Schweizer Datenschützer nimmt Facebook ins Visier

22. Februar 2010, 10:24
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Hanspeter Thür will dem sozialen Netzwerk verbieten, Daten von Nichtmitgliedern zu sammeln.

Hanspeter Thür will dem sozialen Netzwerk verbieten, Daten von Nichtmitgliedern zu sammeln.
Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftrage (EDÖB) Hanspeter Thür will dem Social-Network Facebook verbieten, Daten von Nichtmitgliedern zu sammeln. Dies berichtet die 'SonntagsZeitung' in ihrer gestrigen Ausgabe. Er prüfe derzeit, wie er gegen den amerikanischen Betreiber vorgehen könne, heisst es weiter.
Hintergrund ist eine auf sozialen Netzwerken weit verbreitete Möglichkeit, nach Freunden zu suchen, indem das persönliche Adressbuch etwa aus Windows Live Messenger, ICQ, dem Handy oder aus einem E-Mail-Konto heraufgeladen wird. Facebook sucht anhand dieser Daten dann Bekannte, die ebenfalls auf der Plattform aktiv sind und schlägt diese als Freunde vor. Facebook speichert diese Daten auch nach der Nutzung der Funktion, um dem Nutzer anzuzeigen, wenn sich ein Kontakt zu einem späteren Zeitpunkt anmeldet. Mittels eines speziellen Links lässt sich diese Datensammlung zwar wieder löschen, für Thür geht die Datensammlerei aber zu weit. Er will den Facebook-Machern nun verbieten, auf diese Weise Daten von Nichtmitgliedern zu sammeln.
"Genau wie jedes andere Online-Adressbuch speichert auch Facebook die hochgeladenen Kontakte ab", verteidigte ein Sprecher von Facebook die Funktion gegenüber der Zeitung. Die Verantwortung liege klar beim Nutzer, der im Vorfeld ja zustimmen müsse, dass seine Kontakte verschickt werden. So trifft es zwar in der Tat zu, dass der Nutzer, der die Kontaktdaten anderer Personen herauflädt, seine Einwilligung zur Nutzung der Daten gegeben hat. Dass Facebook jedoch nicht über die Einwilligung desjenigen Users verfügt, der sich möglicherweise unfreiwillig in einem auf diese Weise heraufgeladenen Adressbuch befindet, unterschlägt das soziale Netzwerk jedoch geflissentlich.
Facebook gerät immer wieder wegen Datenschutzbedenken in die Schlagzeilen. Auch in den USA mehren sich die Klagen. (Thomas Brühwiler)

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