Schweiz: Pandemie bremst M&A, nicht aber in der ICT-Branche

22. Januar 2021, 10:55
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Die Digitalisierung befeuerte im Tech-Sektor Fusionen und Übernahmen. Die grossen Deals von 2020.

Die Pandemie hat im vergangenen Jahr Übernahmen und Fusionen spürbar erschwert: Das Transaktionsvolumen ist 2020 in der Schweiz um die Hälfte zurückgegangen, und auch die Anzahl der Deals war rückläufig. Nicht so im Techsektor, wie aus Zahlen des Beratungsunternehmens KPMG hervorgeht
Die M&A-Tätigkeit war im Gesamtjahr im Sektor für Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) rege. So gingen 2020 mehr als ein Fünftel aller Transaktionen und mehr als ein Drittel des Transaktionsvolumens auf das Konto dieser Branche. 80 Transaktionen über insgesamt 22,1 Milliarden wurden in der Branche abgewickelt.
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Die M&A-Aktivität im Sektor Technologie, Medien und Telekommunikation
Die Anzahl der Deals stieg fast um 50%, das Volumen um 89%. Die Zahlen deuteten klar darauf hin, dass sich die im Zuge der Coronakrise beschleunigte Digitalisierung direkt auf das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen ausgewirkt habe, so KPMG. Darum erwartet man beim Beratungshaus auch weiterhin eine rege M&A-Tätigkeit im Bereich.

Die Übernahmen im ICT-Sektor von 2020

Auch die zwei grössten Deals wurden im TMT-Sektor abgeschlossen: Liberty Global kaufte Sunrise für 7,2 Milliarden Dollar. CPA Global, eine Portfoliogesellschaft der Partners Group, fusioniert mit Clarivate Analytics mit einem Transaktionsvolumen von 7,1 Milliarden Dollar. 
Ebenfalls in die Top-5-Deals mit Schweizer Beteiligung gehört der Kauf von Veeam durch Insight Partners für 5 Milliarden Dollar. Und schliesslich schlug auch die Akquisition von Avaloq durch die NEC Corporation mit 2,4 Milliarden zu Buche.
Im IT-Bereich kam es zu weiteren Übernahmen, die nicht beziffert wurden: Tineo kaufte Netrics,  Cymbiq akquiriert Aspectra, Avectris verleibte sich Logicare ein. Avectris selbst wurde im Dezember von Gia Informatik übernommen. BSI ging an Capvis, Klara an die Post und Avantec wurde von Grapha gekauft.

KPMG: Der Ausblick ist "moderat"

Insgesamt nahm die Anzahl Transaktionen mit Schweizer Beteiligung auf 363 von 402 ab. Das Transaktionsvolumen war mit 63,1 Milliarden US-Dollar nur noch halb so gross wie im Vorjahr. Letzteres sei vor allem darauf zurückführen, dass Mega-Deals im letzten Jahr ausgeblieben seien, schreibt das Beratungsunternehmen KPMG. Vor allem im zweiten Quartal erlitt der Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) einen starken Einbruch.
Schweizer Unternehmen haben auch im vergangenen Jahr deutlich mehr ausländische Unternehmen erworben als umgekehrt: In 154 Fällen (42% der Transaktionen) wurden ausländische von Schweizer Unternehmen und in 84 Fällen (23%) Schweizer von ausländischen Unternehmen übernommen.
In der Branche soll laut KPMG das Tempo anhalten. Für das laufende Jahr gehen die Analysten insgesamt von einer "moderaten" Entwicklung im M&A-Markt aus. Im Bereich E-Commerce rechnet das Beratungsunternehmen mit einer wachsenden Dynamik. 

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