Schweizer Cloud-Markt auf dem Prüfstand

2. August 2016, 12:15
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Cloud-Anbieter müssen über den Tellerrand blicken. Wer nur auf Swissness setze, verliere an Innovationskraft, so der Experton-Benchmark.

Cloud-Anbieter müssen über den Tellerrand blicken. Wer nur auf Swissness setze, verliere an Innovationskraft, so ein Ergebnis des "Cloud Vendor Benchmark" von Experton.
Die Experton Group hat Anfang 2016 zum dritten Mal auch den hiesigen Cloud-Markt untersucht. Auf die Liste der etwas mehr als 200 Anbieter aus Deutschland und der Schweiz schafften es 105, die als relevant für den Schweizer Markt bewertet und einer detaillierten Analyse unterzogen wurden.
SaaS dominiert Cloud-Markt
Insgesamt wird ein Marktvolumen von gemanagten privaten Clouds von umgerechnet rund 440 Millionen Franken für die Schweiz ausgewiesen. Sie verteilen sich zu 22,5 Prozent auf IaaS-Angebote, denen für das kommende Jahr ein Wachstum von über 18 Prozent vorhergesagt wird. Der PaaS-Anteil wird mit 18,8 Prozent angegeben, der um 15,5 Prozent zulegen soll. Die SaaS-Sparte belegt mit 58,7 Prozent den grössten Teil im Cloud-Markt und wird um fast 20 Prozent wachsen, wenn man den Analysen glauben will.
Der Public-Cloud-Markt wird mit umgerechnet rund 810 Millionen Franken angegeben. Hier ist Dominanz der SaaS-Angebote noch krasser. Während der IaaS-Anteil mit 13,3 Prozent angegeben wird (Wachstumvorhersage rund 37 Prozent), liegt der PaaS-Sektor bei 5,6 Prozent (Wachstumvorhersage satte rund 62 Prozent) und die SaaS-Sparte überragt mit 81,1 Prozent Marktanteil (Wachstumvorhersage rund 34 Prozent) die Public-Cloud-Angebote der Schweiz.
Experton identifiziert Leader
Von den über hundert in der Schweiz tätigen Unternehmen zählt der Benchmark 33 zu den wichtigen Anbieter für die Cloud-Transformation. Und 14 Provider von ihnen habe man in seinem Leader-Quadranten positioniert, wie Experton Group schreibt. Das sind in der Regel international tätige Unternehmen aber beispielsweise auch Econis, MTF oder Swisscom.
Bei den Managed Services habe man 23 Provider identifiziert, von denen elf einen Platz im Leader-Quadranten erreichten. Auch hier zeichnen die Analysten neben Econis meist weltweit arbeitende Anbieter aus. Etwas anders sieht es bei den Anbieter für IaaS aus einer privaten Cloud aus, wo von 31 Schweizer Unternehmen 14 als relevant für den Schweizer Markt gewertet wurden. Abermals gehört Econis dazu, aber auch Bedag Informatik, Itris, MTF, Netcloud, Swisscom und Steffen Informatik schafften es in die Leader-Platzierung. Als wichtige SaaS- oder Cloud-Workplace-Anbieter wurden 16 Unternehmen ausgewählt, von denen es fünf in den Leader Quadranten schafften: AWS, Bison IST, VMware, Swisscom und die Deutsche Telecom.
Im hybriden Marktumfeld für gemanagte Enterprise-Public und Virtual-Private-Clouds hat man im Schweizer Markt 27 Unternehmen als relevante Anbieter identifiziert, von denen es 14 Provider in den Leader-Quadranten schafften. Allerdings, so der Benchmark, seien im Vergleich zum Vorjahr "einige Anbieter aufgrund ungenügender Referenzen sowie geringer Umsätze und Markt-Awareness aus diesem Cloud-Teilmarkt ausgeschieden". Konkret genannt werden unter anderem VMware, Interoute und Colt. Hinzugekommen sei "nach einem Reboot" mit jedoch Unisys eine "alteingesessenen Marke, die verstärkt in gemanagte und vor allem hybride Public-Cloud-Infrastrukturen investiert".
"Cloud als Fundament moderner Geschäftsmodelle"
Generell hält man bei der Experton Group fest, dass das Cloud-Business "nach wie vor durch Trends der Digitalisierung sowie gegenwärtigen ICT-Trends wie etwa Big Data" getrieben wird. Die Kombination von Cloud-Modellen beispielsweise mit höheren Mobilitätsanforderungen oder Analysetechniken, führe "nicht selten" zu neuen Geschäftsmodellen, heisst es bei Experton weiter. Ausserdem würden die IT als Produktionsfaktor und Cloud als Fundament moderner Geschäftsmodelle und globaler Vernetzung inzwischen besser verstanden, was ebenfalls die Nachfrage nach Cloud-Services treibe. Und weil es sich hierbei oft um komplexe Prozesse handle, würde auch vermehrt Cloud-Transformations- und Integrations-Beratung nachgefragt.
Kritisch bewerten die Analysten allerdings den Fokus der Anbieter "auf die reine Swissness, die es aus Sicherheitsgründen kaum erlaubt Rechenzentren ausserhalb der Schweiz zu betreiben beziehungsweise an das eigene Netzwerk anzuschliessen". Wer nicht sehr eng mit internationalen Grössen im Thema Cloud kooperiere, verliere schnell an Innovationsgeschwindigkeit, meint man bei der Experton Group. Die Beschränkung auf den DACH-Raum reiche nicht aus, "der Blick über den Tellerrand ist unverzichtbar", wird dem Innovations-Weltmeister Schweiz empfohlen. (vri)

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