Schleich­werbung für E-ID: Presserat rügt Ringier

30. April 2021, 14:27
image

Der Presserat heisst eine Be­schwerde der Digitalen Gesellschaft gut. Der Verlag hat bezahlte Polit-Werbung für die E-ID nicht aus­reichend gekenn­zeichnet.

Im Vorfeld der Volksabstimmung zum E-ID-Gesetz am 7. März 2021 hatte der 'Blick' einen Beitrag von Digitalswitzerland veröffentlicht mit dem Titel "Darum brauchen wir eine elektronische Identität". Die Digitale Gesellschaft erhob Beschwerde beim Presserat und machte Verstösse gegen die Richtlinie der Trennung von redaktionellem Teil und Werbung geltend. Der Text sei nicht ausreichend als Werbung, respektive von Digitalswitzerland bezahltem Inhalt gekennzeichnet worden.
Die Digitale Gesellschaft hatte gemeinsam mit anderen das Referendum gegen das E-ID-Gesetz ergriffen. Auf der Gegenseite stand unter anderem der Wirtschaftsverband Digitalswitzerland, der von Ringier-CEO Marc Walder initiiert worden war.
Beim im 'Blick' veröffentlichten Text sei zwar anstelle des Autorennamens "In Kooperation mit Digitalswitzerland" gestanden, in der Teaser-Ansicht sei dieser Hinweis aber nicht erschienen, heisst es vom Presserat. Später sei der Text ergänzt worden um die Erklärung: "Dies ist ein bezahlter Beitrag". In einem weiteren Schritt sei der Zusatz, bei "diesem Inhalt handelt es sich um politische Werbung", angefügt worden.
Die Digitale Gesellschaft schreibt, die "Schleichwerbung sollte als redaktionell bearbeiteter und journalistisch neutraler Artikel die Meinungsbildung im Vorfeld der Volksabstimmung zu Gunsten von 'Digitalswitzerland' beeinflussen".
Der Presserat wacht über die Einhaltung der "Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten", der sogenannte Journalistenkodex. Er nimmt auf Beschwerde hin oder von sich aus Stellung. Die Erklärung und Tätigkeiten des Presserats sollen zur journalistischen Berufsethik beitragen.
In der Beschwerde gegen Ringier ist der Presserat zum Schluss gekommen, dass in der ersten Version des Beitrags der Inhalt nur über die Autorenzeile als Werbung identifizierbar gewesen sei. Auch habe sich der Beitrag gestalterisch nicht vom redaktionellen Teil abgehoben. Damit ist die Richtlinie 10 in der "Erklärung" verletzt, laut der eine Trennung zwischen redaktionellem Teil und Werbung unabdingbar ist. Nach Auffassung des Presserats falle dies im Vorfeld einer Abstimmung bei politischer Werbung besonders ins Gewicht.
In der Stellungnahme wird angefügt, dass auch die zweite Version des Textes nicht ausreichend gekennzeichnet gewesen sei. Die aktuelle Version hingegen sei "in ihrer Eindeutigkeit beispielhaft gelöst".
Die Blick-Gruppe habe ihre Kennzeichnungs-Policy inzwischen überarbeitet, um mehr Klarheit bei bezahlten Inhalten zu schaffen, heisst es dort.

Loading

Mehr zum Thema

image

Justitia 4.0: Anwälte können Portokosten sparen

Nächstes Jahr startet die Entwicklung von Justitia 4.0. Im Interview erläutert Gesamtprojektleiter Jacques Bühler, wie er Anwälte überzeugen will, warum die Post auf Millionen verzichten muss und weshalb das Mitmachen der Kantone freiwillig ist.

publiziert am 23.9.2022
image

Wegen Daten-Spionage: Sammelklage gegen Meta

In einer Klageschrift gegen Meta heisst es, Apps von Instagram und Facebook würden Daten mittels eines JavaScript-Code auf Websites einspeisen.

publiziert am 23.9.2022
image

Die Steuerverwaltung zentralisiert ihre Online-Dienste

Alle E-Services der ESTV werden ab November über das ePortal des Finanzdepartements zugänglich. Zudem sollen dort neue Services angeboten werden.

publiziert am 23.9.2022
image

In Glarus wird Pierre Rohr Chef der neu geschaffenen IT-Hauptabteilung

Ab 2023 amtet der bisherige Leiter der kantonalen IT-Dienste auch als Chef der dann integrierten Gemeinde-IT-Firma Glarus hoch3.

publiziert am 23.9.2022