Schockierende Enthüllungen beim indischen IT-Riesen Satyam

7. Januar 2009, 13:36
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Die indische IT-Szene wankt unter einem Finanzskandal: Der Satyam-Chef Ramalinga Raju ist zurückgetreten und hat zugegeben, dass die Bilanzen des indischen IT-Riesen seit Jahren stark manipuliert wurden.

Die indische IT-Szene wankt unter einem Finanzskandal: Der Satyam-Chef Ramalinga Raju ist zurückgetreten und hat zugegeben, dass die Bilanzen des indischen IT-Riesen seit Jahren stark manipuliert wurden.
B. Ramalinga Raju (Foto), der Verwaltungsratsvorsitzende und CEO von Satyam Computer Services hat in einem Brief an den Verwaltungsrat und die indische Börsenaufsicht finanzielle Manipulationen zugegeben und seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Auch sein Bruder, Managing Director B. Rama Raju, trat gleichzeitig zurück. Wie Raju erklärte, wurden die Bücher des indischen IT-Dienstleistungsriesen unter ihrer Leitung seit Jahren frisiert und Umsätze und Gewinne zu hoch dargestellt.
Das Ausmass der Manipulationen lässt sich an der letzten Quartalsbilanz abschätzen: Ausgewiesen wurden 27 Milliarden Rupien Umsatz und ein operativer Gewinn von 6,5 Milliarden Rupien (etwa 150 Millionen Franken). In Wahrheit betrug der Umsatz gemäss Raju etwa 21 Milliarden Rupien und der operative Gewinn lag bei lediglich 610 Millionen Rupien, also mehr als zehnmal tiefer, als verbucht. In der Bilanz wurden unter anderem auch nicht existierende Zinsen aus den angeblichen Barvorräten ausgewiesen.
Die Enthüllungen Rajus haben die indische IT-Szene schockiert und zu einer Krise bei Satyam geführt. Der Aktienkurs fiel sofort um rund 60 Prozent und allgemein wird um das finanzielle Überleben von Satyam gefürchtet. Zur Bewältigung der Krise hat der Verwaltungsrat – der gemäss Raju von allem nichts wusste – ein "SWAT-Team" unter der Leitung von Ram Mynampati, bisher President und nun Übergangs-CEO, gegründet.
"SWAT-Team" soll Glaubwürdigkeit retten
Das Notfallteam muss nun vor allem das Vertrauen in die finanzielle Überlebensfähigkeit von Satyam wiederherstellen. Gemäss Raju sind nämlich sehr viel weniger liquide Mittel vorhanden, als in den Bilanzen jeweils ausgewiesen wurden. Wie Raju erklärt, haben er und einige Vertrauensleute in den letzten zwei Jahren Satyam mehr als 12 Milliarden Rupien Bargeld zukommen lassen (was nicht in den Büchern erschien), um die fortlaufenden Operationen zu sichern. Raju empfiehlt dem Notfallteam unter anderem, nun nach möglichen Investoren oder Käufern für Satyam zu suchen und Merrill Lynch mit der Suche zu beauftragen – Merrill Lynch hat aber gemäss der 'Times of India' seine Geschäftsbeziehung zu Satyam abrupt beendet.
Die 'Times of India' befürchtet, dass der Skandal um Satyam die Glaubwürdigkeit des "indischen IT-Wunders" der letzten Jahre in Frage ziehen könnte. Auch Satyam-Konkurrenten wie Infosys äusserten sich umgehend zu den Vorfällen bei Satyam. Mohandas Pai von Infosys erklärte, dass Satyam ein Einzelfall sei, räumte aber ein, dass man nun wohl zumindest einen kleinen Teil der Kunden erneut von der Seriosität der indischen Dienstleister überzeugen müsse.
Ritt auf dem Tiger
Der reumütige Raju erklärt in seinem Brief, dass die Manipulationen vor Jahren mit einem "marginalen Lücke" zwischen den verbuchten und den tatsächlichen Profiten begonnen habe. Danach sei es trotz vielen Versuchen nie mehr gelungen, die Differenz wieder auszugleichen und die Lücke sei immer weiter gewachsen.
Eine Mitte Dezember angekündigte und sofort wieder abgeblasene Übernahme von zwei Immobilienunternehmen – an denen seine Familie zu einem Drittel beteiligt ist – sei ein letzter Versuch gewesen "fiktive Werte mit tatsächlichen Werten zu füllen." Er persönlich oder sein Bruder, so verteidigt er sich, hätten aber nie "auch nur eine Rupie" aus dem Unternehmen genommen und auch keine Aktien verkauft. Sie hätten immer befürchtet, dass Satyam, wenn man schwächere Resultate publiziert hätte, zu einem Übernahmeobjekt geworden wäre, was wiederum die Manipulationen ans Tageslicht gebracht hätte. "Es war wie ein Ritt auf einem Tiger. Wir wussten nicht mehr, wie absteigen, ohne gefressen zu werden." (Hans Jörg Maron)

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