Schleppender Prozessoren-Absatz

12. November 2010, 14:37
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Schwache Nachfrage im Juli und August.

Schwache Nachfrage im Juli und August.
Mit Blick auf das Jahresendgeschäft ist das dritte Quartal normalerweise die heisse Saison für PC-Mikroprozessoren, mit durchschnittlichen Wachstumsraten von 10,6 Prozent beim Absatz und 9 Prozent beim Umsatz. Davon sind die von Marktforscher IDC vorgelegten Zahlen für die Monate Juli bis September 2010 weit entfernt. Auf Quartalsbasis waren hier nur "Babyschritte" von 2,1 Prozent nach Stückzahlen und 2,5 Prozent nach Umsatz zu beobachten. Im Jahresvergleich lesen sich die Zuwachsraten mit 8,6 Prozent respektive 24,1 Prozent zwar besser, aber man darf auch nicht vergessen, dass das dritte Quartal 2009 noch sehr unter dem Eindruck der globalen Finanzkrise war.
"Die Nachfrage nach Prozessoren war schwach im Juli und August", erklärt Shane Rau, IDC-Direktor für PC-Halbleitermarktforschung. "Die Markenanbieter haben sehr sensibel auf den kleinsten Hinweis einer sich eintrübenden Endkundennachfrage reagiert. Und wenn sie ihre PC-Bauaufträge zurückfahren, wie sie es Ende des zweiten Quartals 2010 und in der ersten Hälfte des dritten Quartals getan haben, dann fahren nicht nur sie ihre Prozessorbestellungen zurück, sondern zwingen sie auch die Auftragsfertiger, ihre Bestellungen für handelsübliche Komponenten zu kappen. Die gesamte Lieferkette ist unberechenbar geworden", so Rau weiter.
War in der jüngsten Vergangenheit meist der Consumer-Markt der rettende Anker für die IT-Industrie, mehren sich heute Zeichen, dass es eher die Unternehmen sind. Das zeigt sich auch bei den CPU-Zahlen nach Segmenten. So haben die Verkäufe mobiler Prozessoren im Vergleich zum zweiten Quartal nur um 1,6 Prozent zugelegt, die von PC-Serverprozessoren dagegen um 4,1 Prozent und die von Desktop-CPUs um 2,4 Prozent. Ein Jahr zuvor lasen sich die Wachstumszahlen ganz anders, da preschten Notebook- und Netbook-Prozessoren mit 13,3 Prozent davon, PC-Serverprozessoren mit 24,4 Prozent, Desktop-CPUs schlichen dagegen mit 1,7 Prozent Wachstum hinterher.
Intel hat leicht verloren
CPU-Marktführer Intel kam im dritten Quartal auf einen Marktanteil von 80,4 Prozent, ein leichtes Minus von 0,3 Prozentpunkten, während AMD um 0,2 Punkte auf 19,2 Prozent an Boden gutmachen konnte, VIA Technologies aus Taiwan um 0,1 Punkte auf 0,4 Prozent. Bei mobilen Prozessoren kam Intel auf einen Anteil von 85,9 Prozent, AMD auf 13,7 Prozent. Den Markt für PC-Server- und Workstation-CPUs hat Intel mit 93,7 Prozent fast allein bestritten, bei Desktop-Prozessoren konnte AMD aber um 0,5 Punkte auf 27,8 Prozent wachsen, während Intel 0,4 Punkte verlor und somit "nur" 71,8 Prozent des Marktsegments für sich einnahm.
Lähmende "Frühgeburten" und Ausblick
Wie schon in der Vergangenheit und in anderen Märkten zeigte sich im dritten Quartal, dass schon die Ankündigung neuer Produkte eine lähmende Wirkung auf die Nachfrage haben kann. Viele Verbraucher dürften ihre Kaufgelüste zu Weihnachten zurückstellen, weil sie auf den Launch von Intels Nehalem-Nachfolger "Sandy Bridge" und "AMD Fusion" Anfang 2011 warten. Durch den vorgezogenen Launch der beiden Desktop-CPUs und saisonal bedingt sei zwar im zweiten Halbjahr insgesamt mit Wachstum bei den Prozessorlieferungen zu rechnen, im Jahresvergleich werde dieses aber weniger stark ausfallen als in den ersten sechs Monaten, meint IDC-Analyst Rau und fügt hinzu: "Wir glauben, dass das vierte Quartal 2010 ein verhaltenes Quartal wird."
Beim Blick in die Glaskugel für 2011 sieht Rau eine anhaltend schleppende Consumer-Nachfrage in den Ländern der ersten Welt. Diese werde aber durch das angehende PC-Replacement in den Unternehmen zum Grossteil wieder aufgefangen: "IT-Chefs werden PC-Upgrades in den kommenden zwölf Monaten Priorität einräumen, was in zweistelligen Wachstumsraten bei PC-Systemen und PC-Prozessoren im nächsten Jahr resultieren dürfte." (Klaus Hauptfleisch)

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