Schweiz bleibt weltweite Top-Innovatorin

7. September 2020, 12:42
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Nirgendwo ist man innovativer als in der Schweiz, bestätigt eine globale Studie. Aber auf der Ebene von Clustern gilt das nicht.

Die Top-Innovatoren in Europa sind die Schweiz vor Schweden und UK. Schaut man sich das Ranking unter den Ländern mit hohem Einkommen an, fungiert die Schweiz ebenso als erste Adresse vor Schweden und den USA.
Dies eine der Erkenntnisse des "The Global Innovation Index 2020", der grundsätzlich die Top-Resultate für die Schweiz in den letzten 10 Jahren bestätigt.
Untersucht wurden dabei 131 Volkswirtschaften und jeweils rund 80 Faktoren, welche Innovation fördern, hemmen oder ganz einfach dokumentieren.
Über alles gesehen ist die Schweiz nach wie vor die Top-Innovationsnation der Welt und dies zum zehnten Mal in Folge und wie 2019 vor Schweden und den USA. Dies, weil die Schweiz in allen wichtigen Säulen der Innovation starke Resultate vorzeigen könne, so die Autoren der über 400 Seiten starken Studie.
Die tragenden Säulen der Innovation sind unter anderem die Güte der Institutionen, von Fachleuten, Infrastruktur, Ausgereiftheit des Markts und des Business und Kreativität.
In allen Säulen belegt die Schweiz gute bis sehr gute Ränge im globalen Vergleich, und in "Knowledge & Technology Outputs" listet der Bericht die Schweiz als Nummer eins. In dieser Säule zählen unter anderem Patente, Einnahmen aus geistigem Eigentum in Prozent des Gesamthandels, wissenschaftliche Publikationen, ISO-9001-Zertifizierungen, Software-Ausgaben in Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder der ICT-Services-Export in Prozenten des Gesamthandels.
Gruppiert man die vorliegenden Daten nach generell zentralen Innovationsfaktoren wie Venture Capital (VC), Forschung und Entwicklung (F&E), Unternehmertum oder Hightech-Produktion, so führen global Hongkong (China) und die USA vor Israel, Luxemburg und China, Zypern liegt auf Platz 4 und Singapur, Dänemark, Japan und die Schweiz gleichauf auf Platz 5.

Fällt Basel aus den Top-100 Clustern?

Die Autoren halten lokale, beziehungsweise regionale Cluster als zentral für erfolgreiche Innovation. Hier liegt Zürich auf Rang 49 weltweit (plus 1 Rang), während Lausanne auf Rang 89 (minus 3) und Basel 95, minus 4) noch in den Top-100 rangieren. Die Top-5-Cluster liegen in China, Japan, Südkorea und in Kalifornien, in Europa sind Paris (10) und London (15) zuoberst zu finden.
Basel könnte nächstes Jahr aus den prestigeträchtigen Top-100 fallen und die Standortprobleme zeigen sich auch in anderen Studien. Diese veranlassten die Handelskammern zu einer IT-Standortinitiative.
Womit auch klar ist, dass die Schweiz und die Cluster durchaus noch Potenzial haben, sich weiter zu verbessern.
Die Autoren fragen sich aus aktuellem Anlass auch, wer die Innovation finanziere und welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf Innovation ganz generell habe. "Grundsätzlich hat die Pandemie nichts an der Tatsache geändert, dass das Potenzial für bahnbrechende Technologien und Innovationen nach wie vor im Überfluss vorhanden ist."
Man könne davon ausgehen, dass Spitzenunternehmen weiterhin in F&E und IP investieren werden. "Viele Top-F&E-Firmen des Informationstechnologiesektors beispielsweise verfügen über enorme Barreserven, und die Etablierung der Digitalisierung wird die Innovation stärken."
Neben den ICT-Firmen werde der Pharma- und Biotechnologiesektor ein weiterer Spitzenreiter bei den F&E-Ausgaben sein und bleiben. "Darüber hinaus könnte die Covid-19-Krise durchaus einen Katalysator für Innovationen in vielen traditionellen Sektoren wie Tourismus, Bildung und Einzelhandel darstellen. Sie könnte auch Innovationen in der Art und Weise auslösen, wie die Arbeit auf Unternehmens- und individueller Ebene organisiert wird und wie die Produktion lokal und global (neu) organisiert wird", schreiben die Autoren.

VC-Deals stark rückläufig

Etwas anders sehen die Situation und die Prognosen beim Venture Capital aus. "Im Gegensatz zu 2009 ist die gute Nachricht, dass das Finanzsystem bisher gesund ist. Die schlechte Nachricht ist, dass das Geld zur Finanzierung innovativer Unternehmungen versiegt." VC-Deals seien in Nordamerika, Asien und Europa "stark rückläufig".
Während die Budgets für F&E rasch erholen oder auf Vor-Corona-Niveau bleiben, dürfte VC länger brauchen, um sich von der Baisse zu erholen. Vor allem Startups, die längerfristig F&E finanzieren müssen, würden dies wahrscheinlich negativ spüren.
Dies habe auch mit der Investmentpolitik, der vielfach enttäuschten Unicorn-Spekulation und andern Faktoren zu tun, nicht primär mit der Corona-Pandemie.
Wenn es um Risikokapital geht, werden die Hauptmagnete dieselben bleiben, so die Autoren. Singapur, Israel, China, Hongkong, Luxemburg, USA, Indien und Grossbritannien. Behalten die Forscher recht, so spielen Zürich, Lausanne oder Basel weiterhin nicht in der Top-Liga mit.
"The Global Innovation Index 2020" wurde von der privaten US-Uni Cornell University, der Businessschule INSEAD und der World Intellectual Property Organization (WIPO) gemeinsam publiziert. Sie ist kostenlos als PDF bei der WIPO verfügbar.

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