Schloter zum Fastweb-Skandal

4. März 2010, 10:27
    image

    Die "kriminelle Gesamtdimension" habe man beim Kauf von Fastweb nicht erkennen können, sagt Swisscom-Chef Carsten Schloter in einem Interview. Sollte bei Fastweb die Sorgfaltspflicht verletzt worden sein, dann müsse man den Schaden tragen.

    Die "kriminelle Gesamtdimension" habe man beim Kauf von Fastweb nicht erkennen können, sagt Swisscom-Chef Carsten Schloter in einem Interview. Sollte bei Fastweb die Sorgfaltspflicht verletzt worden sein, dann müsse man den Schaden tragen.
    Swisscom-CEO Carsten Schloter hat sich erstmals öffentlich zur Steuerbetrugs- und Geldwäscherei-Affäre bei der italienischen Swisscom-Tochter Fastweb geäussert. In einem Interview mit der 'Neuen Zürcher Zeitung' bekräftigte Schloter (der übrigens auch Verwaltungsratspräsident von Fastweb ist) die bisher von Swisscom gemachten Aussagen. Will heissen: Fastweb als Unternehmen sei das Opfer, weil die kriminellen Machenschaften zu Mittelabfluss geführt haben. Die "kriminelle Gesamtdimension" habe man vor drei Jahren beim Kauf von Fastweb nicht erkennen können.
    Es gebe zwei Fastweb-Mitarbeiter, die nachweislich von den Vorgängen wussten und auch Schmiergelder bekamen, so Schloter. Dabei dürfte es sich wohl um die beiden vor einer Woche entlassenen Fastweb-Manager Bruno Zito und Giuseppe Crudele handeln.
    Die Römer Untersuchungsbehörden haben damit gedroht, Fastweb unter staatliche Kontrolle ("Commissariamento") zu stellen. Ein Entscheid darüber sollte noch heute Donnerstag fallen. Gemäss Schloter ist das Spektrum in der Anwendung dieser Massnahme extrem breit. "Das kann von der Aufsicht über das von der Untersuchung betroffene Geschäft bis zur Aufsicht über die gesamte Tätigkeit von Fastweb sein." Fastweb-Vertreter versuchen seit einigen Tagen, die Behörden davon zu überzeugen, dass diese Massnahme überflüssig ist.
    Gemäss Schloter ist die Frage, ob Fastweb bei den beanstandeten "Mehwertdienste-Geschäften" sämtliche Sorgfaltspflichten wahrgenommen hat oder ob das damalige Management um die Natur der Geschäfte gar mitwissend war, zentral. Sollte sich herausstellen, dass Fastweb seine Sorgfaltspflichten wahrgenommen hat und das Management nicht mitwissend war, "dann wird der Staat die zurückbehaltene Mehrwertsteuer zurückerstatten müssen", sagt Schloter und ergänzt aber: "Sollte bei Fastweb jedoch die Sorgfaltspflicht verletzt worden sein, dann müssen wir den Schaden tragen. Wenn aktives Mitwissen des Managements vorliegt, werden diese Personen verurteilt."
    Schloter betont, dass es um das damalige Management geht. Um die Rolle des gegenwärtigen Managements abzuklären, hat man einen unabhängigen Juristen beauftragt, die ganzen 1600 Seiten an Beweis-Dokumenten durchzuarbeiten. "Wir kamen zum Schluss, dass in dieser Schrift keinerlei belastende Elemente gegen das heutige Management vorliegen", so Schloter. Das heutige Management sei deshalb Gegenstand von Ermittlungen, weil es Steuerformulare und Jahresrechnungen unterschrieben habe, um die ausstehenden Mehrwertsteuern der früheren Jahre zurückzufordern. Gegen jetzige Mitglieder des Managements werde nicht wegen Geldwäscherei sondern kraft ihrer Funktion bei Fastweb ermittelt, und dort gebe es wiederum die Frage der Sorgfaltspflicht.
    Da Fastweb 60 Prozent seiner Umsätze mit Geschäftskunden und dort einen substanziellen Anteil mit den italienischen Behörden generiere, sei man darauf angewiesen, "dass der gute Ruf des Unternehmens intakt bleibt", so Schloter gegenüber der 'NZZ'. Zurzeit könne man aufgrund der Feedbacks von Kunden sagen, dass sich der Imageschaden in Italien noch in Grenzen halte. "Aber das wird entscheidend davon abhängen, wie wir uns jetzt in diesem Verfahren positionieren, insbesondere bezüglich Transparenz und Zusammenarbeit mit den Behörden", so Schloter. Die Frage einer möglichen Auswirkung auf die Geschäftsentwicklung werde man wohl erst in sechs bis neun Monaten beantworten können. (mim)

    Loading

    Mehr zum Thema

    image

    Angeblicher Datendiebstahl: Unispital Lausanne gibt Entwarnung

    Ein Hacker behauptete, im Besitz von 2 Millionen Daten des Spitals zu sein. Doch das Datenpaket stammt offenbar aus Frankreich.

    publiziert am 27.1.2023
    image

    Zwei Wochen nach der Cyberattacke: Britische Post verschickt wieder Päckli

    Eine Ransomware-Bande hatte den internationalen Versand der Royal Mail lahmgelegt.

    publiziert am 27.1.2023
    image

    Intel-Zahlen rasseln in den Keller

    Im vergangenen Quartal fiel der Umsatz im Jahresvergleich um 32% auf 14 Milliarden Dollar. Unter dem Strich steht sogar eine rote Zahl.

    publiziert am 27.1.2023
    image

    Crypto Valley: sehr gute Miene zum sehr bösen Spiel

    Die Investoren-Vereinigung CV VC befindet im neusten Top 50 Report: Der Laden brummt, die Zukunft strahlt. Sie hat dafür einige Fantasie walten lassen.

    publiziert am 27.1.2023