Schuldzuweisungen in der Autonomy-Affäre

21. November 2012, 15:23
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Wer ist schuld daran, dass Hewlett-Packard fast 9 Milliarden Dollar auf den Wert von Autonomy abschreiben muss? Mike Lynch und Leo Apotheker wehren sich.

Wer ist schuld daran, dass Hewlett-Packard fast 9 Milliarden Dollar auf den Wert von Autonomy abschreiben muss? Mike Lynch und Leo Apotheker wehren sich.
Wie eine Bombe schlug gestern die Nachricht ein, dass HP den allergrössten Teil des Kaufpreises für den britischen Softwarehersteller Autonomy wieder abschreiben muss: 8,8 Milliarden Dollar sind damit verloren. Anders als beim Abschreiber auf EDS geht es diesmal aber um einen möglichen Betrug. So wirft HP dem übernommenen Unternehmen vor, mit Buchhaltungstricks eine viel zu positive Umsatzentwicklung vorgetäuscht zu haben. Warum dies HP erst jetzt aufgefallen ist und nicht schon kurz nach dem Kauf, bleibt ein Rätsel.
Im Fokus steht nun die Frage, wer eigentlich genau schuld daran ist. HP prüft Schadenersatzforderungen gegen die frühere Autonomy-Unternehmensspitze um Mike Lynch. Auch dem früheren HP-CEO Leo Apotheker und seinem einstigen Strategiechef Shane Robison wird vorgeworfen, den Kauf nicht gründlich genug untersucht zu haben. Doch die Beschuldigten wehren sich. HP versuche lediglich, von den schwachen Quartalszahlen abzulenken, sagte Lynch. Die Vorwürfe der Fälschungen seien komplett falsch, so Lynch gegenüber der 'Financial Times'. "Man muss ziemlich inkompetent sein, um so etwas ein Jahr lang nicht zu bemerken", meinte er.
Apotheker: "Ein Schock"
Den Kauf eingefädelt hatte letztes Jahr der damalige HP-CEO Leo Apotheker. Dieser hat sich heute in einem Statement ebenfalls geäussert: "Ich bin überrascht und enttäuscht, von angeblichen Bilanzunregelmässigkeiten bei Autonomy zu hören. Die Entwicklungen sind ein Schock für viele, die an das Unternehmen geglaubt haben, mich eingeschlossen."
Er betont, dass die Unternehmensbewertung letztes Jahr "sorgfältig und gründlich" durchgeführt worden sei. Zwei der weltweit grössten und renommiertesten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (gemeint sind Deloitte und KPMG) seien im Auftrag von HP an diesem Prozess beteiligt gewesen. Seiner Meinung nach sind eine Reihe von Leuten getäuscht worden. Er werde wie auch immer zur Verfügung stehen, um HP und den zuständigen Behörden dabei zu helfen, dieser Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Apotheker glaubt aber wie die aktuelle HP-Führung weiterhin daran, dass Autonomy Marktpotenzial hat.
Mittlerweile hat sich auch das FBI eingeschaltet. Die US-Börsenaufsicht SEC habe die Bundespolizei um Hilfe gebeten, schreiben US-Medien übereinstimmend. (mim)

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