Schweizer Banken wollen mit Daten­analysen vorwärts machen

2. Juni 2021, 12:41
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Die Banken sehen zwar den finanziellen Profit aus ihrer Digitalisierung noch nicht, aber in Daten liege das Glück, so eine Studie.

"Die Digitalisierung führt bei Kantonal- wie Retailbanken zu steigenden IT Kosten pro Kunde" und dies bei sinkender Profitabilität. So lautet ein Fazit der neuesten Umfrage "Benchmark der IT Kosten für Schweizer Banken - Erhebung 2020/2021" des IT-Beraters Itopia.
Die Cost Income Ratio (CIR) bezogen auf die IT-Aufwände laut den teilnehmenden Banken veränderten sich im "Coronajahr": Die IT-Kosten in Prozent des Geschäftsaufwands haben sich erneut weiter erhöht, mit einem Median von 21.4% im Jahr 2020.
Und präziser: Von 2010 bis 2016 stieg der CIR-Median der Retailbanken von 52% auf fast 58%. "Im Jahr 2017 konnte der Trend gebrochen werden und der CIR Median liegt seither zwischen 54,5% und 55,25%."
"Dies kann als Zeichen fortschreitender Digitalisierung interpretiert werden", mutmassen die Autoren und glauben, "Banken, die effektiv in ihre IT investieren, haben einen hohen Kostenanteil, sind aber profitabel".
Diese Kosten rechnen die Autoren sowohl auf Bankmitarbeitende, als auch auf die Kunden um. Die Resultate: Im Jahr 2020 investierten die Retailbanken im Schnitt 1,4% mehr in die IT pro Mitarbeitendem, während die Privatbanken 2,1% weniger ausgaben als im Vorjahr.
Die erhöhten Kosten beziehungsweise Investitionen pro Bankmitarbeitendem bei Retailbanken könnten laut den Autoren durch die Digitalisierung auflaufen, aber ganz sicher sind sie sich nicht.
Dabei zeigt sich nach der anderen Rechnung, dass die IT-Ausgaben pro aktivem Kunden sich je nach Geschäftsmodell und Bank stark unterscheiden. Bei den Retailbanken schwanken sie pro aktivem Kunden zwischen 57 und 250 Franken. Ein Ausreisser investierte gar 452 Franken pro Kunde. Der Median liege neu bei 169 Franken.
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Viel mehr müssen die Privatbanken investieren - je nach Bank sind es zwischen 475 und 4314 Franken pro aktivem Kunden. Der Medien ist aber gesunken, von 1875 Franken im Jahr 2019 auf 1628 Franken 2020.
Die Grösse einer Bank und das Sourcing-Modell beeinflussen die Kosten negativ oder positiv, heisst es weiter: "Skaleneffekte scheinen bei grösseren Banken die Kosten komplexerer Strukturen und Prozesse zu kompensieren. Dazu wirkt sich der höhere Anteil interner IT positiv auf die gesamten IT Kosten aus", schreiben die Autoren.

Daten sind  das neue Öl, aber...

Seit Jahren gibt es zum Thema Datenanalyse bei Banken unzählige Artikel, Empfehlungen und Konferenzen. Auch Itopia haut in diese Kerbe. "Datenmanagement und Analytics werden zu einem wesentlichen Erfolgs- wie auch Kostenfaktor", begründen die Autoren die Wahl ihres Fokusthemas.
Die Umfrageresultate würden zeigen, dass die Banken noch nicht dort sind, wo sie sein möchten und hinwollen. "Die Datenqualität ist ein übergreifendes Thema", schrieb eine grosse Retailbank zu ihren Problemen, und eine grosse Kantonalbank nannte "Clustering von Kundengruppen und gezielte Kundenselektion mithilfe Machine Learning" als ein Ziel.
Investiert wird in Datenerfassung und Analyse schon. Grössere Banken geben durchschnittlich 1,6% des gesamten Geschäftsaufwandes aus, kleinere immerhin noch 0,6%.
Es ist aber noch nicht wirklich von einem erfolgreichen Investment zu sprechen, das zeigt sich in der Selbstbeurteilung der Teilnehmer im eigenen Reifegrad beim Thema Datenmanagement & Analytics auf einer Skala von 1 bis 5.
Eine Wertung von durchschnittlich 2,9 - also "mittlerer Reifegrad" - ergab sich für 2020.
Speziell die "Data Architecture & Governance" gibt Probleme auf, und aktuell attestieren sich 45% der Banken nur einen geringen Reifegrad von 1 bis 2. Und bei den potentiellen Einsatzgebieten stellen die Autoren fest, dass die Datennutzung beim Service & Support der Banken "aktuell stark vernachlässigt wird."
Outsourcing scheint sich laut der Umfrage als keine alleinseligmachende Strategie zu erweisen: Im Schnitt liegen Banken mit vollständigem Outsourcing  eine halbe Reifestufe zurück hinter Mitbewerbern, welche vor allem auf interne Investitionen setzen.

Grosse Pläne für 2023

2023 hingegen soll laut den Banken alles viel besser sein als heute. Sie haben hochgesteckte Pläne und Ziele, wieviel Nutzen sie künftig aus Daten ziehen wollen. Die Mehrheit will sicher um fast einen Punkt auf der Reife-Skala zwischen 1 und 5 aufsteigen im Vergleich zu 2020.
Die Steigerung bezieht sich auf alle Gebiete, in denen Datenanalysen einen Nutzen versprechen, von strategischen Fragen bis hin zum regulatorischen Reporting.      
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Ist- und Sollzustand auf einen Blick (Grafik: Itopia)
Vom höchsten Reifegrad 5 – systematischer Einsatz fortgeschrittener analytischer Werkzeuge – sehen sich die Banken aber auch noch 2023 deutlich entfernt.
Ob die Nachzügler nun auf Insourcing setzen, um aufzuholen, ist aus der Umfrage nicht zu ersehen. Aber es wird Geld und Zeit investiert werden.
Die Umfrage "IT Benchmark" wird seit 2000 von Itopia durchgeführt. An der neuen Ausgabe haben insgesamt 37 Banken teilgenommen. 26 Retailbanken (davon 18 Kantonalbanken) sowie 11 Privatbanken.

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