – darüber ist bis jetzt nichts bekannt. Dort lief letzte Woche ein Meeting des Handforth Parish Council völlig aus dem Ruder: Beteiligte pöbelten sich an, Teilnehmende wurden aus der Konferenz geschmissen. Das Video des Zoom-Meetings ging um die Welt. Auch vor solchem viralem "Youtube-Ruhm" wird Appenzell wohl verschont bleiben.
Korrektur 13.2.: Im Lead wurde die Bezeichnung Halbkantone in Kantone korrigiert. Wir entschuldigen uns für den Fehler.

Loading

Mehr zum Thema

image

Schwyz erhält einen neuen CIO

Im Sommer wird Marcel Schönbächler die Leitung des Amts für Informatik im Kanton übernehmen.

publiziert am 27.1.2023
image

Podcast: Wie fair und objektiv ist künstliche Intelligenz?

Der Bundesrat will, dass KI Behörden effizienter macht. Warum das zu einem Problem werden kann, diskutieren wir in dieser Podcast-Folge.

publiziert am 27.1.2023
image

Luzerner können Wille zur Organspende in App hinterlegen

Patientinnen und Patienten des Luzerner Kantonsspitals können ihre Entscheidung zur Organspende neu in der Patienten-App ablegen.

publiziert am 26.1.2023
image

PUK soll Zürcher Datenskandal durchleuchten

Datenträger der Justizdirektion landeten im Sex- und Drogenmilieu. Jetzt soll eine Parlamentarische Unter­suchungs­kommission zum Vorfall eingesetzt werden.

publiziert am 26.1.2023