Schnelles Internet in extremster Randregion II

22. Juni 2011, 10:10
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Oberwalliser Kabelnetzbetreiber Valaiscom bringt sich in die neue Datennetzgesellschaft ein.

Oberwalliser Kabelnetzbetreiber Valaiscom bringt sich in die neue Datennetzgesellschaft ein.
Der Kabelnetzbetreiber und Provider Valaiscom ist heute Morgen mit einer wichtigen Information an uns gelangt: Valaiscom werde durchaus mit der Swisscom kooperieren bei der Erschliessung des Oberwallis mit Glasfasern, welche Swisscom gestern angekündigt hat. Wir hatten gestern vermeldet, dass Valaiscom wahrscheinlich nicht mit von der Partie sein werde.
Am Telefon mit inside-it.ch erklärte Valaiscom-CEO Günter Seewer die Ausgangslage und die weiteren Schritte des Unternehmens mit Sitz in Brig, das zu 100 Prozent Walliser Gemeinden gehört. Die folgend dargestellte Position der Valaiscom basiert auf einer Mail-Stellungnahme.
Kein Bagger-Krieg
Valaiscom ist nicht Mitglied der IG Glasfaser, dem Zusammenschluss von Oberwalliser Elektrizitätswerken, die zusammen mit den Wirtschaftsförderern der Regions- und Wirtschaftszentrum Oberwallis (RWO) die gestrige Absichtserklärung mit der Swisscom unterzeichnet haben. Das erlaubt aber nicht den Rückschluss, dass der Swisscom-Konkurrent Valaiscom nicht wie andere lokale Infrastrukturdienstleister gehen will im FTTH-Ausbau.
Die Verhandlungen mit Swisscom seien von der IG Glasfaser geführt worden, weil diese als Verbund der Elektrizitätswerke als einzige im Besitz der benötigten Rohranlagen seien und somit die einzigen legitime Verhandlungspartner mit Swisscom sein können, so Valaiscom. Jetzt, da die Rahmenbedingungen geklärt sind, will sich Valaiscom aber an der Datennetzgesellschaft Oberwallis (DANET) beteiligen.
Finanzierung durch Vermietung
Die Konturen dieser noch zu gründenden Gesellschaft wurden in einer Präsentation bei einer Veranstaltung im Wallis zur unterzeichneten Absichtserklärung umrissen. Die DANET soll im Besitz der Gemeinden sein, deren EWs dann die eine Hälfte des Oberwalliser Glasfasernetzes bauen. Die Swisscom soll die andere Hälfte bauen. DANET und Swisscom gewähren sich die Nutzungsrechte für mindestens 30 Jahre. Mit diesem Kooperationsmodell dürfte Swisscom auf keine Probleme stossen, wie beim geplanten Joint Venture in Freiburg, das von der Weko vorerst gestoppt wurde.
Die geschätzten Kosten für den Ausbau des FTTH-Netzes im Oberwallis betragen 150 Millionen Franken. Die Hälfte davon übernimmt Swisscom, die andere Hälfte die DANET. Die besitzenden Gemeinden sollen 15 Prozent bis 25 Prozent zum DANET-Anteil beitragen, der Rest soll durch Fremdkapital gedeckt werden, das durch die Vermietung der Glasfasern an Provider und Telekomanbieter finanziert werden soll.
Wichtig für Valaiscom dürfte der bereits gefällte Entscheid sein, bestehende Glasfasernetze zu integrieren - dazu gehört auch das Valaiscom-Netz in Inden, einem Dorf mit 120 Einwohnern, das der Provider Ende des vergangenen Jahres aufs schnelle Internet gebracht hat. Die bestehende Valaiscom soll als Provider in diese DANET integriert werden. Am Ende sind also die Gemeinden im Besitz der gesamten vertikalen Glasfaser-Wertschöpfungskette, was das Oberwallis zu einem Schweizer Sonderfall macht. (Philippe Kropf)

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